Krailling: Wie in einer großen Familie

Im Caritas-Altenheim Maria Eich arbeiten Menschen aus 22 Nationen zum Wohle der Bewohnerinnen und Bewohner
 
Drei Frauen aus drei Generationen und verschiedenen Kulturen haben ihre ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten im Caritas-Altenheim Maria Eich in Krailling bei München zusammengeführt. Luise Harm ist eine 87-jährige rüstige Seniorin, die immer in der Würmtalgemeinde gelebt hat. Sie ging vor vier Jahren nur deshalb ins Altenheim, weil sie sich nach dem Tod ihres Mannes zu Hause sehr einsam fühlte. Das vielfältige Programm für die Bewohner kannte sie von einer Freundin, die bereits hier lebte. Sie beschäftigt sich vor allem gerne in der Töpferwerkstatt und im Malatelier. Malen war immer ihr großes Hobby, davon zeugen viele Werke in ihrem Zimmer im Altenheim.


Caritas-Mitarbeiterin ist im Kraillinger Asylhelferkreis aktiv

Dagmar Riedel ist vor über 30 Jahren aus beruflichen Gründen nach München gekommen. Schon viele Jahre arbeitet sie in der Verwaltung des Altenheims Maria Eich. In ihrer Freizeit engagiert sie sich im Asylhelferkreis in Krailling und gibt Deutschunterricht für Flüchtlinge. Dort lernte sie Gulsum N. kennen. Die 38-jährige Lehrerin aus Afghanistan kam vor zwei Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie und ihr Mann wollten nur eins: ihre Töchter vor dem Terror der Taliban in Sicherheit bringen. Gemeinsam versuchen sie, sich in Krailling ein neues Leben aufzubauen. Seit für das Ehepaar ein Abschiebestopp gilt, dürfen sie arbeiten. Dagmar Riedel hat Gulsum einen Job im Altenheim vermittelt.


Flüchtlinge sind in Maria Eich willkommen

„Unsere Heimleiterin unterstützt meinen Versuch sehr, Flüchtlinge bei uns im Haus zu beschäftigen“, erklärt Dagmar Riedel. „Gulsum sei so freundlich zu den Bewohnern und habe großes Talent, die Bewohner bei kreativen Arbeiten zu unterstützen. Wir haben schnell gesehen, dass sie gut in unsere Caritas-Familie passt.“ Anfangs half sie beim offenen Frühstücksbetrieb, seit März ist sie Mitarbeiterin der Alltagsbegleitung. Luise Harm legt liebevoll die Hand auf Gulsums Arm und strahlt: „Sie ist so nett und freundlich. Was täten wir denn ohne sie?“


Deutschland: Chance auf ein Leben ohne Angst

Die deutsche Sprache macht Gulsum noch Schwierigkeiten, aber sie lernt fleißig im Kurs von Dagmar Riedel. Die beiden Töchter, 15 und 9 Jahre alt, tun sich da leichter. Sie lernen die Sprache jeden Tag in der Schule. Fatimeh, die ältere der beiden, übersetzt schon sehr flink für ihre Mutter. Doch das, was ihr am Herzen liegt, spricht Gulsum deutlich aus: „Ich bin sehr froh, dass ich hier mit meiner Familie in Sicherheit leben kann.“ Fatimeh sieht es genauso. Sie müsse keine Angst mehr vor den Taliban haben, sagt sie.

Respektvolles Zusammenleben in der Maria-Eich-Familie

„Im Altenheim Maria Eich kommen die Mitarbeitenden aus 22 Nationen“, erzählt Karin Stauber, die Leiterin der sozialen Begleitung. Beim Sommerfest 2015 haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Herkunftsnationen präsentiert. In ihrer Landestracht und mit einem kurzen Vortrag zu ihrer Heimat machten sie die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Angehörigen mit ihrer Kultur bekannt. Das habe den Senioren sehr gut gefallen und sie gingen auch offen auf die im Haus seit 2016 beschäftigten Flüchtlinge zu. „Wenn wir uns alle zusammen gut kennen und die Eigenheiten gegenseitig respektieren, dann ist es wie in einer großen Familie“, sagt Dagmar Riedel und man sieht ihr an, dass sie schon lange ein Teil dieser Familie ist.
 
Adelheid Utters-Adam

Heimatgefühle im Brucker Fenster


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