Kolbermoor: Zusammen sind wir Heimat

Während eines Praktikums hat der Senegalese Oumar Diatta seine Liebe zum Pflegeberuf entdeckt. Jetzt kann er eine Ausbildung zum Altenpfleger machen. Dafür haben Heimleiter Jakob Hartmann und der Caritasverband gekämpft.
 
„Wir haben eine an Demenz erkrankte Bewohnerin, die ständig weglaufen wollte“, erzählt Jakob Hartmann, Heimleiter im Altenheim St. Franziskus in Kolbermoor. „Eines Tages lässt sich diese alte Dame von Oumar in den Garten begleiten. Sie setzen sich auf eine Bank und er singt ihr ein Lied aus seiner Heimat vor.“ Wenn es jemand schaffe, eine weglaufgefährdete Person zum Bleiben zu bewegen, dann habe er definitiv das Zeug zum Altenpfleger, ist Hartmann überzeugt.


Für den Auszubildenden stehen die Menschen im Mittelpunkt

Oumar Diatta ist 28 Jahre alt, kommt aus dem Senegal und macht seit 1. Januar die Ausbildung zum Altenpfleger in St. Franziskus. Er kam wie viele Westafrikaner von Libyen mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer nach Sizilien. Im März 2015 hat er einen Asylantrag gestellt und lebt seit dieser Zeit in Rosenheim. Seine Patin aus dem Helferkreis vermittelt ihm das Praktikum. „Ich bin Muslim“, sagt Oumar vorsichtig und fügt sofort hinzu, „aber für mich sind die Menschen wichtig, egal welche Religion sie haben.“ Er bringt die Senioren gerne zum Gottesdienst in die Hauskapelle. Es sei ein schöner, ruhiger Ort, findet er.


Heimbewohner und Azubi reden viel miteinander

„Er bringt so viel Verständnis und ehrliches Engagement mit“, schwärmt Gisela Mayr, die erst seit kurzem nach einer schweren Krankheit im Altenheim lebt. Sie erlebe mit dem jungen Afrikaner, dass sie nicht alleine ist. „Das tut mir gut.“ Oumar setzt sich zu ihr und sie unterhalten sich über Gemeinschaft und Einsamkeit. Sein Opa habe ihm die Liebe zu den Menschen nahe gebracht, erzählt er. Nicht Geld oder Besitz seien entscheidend, sondern die Zuwendung zu den Menschen. Sie philosophieren über den Zusammenhalt der Menschen, über Ehrlichkeit und Dankbarkeit. „Im Herzen muss es stimmen“, da sind sich die beiden ganz einig. Gisela Mayer gibt ihm schließlich den guten Rat: „Du musst den Menschen in die Augen schauen, da kannst du viel lesen.“


Bewohner und Kollegen sind zur Ersatzfamilie geworden

Oumar ist sich durchaus bewusst, dass er oft der erste Afrikaner ist, mit dem die alten Menschen in Berührung kommen. „In meiner Arbeit ist Kommunikation sehr wichtig“, sagt er. „Ich muss ja ihr Vertrauen gewinnen.“ Auch wenn sein Deutsch noch nicht gut ist, klappe es meist trotzdem. Die Bewohner seien sehr nett und freundlich zu ihm. „Ich habe hier keine Familie. Die Bewohner und die Kollegen sind jetzt meine Familie.“ Zusammen sind wir Heimat – das Motto der Jahreskampagne der Caritas ist für Oumar schon ein Stück Realität geworden.
 
Trotz anfänglicher Hürden - Oumar ist ein Beispiel für gelungene Integration

Jakob Hartmann hatte einige Hürden zu überwinden, bis er für Oumar die Genehmigung zur Ausbildung erreichte. Es seien nicht die lokalen Behörden gewesen, die Steine in den Weg gelegt hätten, sondern die politische Wetterlage. „Oumar hat große Fähigkeiten im Umgang mit Menschen, es ist der richtige Beruf für ihn.“ Ein bisschen ist der Altenheimleiter, der auch Diakon ist, schon stolz, dass er hier ein Zeichen setzen konnte. „Wenn der Wille zur Integration da ist, dann funktioniert es auch“, versichert Hartmann.
 
Adelheid Utters-Adam

Rachael Kanguha Kamadi und Elisabeth von Soden büffeln gemeinsam im Klassenzimmer


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