„Herkunft spielt bei uns keine Rolle“

Als Au-Pair ist die Kenianerin Rachael Kanguha Kamadi im September 2012 nach Deutschland gekommen. Zuvor hat sie einen dreimonatigen Deutschkurs gemacht und die Sprachprüfung am Goethe-Institut abgelegt. „Die Zeit als Au-Pair habe ich im Saarland verbracht. Anschließend habe ich mich bei der Caritas in München auf ein Freiwilliges Soziales Jahr beworben", erzählt die heute 28-Jährige. „Deshalb habe ich als Pflegehelferin im Altenheim St. Korbinian gearbeitet. So bin ich auf die Idee gekommen, die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin zu machen.“ Heute befindet sich die junge Frau im zweiten Lehrjahr und vertieft ihr Praxis-Wissen durch den Unterricht an der Caritas-Berufsfachschule für Altenpflege in der Münchner Landwehrstraße 66.


Münchner Mitschülerin hat ähnliche Biografie
 
Eine ihrer Mitschülerinnen, ist die 26-jährige Münchnerin Elisabeth von Soden. Sie hat sich als frischgebackene Abiturientin ebenfalls für ein Auslandsjahr entschieden und ist als Au-Pair nach London gegangen, um dort Drillinge zu betreuen. Es folgte ein Biologiestudium in Österreich. Seit 2015 setzt die junge Frau ein duales Studium drauf. Das heißt, sie macht eine Ausbildung zur Altenpflegerin und studiert gleichzeitig an der Katholischen Stiftungsfachschule in München Pflegewissenschaften. Wenn sie im kommenden Jahr ihre Ausbildung in der Tasche hat, wird sie noch drei Semester lang studieren.


Heimat und Zuhause – das ist ein Unterschied
 
Obwohl Elisabeth auch viel herumgekommen ist, steht für sie fest: „Heimat ist für mich, wo ich geboren bin und meine Kindheit verbracht habe. Die Heimat ändert sich nicht. Mein Zuhause ist da, wo entweder meine Eltern, meine Familie oder meine Freunde sind. Ein Zuhause kann sich also ändern.“ Eine Aussage, die Rachael bestätigt: „Am Anfang war Deutschland nicht meine Heimat. Der Kontakt in Kenia untereinander, beispielsweise zu den Nachbarn, ist stärker. Hier wohne ich allein und in Freiheit und kann alleine nach Hause. Inzwischen habe ich einen deutschen Freund und würde gerne hier bleiben“. Alles in allem fühlt sie sich in München also Zuhause und innerhalb der Klasse nicht als Zugereiste. Das Motto „Zusammen sind wir Heimat“ ist hier Alltag.


Respekt vor dem Alter ist groß
 
„Herkunft spielt bei uns keine große Rolle und Integration ist  selbstverständlich“, bestätigt ihre Mitschülerin Elisabeth. „Viele von uns verbindet der Glauben.  Mit unseren muslimischen Klassenkameraden können wir gut diskutieren und vorbehaltlos Neues erfahren. Zusätzlich ist der Respekt beeindruckend, den andere Nationalitäten gegenüber den älteren Menschen haben.“  Rachaels Augen beginnen zu strahlen: „Der  Kontakt zu den älteren Menschen ist ein Segen. Wenn ich die Bewohner sehe, denke ich an meine eigenen Großeltern und freue mich.“

Valentina-Anna Rätz

Caritas-Förderstätte in Raubling: Georg Czerny und Florian Wagner


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