Seminare im Bundesfreiwilligendienst

Seminar in Josefstal vom 23.02. - 27.02.2015

In diesem Seminar lag der Schwerpunkt auf der Bearbeitung fachlicher Themen. Diese ergaben sich aus Fragestellungen, die für die Freiwilligen aus ihrer Praxis in den verschiedenen Einsatzfeldern zur Klärung anstanden. Zur Themenfindung wurden die Teilnehmer/innen im Vorfeld des Seminars danach befragt, was sie beschäftigt und vielleicht umtreibt und wozu sie gerne fachkundige Unterstützung und Auskünfte wünschen. Deutlich wurde, dass eine ganz große Mehrheit der Teilnehmer/innen daran interessiert ist, wie Menschen mit Behinderungen ihre Lebenssituation erleben.
Das Bedürfnis sich in Handicap- Bedingungen hinein zu versetzen konnte aufgegriffen werden, indem an den beiden Fachthemen- Schwerpunkttagen am Dienstag und Mittwoch, jeweils die Hälfte der Teilnehmer/innen Rollstuhl- Selbsterfahrung in München machen konnten. Mittels 12 von Kreisjugendring und Evangelischer Jugend ausgeliehenen Rollstühlen, hatte jede/r Teilnehmer/in die Gelegenheit sich, soweit als möglich selbständig im Rollstuhl sitzend, durch die Münchner Innenstadt zu bewegen. In 3-er oder 4-er Gruppen, die jeweils einen Rollstuhl zur Verfügung hatten, wurden abwechselnd kleine Aufgaben bewältigt, wie die Anprobe von Kleidung in Geschäften, der Besuch eines Cafés, die Benutzung öffentlicher Toiletten oder das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In den anschließenden Reflexionsrunden zeigten sich die Teilnehmer/innen sehr beeindruckt davon, dass sich in der scheinbar gut ausgebauten Stadt München noch so viele, ohne fremde Hilfe unüberwindbare Hindernisse auftun, dass oft weite Umwege in Kauf genommen werden müssen um ans Ziel zu gelangen und dass neben vielen wertschätzenden menschlichen Begegnungen auch Erfahrungen mit rücksichtslosen Passanten gemacht werden mussten.
 
Zusätzlich zur Rollstuhlselbsterfahrung konnten die Teilnehmer/innen eines von 4 angebotenen Fachthemen wählen. Diese Themen wurden von externen Referenten/innen in Ganztageseinheiten angeboten. Zur Vorbereitung der Seminareinheiten meldeten die Teilnehmerinnen konkrete Fragestellung die sie bezüglich des bevorzugten Themas beschäftigen.
 
Das Thema „Umgang mit Menschen mit Handicap; Umgang  mit menschlichen Schicksalen“ hatte zum Inhalt „Wie erreiche ich Menschen in besonderen Lebenssituationen (z.B. Autismus)?  Wie kann die  Kommunikation gelingen?“ Beeindruckt waren die Teilnehmer/innen davon, dass sie selbst für eine Stunde die Gelegenheit hatten nachzuempfinden, wie sich körperliche Einschränkungen anfühlen, indem sie z.B. an den Stuhl gefesselt, die Hände an den Tisch geklebt oder die Augen mit Tüchern verbunden die erste Stunde der Seminareinheit verbringen konnten.
Beim Thema „Psychische Erkrankungen und Krankheitsbilder (z.B. Depression) - Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen“ wurden erläutert wie die Krankheitsbilder Schizophrenie und  Depression entstehen und wie sich das für die Betroffenen anfühlt Außerdem wurden Borderline- Störungen und Demenz thematisiert und bezüglich Suchterkrankung, neben der Frage wie diese entsteht, auch das Phänomen der Co- Abhängigkeit behandelt.
Das Thema „Trennen von Beruf und Privat“ hatte den Hintergrund, dass viele Freiwillige durch den intensiveren zwischenmenschlichen Kontakt betroffen sind vom Schicksal und der Lebenssituation der Klienten. Das Spannungsfeld zwischen Empathie und gebotener Distanz, sowie die Fragestellungen, wie sich abgrenzen können und wie wieder zur Entspannung finden, wurden mit Übungen und in intensiven Gesprächen bearbeitet.
Beim Thema „Arbeiten mit Kindern (z.B. Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern)“; wurden  pädagogische Grundfragen erarbeitet und ganz praktische Tipps gegeben, wie z.B. Streit geschlichtet werden kann.
 
Weil die meisten Teilnehmer/innen gerade die Hälfte ihres Dienstes abgeleistet hatten, nahmen wir die Praxisreflexion am Donnerstagvormittag zum Anlass nochmal Rückschau an den Beginn des Dienstes zu halten und sich ins Gedächtnis zu rufen mit welchen Erwartungen und Bedürfnissen sie ihren Dienst angetreten haben. Ziel war es Zwischenbilanz zu ziehen, welche Erwartungen sich bereits erfüllt haben, was bisher offen geblieben ist und was realistischer Weise noch unter welchen Bedingungen angegangen werden könnte. Die Teilnehmer/innen berichteten auch davon, dass Sie in ihren Diensten Erfahrungen machen durften, mit denen sie nicht gerechnet hatten und die sich sehr bereichernd auf ihre persönliche Entwicklung auswirken. 


Zum traditionellen „Bunten Abend“ am Donnerstag bekamen die 4 Teilnehmer/innen- Gruppen den Auftrag eine kleine Sendung eines Fernsehgenres (Nachrichten / Gerichtsshow etc.) ganz eigenständig als Theaterstücke zu erarbeiten und zu präsentieren.
Herausgekommen sind sehr witzige, äußerst kreative und mit parodistischen Anspielungen auf das Gruppengeschehen gespickte Beiträge, die an Freude und Spaß die sie verbreiteten jeden noch so spannenden realen Fernsehabend bei weitem übertroffen haben. Abgerundet wurde der tolle Abend mit ausgelassenem Tanz in entspannter Clubatmosphäre.
 
Die positiven Rückmeldungen der ausgiebigen Abschlussreflexion am Freitagvormittag, zur Beendigung des Seminars, hatten ihre Entsprechung in der Stimmung, die der strahlende Sonnenschein an diesem Tag in der tief verschneiten glitzernden Bergwelt verbreitete.
 



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