Flüchtlingskinder in katholischen Kitas

München, 10. April 2017

Zahlen sind gestiegen
Die Umfrage sollte Rückschlüsse darauf zulassen, in welchem Umfang Kinder mit Fluchthintergrund bereits in den Kindertageseinrichtungen angekommen sind und welche Bedingungen Kitas benötigen, um diesen Arbeitsauftrag gut zu bewältigen. An der Umfrage hat sich knapp die Hälfte der insgesamt 570 Kitas beteiligt. Von 226 Kitas, die sich beteiligten, haben 178 Einrichtungen Kinder mit Fluchthintergrund aufgenommen. Die Zahl der Kinder stieg vom Betreuungsjahr 2015/2016 mit 406 Kindern mit Fluchthintergrund auf 499 Kinder in diesem Jahr an.

Arbeit erfordert Einfühlungsvermögen 
„Die pädagogische Arbeit erfordert für Kinder mit Fluchthintergrund besonders viel Einfühlungsvermögen“, erklärt Hilke Gerber. Die Eingewöhnung in das Leben in der Kita brauche hier besondere Aufmerksamkeit, denn Kinder und Eltern hätten unterschiedliche Vorerfahrungen und Vorstellungen von Kinderbetreuung. Auch auf der Flucht und in den Unterkünften in Deutschland hätten sie oft über einen langen Zeitraum in einer sehr schwierigen Situation gelebt. Ein besonderes Problem ergebe sich daraus, dass Kinder manchmal die Kita sehr plötzlich wieder verlassen. Die Ungewissheit, was mit den Kindern und ihren Familien geschehen ist, führt zu großer Sorge. Der vorgesehene Abschiedsprozess in der Kita sei dann weder für die verbleibenden Kinder noch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich. Einige Kitas beschrieben aber auch das gelungene Miteinander von Flüchtlingsfamilien, ehrenamtlich Engagierten und Kindern und Familien, die die Kita besuchen. „Kinder mit Fluchthintergrund werden auch als große Bereicherung gesehen“, so Gerber.
 
Mangel an Plätzen und Personal
„Die Kitas würden sich gerne mehr engagieren, doch der Mangel an Kita-Plätzen und die Schwierigkeit, Personal zu finden, sind schwer zu überwindende Hürden“, berichtet die Leiterin der Fachberatung Hilke Gerber. Es sei wichtig für ein gutes Zusammenleben vor Ort, klare und transparente Kriterien für die Verteilung der knappen Platzkontingente zu bieten. Der Verdacht, dass es Bevorzugungen geben könnte, vergifte das Klima vor Ort. „Zu geringe Betreuungskapazitäten kennzeichnen die Situation in Oberbayern. Denn die Metropolregion München, der Ballungsraum um den Flughafen München und im Berchtesgadener Land das Einzugsgebiet Salzburg ziehe junge Familien an. „Wenn wir die allgemeine Bedarfslage vor Ort abgefragt hätten, wäre das Ergebnis unabhängig von den Kindern mit Fluchthintergrund sicher das gleiche gewesen“, so Gerber. Ein bedarfsgerechter Ausbau an Kita-Plätzen schaffe hier nur bedingt Abhilfe, weil Fachpersonal nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehe.

Auch Hortplätze dringend notwendig 
Kitas benötigen für die Integration von Kindern mit Fluchthintergrund und ihrer Familien ausreichende personelle Ressourcen. Entsprechend bemängelten die Kindertageseinrichtungen am häufigsten, dass eine akzeptable Ausstattung hier alleine vom guten Willen des Trägers und der Kommune abhänge. Die offizielle Personalzumessung für Kinder mit Fluchthintergrund sei unzureichend. Bei der Betreuung von Schulkindern kommt erschwerend hinzu: Kinder im Schulalter haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Betreuung nach der Schule. Doch Kinder mit Fluchthintergrund benötigten in besonderem Maße die Unterstützung in Horten.

Mehr Dolmetscher gefragt
Ein großer Wunsch der Kitas sind Dolmetscher-Pools, damit die Verständigung mit den Eltern besser klappt. In einigen Regionen, wie der Landeshauptstadt oder im Stadtgebiet Rosenheim, ist die Versorgung mit Kulturdolmetschern schon gut ausgebaut, in anderen behelfen sich Erzieherinnen häufig mit Fotobüchern, Erklärvideos in unterschiedlichen Sprachen oder bessern ihre Englischkenntnisse in Sprachkursen auf. (ua)



Mehr Pressemeldungen

Suche nach Angeboten
und Dienstleistungen