Die Schrecken der Flucht überwinden

Frau und Mann mit ihrem Sohn
Der Psychologische Dienst für Ausländer gibt zugewanderten Menschen eine neue Perspektive.
Foto: Fotolia/ Michael Jung

Flüchtlinge erfahren in dem Caritas-Projekt NUR – Neue Ufer - professionelle Hilfe 
 
Amina und ihr Mann Yasir sind in Afghanistan geboren und aufgewachsen. Als die Taliban in ihrem Dorf die jungen Männer für den Kampf rekrutieren wollten, floh das junge Paar in den Iran, wo ihre Tochter geboren wurde. Sie hofften dort auf Arbeit und ein sicheres Leben. Doch schon lange werden die vielen afghanischen Flüchtlinge im Iran diskriminiert. Als die Repressalien immer stärker wurden, floh die kleine Familie vor zwei Jahren nach Deutschland. Über die schrecklichen Erlebnisse auf der Flucht kann Amina noch immer nicht sprechen. „Ich könnte Bücher darüber schreiben“, sagt die 22-Jährige und man sieht ihr an, dass die Bedrohung für sie immer noch spürbar ist. Yasir macht sich große Sorgen um seine Frau, denn sie kann nicht schlafen, hat immer wieder Schwindelanfälle und wird ohnmächtig. Der Arzt hat dafür keine medizinische Erklärung. Seit einigen Wochen kommt Amina zu Anja Franzen vom Projekt NUR zur psychologischen Beratung.
 
Kein Ort, um zur Ruhe zu kommen

Besonders belastend ist für die junge Frau die Situation in der Gemeinschaftsunterkunft. Die hygienischen Verhältnisse sind sehr schlecht, sie teilen sich mit über 20 Menschen Küche, Bad und Toiletten. „Es ist immer schmutzig“, klagt Amina. Auch der Lärm in der Unterkunft macht ihr schwer zu schaffen. „Sie hat ständig Angst, dass Fremde in ihr Zimmer kommen“, erzählt die Psychologin, denn aus Gründen des Brandschutzes dürfe das Zimmer nicht abgeschlossen werden. „Wenn gar keine Privatsphäre bleibt, kann man nicht zur Ruhe kommen.“
 
Perspektive für die kleine Familie

Yasir kämpft für seine kleine Familie, um die Bedingungen zu verbessern. Er besucht einen Integrationskurs, spricht schon ziemlich gut Deutsch und hat nach Ansicht des Jobcenters gute Aussichten auf einen Job. Yasir war es auch, der das Angebot von NUR entdeckte und Amina zur Beratung brachte. Bisher hatte Anja Franzen die ganze Familie in der Beratung, doch seit letzter Woche arbeitet sie mit Amina alleine. „Es geht darum, für die junge Frau eine Perspektive zu entwickeln, die Möglichkeit für einen Deutschkurs zu finden und sie in Ausbildung zu bringen.“ Ein erster Schritt zur Stabilisierung der jungen Afghanin ist gemacht. Der Amtsarzt hat zugestimmt, dass sie aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen dürfen, obwohl das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Jetzt müssen sie allerdings eine Wohnung finden, was in München nicht einfach ist. „Die Menschen, die zu uns kommen, haben so viel Schreckliches erlebt. Die Beratung dient einer Stabilisierung der Menschen und wenn nötig, vermitteln wir auch eine Psychotherapie“, sagt Franzen.

Adelheid Utters-Adam