Ohne Angst in die Kirche gehen

Sali, eine junge chaldäische Christin aus dem Irak, freut sich über ein sicheres Leben in München und bekommt Unterstützung in der Schule.
 
Sali stammt aus dem Irak. Als 2009 in Bagdad schwere Anschläge auf christliche Kirchen verübt wurden, floh die heute 16-Jährige mit ihrer Familie nach Deutschland. Salis Familie gehört zur chaldäisch-katholischen Gemeinde, die zur römisch-katholischen Kirche gehört. Noch heute verwenden die Chaldäer im Gottesdienst die aramäische Sprache, die auch Jesus gesprochen hat. Seit 2005 nahmen die Terroranschläge gegen christliche Kirchen immer mehr zu, schließlich entschloss sich die Familie 2009 ihr Land zu verlassen.


Der Glauben gibt der ganzen Familie Halt
 
Sali geht hier zur Schule und ihre beiden Brüder ministrieren in der Pfarrei St. Margaret im Münchner Stadtteil Sendling. „Es ist sehr schön, dass ich hier in die Kirchen gehen kann, ohne Angst haben zu müssen“, sagt Sali. Die Pfarrei wie auch die chaldäische Gemeinde in München haben Salis Mutter und ihren Brüdern Halt gegeben, als ihr Vater 2015 an Krebs starb. Erst vor ein paar Tagen an Ostern war sie in der Kirche gewesen.


Ehrenamt als Gewinn
 
Helmut Vogler hat seine religiösen Wurzeln in einer der Nachbargemeinden von St. Margaret. Der pensionierte Chemiker engagiert sich seit acht Jahren in der Schulsozialarbeit der Caritas an der Implerschule. Er gibt Nachhilfeunterricht und hat schon viele Schüler zum Mittel- und Realschulabschluss begleitet. Mit vielen seiner Schüler verbindet ihn weit über die Nachhilfe hinaus ein freundschaftliches Band. „Ich habe durch dieses Engagement so viele Kulturen und Religionen kennengelernt. Das ist ein großer Gewinn für mich“, sagt Vogler.


Helmut Vogler ist mehr als Lernbegleiter
 
Gerade wenn seine Schüler dann auf die Fachoberschule wechseln oder eine Ausbildung machen, ist Helmut Vogler gefragt. Zuletzt hat er sich gerade Stochastik angeeignet, weil die Schüler das brauchten. „Sie wissen, wo sie Hilfe bekommen“, schmunzelt er. Am Ostermontag hat er fünf seiner ehemaligen Schüler nach Hause eingeladen. Es sei eine „interessante Reflexionsrunde“ geworden. „Sie haben selbst erkannt, dass sie mehr für die Schule und ihre Ausbildung tun müssen.“ Oft fehle der Antrieb von Zuhause, weil die Eltern das Schulsystem nicht kennten oder selbst aus ungebildeten Schichten kämen.


Salis Zukunftstraum soll durch die Nachhilfe wahr werden
 
Seit diesem Schuljahr übt Helmut Vogler mit Sali regelmäßig Deutsch, Mathe und Englisch. „Ich wollte ja immer Lehrer werden“, meint er. Er habe dann doch die wissenschaftliche Richtung eingeschlagen und auch seine eigenen Kinder hätten studiert. „Die Welt der Mittelschule kennenzulernen, wer eine ganz eigene, interessante Erfahrung.“ Sali hat einen großen Traum, sie möchte Medizin studieren und anderen wirklich helfen. Sie weiß, dass sie noch einen langen, steinigen Weg vor sich hat. Sie geht in die 8. Klasse und möchte manchmal einfach nur eine ganz normale Jugendliche sein. Dann geht sie mit ihren Freundinnen zum Stachus, sie holen sich ein Eis und freuen sich über die schöne Stadt. „Meine Freundinnen und Freunde sind fast alle Ausländer“, sagt sie. „Das gibt auch Heimatgefühl.“
 
Adelheid Utters-Adam


Altenpflegerazubi Oumar Diatta und Heimleiter Jakob Hartmann


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