EU-Projekt unterstützt psychisch kranke Zuwanderer

München, 20. März 2017.

Der Psychologische Dienst für Ausländer im Caritas-Zentrum Innenstadt, Bayerstraße 73, zieht eine positive Zwischenbilanz seines EU-Projekts „Integrationsbrücke“ (PIB). „2016 haben wir 107 Fachberatungen absolviert, zum Beispiel für die Bezirkssozialarbeit in den Sozialbürgerhäusern und das Jobcenter. Direkt wurden über 300 Klienten/innen von uns beraten, zu Hause besucht oder erfolgreich an andere Migrationsdienste, psychotherapeutische Angebote oder Einrichtungen wie Erziehungs- oder Schuldnerberatung weitervermittelt“, berichtet Projektleiterin Joanna Stridde. Letztlich erreiche das PIB aber mit Kindern, Partnern und Familienangehörigen indirekt viel mehr Menschen, die von einer Stabilisierung der Betroffenen profitierten. Alle acht PIB-Mitarbeitenden hätten selbst einen Migrationshintergrund und könnten daher die Klienten in ihrer Muttersprache, auf einer guten Vertrauensbasis und mit viel Verständnis für ihre Herkunft und Sozialisierung beraten.
 
Schicksale, die Einblicke ins Wirken des Projekts geben

„Die Herkunftsländer der bislang von uns beratenen EU-Migranten sind vielfältig, es ist aber eine starke Tendenz aus dem osteuropäischen Raum zu verzeichnen“, so Stridde, die wie ihre Klientin Elena (Namen verändert) aus Bulgarien stammt. Diese kam vor drei Jahren aus Sofia mit Mann und Kindern nach München, fand schnell Arbeit in einem Hotel und eine Wohnung in München-Moosach. Aufgrund finanzieller und familiärer Probleme entwickelte Elena Zwangsgedanken und verlor ihre Arbeitsstelle. Erst nach einem 6-monatigen Aufenthalt in der Münchner Nußbaumklinik konnte die 45-Jährige wieder stabilisiert werden. „Jetzt müssen wir erreichen, dass die Krankenkasse eine muttersprachliche Therapie finanziert, damit Elena bald wieder für sich selbst sorgen kann“, erklärt die Sozialpädagogin, die nicht nur bei der Integration hilft, sondern auch, wenn Migranten wieder in ihre Heimat zurück möchten. Haias P., Schwede mit irakischen Wurzeln, kam nach München zu seiner Tante, weil sein Vater verstorben und seine Mutter unbekannt verzogen war. Er hatte in Schweden lange auf der Straße gelebt und war schwer traumatisiert. Trotz aller Hilfen konnte er sich in Deutschland nicht zurechtfinden und wollte wieder zurück. Joanna Stridde sorgte dafür, dass der 20-Jährige am Flughafen vom schwedischen Sozialdienst und einem Streetworker empfangen wurde, damit er nicht wieder auf der Straße landet.
 
Wohnungsnot trägt stark zur psychischen Belastung bei
 
„Unsere Klienten, die fast alle kaum deutsch sprechen, finden sich in der deutschen Regelversorgung nur schwer zurecht. Wir können helfen, dass sie möglichst schnell behandelt werden, damit die Krankheit sich nicht manifestiert und eine Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt rasch wieder möglich ist“, erklärt die Sozialpädagogin. Der Münchner Wohnungsmarkt mit kaum finanzierbaren Wohnungen und mangelndem Sozialwohnraum sei aber für EU-Migranten/innen eine massive Herausforderung und einer schnellen Genesung oftmals nicht zuträglich. Bis Ende 2018 ist das Projekt „Integrationsbrücke“ zur psychosozialen Unterstützung von Migranten aus der EU noch vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP) finanziell gefördert. (mmr)

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