Wir schaffen Integration


Wir schaffen Integration.


Die vergangenen zwei Jahre waren in den Pfarreien und Gemeinden von einer großen Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen geprägt. Ganz Deutschland war stolz auf die Willkommenskultur in unserem Land. Die Menschen waren überzeugt: „Wir schaffen das“. Seit Herbst 2015 wird überwiegend auf die Probleme geschaut und Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. Es wird nicht mehr gesehen, was Verwaltung, Behörden, Kommunen, Pfarreien, Vereine und die vielen ehrenamtlichen Helfer(inn)en tatsächlich für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen schon erreicht haben und weiterhin täglich tun: In kurzer Zeit wurden viele Kinder in unser Schulsystem integriert, Jugendliche auf eine Ausbildung vorbereitet und Erwachsene können sich bereits auf Deutsch verständigen.

Um die Integration weiter voranzubringen, brauchen wir:

• eine faire Verteilung der Flüchtlinge auf die Länder der EU.
• ein Integrationskonzept mit entsprechender finanzieller Ausstattung.
• konzertierte Anstrengungen, um den Wohnungsbau in München und Oberbayern voranzubringen.

Eine mitmenschliche und solidarische Gesellschaft erreichen wir nur, wenn wir alle Bedürftigen und Benachteiligten in unser sozial-caritatives Engagement einbeziehen.

Der nachfolgende Bericht, aus dem Newsletter für die Kommunalpolitik in der Landeshauptstadt München 4/2015, zeigt ein Beispiel gelungener Integration auf:

Integration und Arbeit für Flüchtlinge
Das Erlernen der Sprache und der Kultur sind die Basis
 
Hateme hat es geschafft. Sie ist 1999 während des Kosovokriegs mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen. Sie hat ehrenamtlich als Kulturdolmetscherin bei der Caritas gearbeitet und jetzt eine Vollzeitstelle in der Kinderbetreuung einer Münchner Flüchtlingsunterkunft bekommen, davor war sie zehn Jahre halbtags als hauswirtschaftliche Kraft in einer Kinderkrippe beschäftigt war. Ihr Mann ist als Baustoffprüfer in einer Privatfirma angestellt. Die Wohnung, in der die Familie seit 2003 wohnt, haben sie kürzlich gekauft. Die beiden Kinder sprechen perfekt Deutsch und sind in Ausbildung und Studium. Eine Vorzeigefamilie. Doch der Weg dahin war hart. Hateme hat gekämpft. „Ich wollte leben“, sagt die 48-Jährige Albanerin. „In Kosovo kamen bewaffnete Männer in unser Haus. Wir hatten die Wahl zu gehen oder zu sterben.“ Hateme stehen Tränen in den Augen, als sie sich an ihre Flucht erinnert. Sie kann sich gut in die Lage der Flüchtlinge heute hineinversetzen.
 
Hateme gibt ihre eigenen Erfahrungen an die neu Ankommenden weiter. Vor allem die Frauen will sie stark machen. „Das Erlernen der deutschen Sprache ist am wichtigsten“, sagt sie. Doch das Verstehen der deutschen Kultur sei genauso wichtig, weiß die ehrenamtliche Kulturdolmetscherin. Auf ihrem Weg hat die Caritas ihr wesentlich geholfen. Der Alveni-Sozialdienst für Flüchtlinge bildet seit vielen Jahren Kulturdolmetscher aus. Es ist ein Angebot für Migranten oder Flüchtlinge, die sich integriert und die deutsche Sprache erlernt haben. Kulturdolmetscher helfen neu Ankommenden, sich in der fremden Umgebung zurechtzufinden und übersetzen kulturell bedingte Unterschiede in die andere Kultur. Damit leisten sie wertvolle Übersetzungsarbeit in beide Richtungen. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe und damit wird der Grundstock für das spätere Arbeitsleben gelegt.
 
597 000 freie Stellen verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit Ende August. Drei Viertel der Neuankömmlinge sind im erwerbsfähigen Alter von 25 und 65. Die Politik hat die Hürden für eine Arbeitserlaubnis gesenkt. Flüchtlinge dürfen bereits nach drei Monaten arbeiten, wenn die Ausländerbehörde zustimmt und die Bundesagentur geprüft hat, ob nicht ein Deutscher oder ein EU-Bürger vorrangig eingestellt werden kann. Doch es ist noch mehr nötig: Arbeitgeber fordern beispielsweise Rechtssicherheit für Auszubildende: Sie sollen ein Aufenthaltsrecht für die in der Regel dreijährige Dauer der Ausbildung bekommen. Für die Ausbildungsbetriebe wären weitere zwei Jahre gut, damit sich die Investition in die Ausbildung auch lohnt. Modellprojekte der Bundesarbeitsagentur, die Flüchtlinge auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereiten sollen, stecken noch in den Anfängen. Auch über die Qualifikationen weiß man noch sehr wenig: jeder achte bis zehnte Asylbewerber hat nach Stichproben einen Hochschulabschluss. Hateme und ihr Mann haben ihn nicht, aber sie haben es trotzdem geschafft. „Für mich ist Deutschland eine zweite Heimat geworden“, sagt die selbstbewusste Frau, „ich liebe den Kosovo, aber dort hätten wir niemals diese Chancen bekommen“.

Autorin: Manuela Dornis

Weiterführende Informationen und Texte

  • Basisinformationen für Ehrenamtliche und Helferkreise in der Asylarbeit finden Sie in unserer Asylbroschüre, die in Kooperation mit dem Erzbischöflichen Ordinariat München entstanden ist.
  • Entdecken Sie hier unseren Bereich „Flucht und Migration“.
  • Wir nehmen Stellung zum Integrationsgesetz. Auch der Deutsche Caritasverband hat dazu aktuell Stellung bezogen. (Stand: Mai 2016)
  • Menschen, die aus Krisengebieten zu uns fliehen, brauchen sachkundige Hilfe. Unser Institut für Bildung und Entwicklung unterstützt mit unterschiedlichen Weiterbildungen dabei, die fachlichen, persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen von Mitarbeitenden, die Flüchtlinge begleiten so zu erweitern, dass sie auf vielfältige Alltagssituationen angemessen reagieren können. Hier finden Sie die Übersicht des Schulungsangebots.
  • Ein umfangreiches interkulturelles Fortbildungsprogramm für freiwillig Engagierte bietet auch das Münchner Bildungswerk. Stöbern Sie online im MEINE-DEINE-EINEWELT-Kursprogramm.
  • Wir schaffen Integration und sagen: „Willkommen in München!

Der fünfte gute Grund: Zuwanderung hilft gegen die alternde Gesellschaft.

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