Bad Reihenhall: Hadi Alkhateeb und Farouk Snobar

Ausbildung, Beruf und Studium machen Bayern zur Heimat

„Ich werde immer fitter für die Integration“
 
„Ich bin ein typischer deutscher Beamter“, sagt Hadi Alkhateeb und lacht. Seit einem Jahr arbeitet der 28-jähige Syrer 20 Stunden im Job-Center in Bad Reichenhall als Sachbearbeiter im sogenannten Leistungsteam. „Ich helfe den Menschen, damit sie die Leistungen bekommen, die ihnen zustehen.“ Er klärt, welche Ansprüche auf Leistungen des Job-Centers die Menschen haben, hilft bei den Anträgen auf Arbeitslosengeld II und berät sie bei der Arbeitssuche. Es versteht sich eigentlich von selbst, dass Hadi, wie ihn alle nennen, in erster Linie für die arabischsprachigen anerkannten Flüchtlinge zuständig ist.


Grenzgänger lebt seit 2014 in unserer Diözese
 
Das mit dem typischen Beamten ist ein Running-Gag unter Hadi und seinen Freunden. Denn er ist natürlich nicht verbeamtet und alles andere als ein typischer Beamter. 2014 strandete er als Flüchtling in Bad Reichenhall und wurde von der Asylberatung der Caritas betreut. Er hatte in Beirut ein paar Semester englische Literatur studiert und in Syrien eine Ausbildung in Informationstechnologie gemacht. Er war immer ein Grenzgänger zwischen Syrien und Libanon, denn seine Mutter stammt aus dem Libanon und lebt auch jetzt wieder dort.

 
Von der Flüchtlingsunterkunft ins Job-Center
 
Bereits nach einem Jahr in Deutschland waren Hadis Deutschkenntnisse so gut, dass er sich bei der Caritas ehrenamtlich in der Integrationsarbeit engagierte. Seit 2015 konnte er beim Job-Cafe der Caritas in Bad Reichenhall angestellt werden, um Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. „Wir waren sehr froh, dass Hadi uns hier unterstützt hat“, sagt Caritas-Zentrumsleiter Rainer Hoffmann. Mit einigen Stunden ist der junge Syrer immer noch in der Integrationsberatung der Caritas tätig. Er berät die arabischsprachigen Flüchtlinge, vermittelt Deutschkurse und weist ihnen den Weg in die unterschiedlichen Hilfsangebote. So kam er auch in Kontakt mit dem Job-Center, das ihn 2015 eingestellt hat.
 

Etappenziel: Traum vom Studium wird in Europa real
 
Die Arbeit mit den Menschen macht Hadi sehr viel Freude. Manchmal möchte er den Menschen mehr helfen, mehr Zeit für die Beratung haben. Er findet es auch spannend, Erfahrungen mit den deutschen Gesetzen zu machen und herauszufinden, was geht und was nicht geht. „Ich fühle mich sehr nützlich und werde immer fitter, um Menschen bei der Integration zu helfen“, sagt er. Diese Erfahrungen haben ihn veranlasst, in Salzburg ein berufsbegleitendes Studium der Sozialen Arbeit aufzunehmen. „In meiner Heimat habe ich den Traum von einem Studium zurückgelassen, jetzt wird er wahr.“

 
Angstbewältigung: Syrer unterstützen sich gegenseitig
 
Durch seine Arbeit hat er auch Farouk Snobar kennengelernt. Die beiden sind Freunde geworden. Farouk ist 27 Jahre alt und stammt ebenfalls aus Syrien. Er hat dort Jura studiert und ist seinem Cousin geflohen. Die Nachrichten aus der Heimat beunruhigen ihn sehr, denn seine ganze Familie ist noch in Syrien. Da tut es ihm gut, sich mit den anderen Geflüchteten aus Syrien zu treffen und die Angst gemeinsam zu bewältigen. „Wir erwarten jeden Tag eine schlechte Nachricht aus der Heimat“, sagt Farouk. „Die Menschen in Bad Reichenhall helfen uns oft schon damit, dass sie uns nach unseren Angehörigen fragen.“ Das Café international, der Treffpunkt des Helferkreises, ist für sie ein Ort des Austauschs geworden. Dort können sie auch ihre arabische Musik machen und manchmal wird gemeinsam gekocht. „Die arabische Küche kommt gut an“, freuen sich Hadi und Farouk.

 
Ausbildung soll zu gutem Berufsabschluss führen
 
In der Berufsschule hat Farouk Deutsch gelernt und sich auf eine Berufsausbildung vorbereitet. Nach verschiedenen Praktika hat er sich für den Frisörberuf entschieden. Es macht ihm Spaß mit Menschen zu arbeiten und er ist sich sicher, dass er einen guten Abschluss machen wird.

Die Caritas-Kinderkrippe Schmetterlingsbaum als Heimat


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