Aufruf des Caritasvorstandes an seine Mitarbeiter

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

wir schreiben Ihnen heute mit einem Anliegen, das uns als Caritas nicht unberührt lassen kann. Wir erleben derzeit eine Verrohung der Sprache und einen Anstieg der Gewaltbereitschaft. Doch Hassworte und Übergriffe können niemals geduldet werden. Eine Abwertung von Menschen widerspricht nicht nur Artikel 1 unseres Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, sondern auch unserem christlichen Wertesystem. Der Caritasverband tritt Rassismus und menschenfeindlichen Aktionen und Äußerungen
gegenüber Minderheiten entschieden entgegen. Wir lassen es nicht zu, dass Gruppen Hilfe suchender Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Unser Caritaspatron Pater Rupert Mayer, der sich für Recht und Gerechtigkeit eingesetzt hat, kann uns darin Vorbild sein.

Mit diesem Brief möchten wir Sie dazu ermutigen, gegen Menschenfeindlichkeit aufzustehen. Dank Ihrer engagierten Arbeit als Mitarbeitende oder Ehrenamtliche können wir in der
Erzdiözese München und Freising große Erfolge einer nachhaltigen Integration aufweisen. Zum Beispiel wenn Flüchtlingskinder nach kurzer Zeit in Regelklassen unterrichtet werden, Jugendliche Deutsch lernen und in Ausbildung vermittelt werden oder erwachsene Geflüchtete einen Arbeitsplatz finden. Doch es gibt noch viel zu tun. Und es gibt auch kritische Stimmen und Menschen, die sich Sorgen machen und Angst vor Veränderung haben. Wir sehen es als Aufgabe der Politik, der Zivilgesellschaft und gerade auch der
Kirche und ihrer Caritas, hinzuhören und die anstehenden Debatten ernsthaft und sachlich zu führen.

Was ist zu tun?
Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. engagiert sich dafür, dass bei uns ein Klima für Integration geschaffen wird. Wir haben einen hohen Anteil an Migranten
unter unseren Mitarbeitenden. Rassistische Äußerungen richten sich damit auch gegen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verletzen uns als Caritas. Wir bitten Sie, klar Position zu beziehen.

 · Treten Sie in Ihrem Umfeld rassistischen und menschenfeindlichen
   Äußerungen in Wort und Tat entschieden entgegen.
· Achten Sie auf Sprache und Wortwahl und lassen Sie
  Verallgemeinerungen nicht stehen. Politikverdrossenheit ist etwas
  anderes als Demokratiefeindlichkeit.
· Klären Sie in Ihrem privaten Umfeld über Hintergründe und
  Zusammenhänge auf.
· Nehmen Sie Ängste ernst, wenn diese geäußert werden, und
  wirken Sie diesen mit sachlichen Argumenten entgegen.

Auf der Grundlage unseres christlichen Leitbildes haben wir Gründe zusammengetragen, die Ihnen bei der Argumentation helfen sollen. Sie können sich das Leporello „Gute Gründe, sich für Flüchtlinge zu engagieren“ von der Internetseite herunterladen: www.caritas-gutegruende. de.

Jeder Einzelne von uns ist gefordert, im beruflichen wie im privaten Umfeld, achtsam gegenüber menschenfeindlichen Äußerungen und Handlungen zu sein und rechtzeitig dagegenzuhalten. Wir möchten Sie als Mitarbeitende und Ehrenamtliche darin stärken.

Was Sie sonst noch tun können: Schulungen für Ehrenamtliche und Mitarbeiter
Kreisbildungswerke und auch andere Träger bieten verschiedene Schulungen an, um sich selbst und andere zu schützen und zu stärken. In praktischen Argumentationstrainings kann eingeübt werden, wie man auf menschenfeindliche Äußerungen reagiert.

Wir mischen uns sozialpolitisch ein
Nächstes Jahr wird der Deutsche Bundestag neu gewählt. Ein Jahr darauf der Bayerische Landtag. Wir werden als katholischer Wohlfahrtsverband die Politiker auffordern, sich für sozial Benachteiligte einzusetzen. Wir werden die Menschen dazu einladen, sich mit den tatsächlichen Zielen der Parteien auseinanderzusetzen, sodass sie ihre Wahl auf der Grundlage von Fakten treffen können. Das halten wir vor allem aufgrund sinkender Wahlbeteiligung und der Erkenntnis, dass demokratiefeindliche Parteien vor allem im
Nichtwählerlager Proteststimmen einsammeln, für zwingend erforderlich.

Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Demokratie
Wir arbeiten in München mit der „Fachstelle für Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit“ zusammen. Auch in vielen Landkreisen gibt es solche Anlaufstellen. Wenn Sie Hinweise haben zu menschenfeindlichen Entwicklungen in
Ihrer Region, dann können Sie sich hier Unterstützung holen. Kontakt: Telefon (089) 233- 92642, E-Mail fgr@muenchen.de, www.muenchen.de/demokratie. Oder lassen Sie es uns
wissen, damit wir entsprechend darauf reagieren können.

Wir bitten Sie, in Ihrem privaten und in Ihrem Arbeitsumfeld menschenfeindlichen Äußerungen und Handlungen entschieden entgegenzutreten. Denn jeder und jede von uns ist gefragt!

 Mit dankbaren Grüßen
Prälat Hans Lindenberger   Georg Falterbaum     Klaus Weißbach
Caritasdirektor                  Vorstand                 Vorstand



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