Blicke, die weh tun...

Danielle Geissler arbeitet mit Flüchtlingen

Wenn ich mit einem Schwarzafrikaner unterwegs bin, tun mir die Blicke, die uns treffen, immer weh.“ Danielle Geissler ist eine von 40 ehrenamtlich engagierten Frauen und Männern im „Helferkreis“ der Gemeinden Ober- und Unterschleißheim im Landkreis München, die sich um Flüchtlingsfamilien und Asylsuchende kümmern. Mangelnde Akzeptanz oder Angst vor dem Fremden, vielleicht auch davor, dass man selbst im Verteilungskampf leer ausgehen könnte, seien nur ganz subtil zu spüren. „Auch mir wäre es viel lieber, wenn wir den Leuten in ihren Ländern helfen könnten, aber jetzt sind sie da und wir müssen das Beste daraus machen.“ Und das tut die 71-Jährige, die 1970 aus „Liebe zu ihrem deutschen Ehemann“ von Grenoble in Frankreich nach Deutschland gezogen ist.



Einfühlungsvermögen ist notwendig

„Ich kann mich gut einfühlen, weil ich damals selbst eine Fremde war und mich oftmals auch nicht akzeptiert gefühlt habe“, erzählt die Rentnerin, die einige Jahre an der Volkshochschule französisch unterrichtet hat. Ihr Einfühlungsvermögen schätzen auch drei junge Männer aus Mali und dem Senegal, die sie regelmäßig in der Gemeinschaftsunterkunft „Am Tower“ in Oberschleißheim besucht. „Es sind junge Menschen, sie könnten meine Kinder sein und ich versuche sie zu verstehen und zu beschützen.“ Sie seien sehr interessiert an der deutschen Kultur und Sprache und erzählten sehr lebendig über das Leben und die Lebensumstände in ihren Herkunftsländern.


Flüchtlinge oft schwer traumatisiert

Allerdings seien einige auch schwer traumatisiert. „Viele haben keine Familien mehr und einer der jungen Männer hat auf der langen Flucht seinen Bruder verloren, der unterwegs gestorben ist“, erzählt Geissler. Monatelang seien die jungen Männer auf der Flucht gewesen und sie empfinde es als „zutiefst menschlich ihnen zu helfen und für sie da zu sein“. „Ich gebe viel, aber ich bekomme mindestens genauso viel zurück an Freundschaft und Dankbarkeit.“ Jeden Donnerstag trifft sie sich mit den jungen Männern im Gasthaus zur Nachhilfe in deutscher Sprache. Einige von ihnen besuchten zwar bereits Sprachkurse, aber es fehle noch an Praxis. „Wir üben Verben und einfache Sätze mit einem Lehrbuch aus der Volkshochschule“, erklärt die verheiratete zweifache Mutter und Großmutter.


Begleitung bei Arztbesuchen

Den ersten Besuch in der Gemeinschaftsunterkunft hat sie in guter Erinnerung, „weil sich alle so gefreut haben“. Allerdings habe sie sich auch erschrocken, weil im November einige Kinder barfuß in der Kälte herumliefen. „Ich habe dann aber erfahren, dass es die Kinder gewohnt waren barfuß zu laufen und deswegen ungern Strümpfe und Schuhe anziehen. Ihr erster freiwilliger Dolmetscher-Einsatz war dann die Begleitung eines jungen Afrikaners zum Arzt. „Ich finde es schrecklich, wenn Menschen hierher kommen und sich alleine und im Stich gelassen fühlen“, begründet Danielle Geissler ihre Motivation, zu helfen.


Aktiver Helferkreis

So geht es auch den anderen Ehrenamtlichen im „Helferkreis“, die aktiv für eine Kultur des Willkommens eintreten. Die engagierten Bürgerinnen und Bürger sind bei Übersetzungsbedarf, Deutschkursen, Behördengängen, Wohnungssuche, Nachhilfestunden und Hausaufgaben behilflich. Sie kümmern sich um sportliche Angebote, organisieren Trommelkurse und Gospelkonzerte und reparieren gespendete Fahrräder für die Flüchtlinge. „Das ist menschlicher Kontakt, den wir schätzen und beständig versuchen herzustellen“, sagt Danielle Geissler und verweist auf ein Fest im Februar, wo sich alle Flüchtlinge und Helfer getroffen haben, um gemeinsam zu feiern, zu essen, zu singen und zu tanzen.
 
Mehr Informationen zum Caritas Sozialdienst für Flüchtlinge ALVENI finden Sie unter www.caritas-nah-am-naechsten.de
 
Marion Müller-Ranetsberger
 
Sozialcourage 02/2014
Porträt 


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