Barrieren zum Trotz

Theresia Strobl
Die Trägerin der Bayerischen Verfassungsmedaille Theresia Strobl
Foto: Franziskuswerk Schönbrunn/Thomas Klinger

Die mehrfachbehinderte Theresia Strobl wurde für ihr vielfältiges Engagement mit der Bayerischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet.
  
Mitglied im Pfarrgemeinderat, Trainerin für die persönliche Zukunftsplanung, Autorin – das Engagement von Theresia Strobl ist breit und vielfältig. Und doch ist es etwas ganz Besonderes, wofür sie von Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Bayerische Verfassungsmedaille bekommen hat. Die 62-Jährige ist seit Geburt spastisch gelähmt, sitzt im Rollstuhl und kann nicht sprechen. Seit 50 Jahren lebt sie im Franziskuswerk Schönbrunn, eine der größten Behinderteneinrichtungen in Bayern. „Ich war total überrascht, dass ich diese Ehrung bekommen habe, denn ich habe gar nicht gewusst, dass ich dafür vorgeschlagen wurde“, sagt sie oder vielmehr ihr Talker. Seit vier Jahren kommuniziert sie über diesen Talker, ein Hilfsmittel, das geschriebene Sprache als gesprochenes Wort ausgibt. Davor benützte sie viele Jahre einen kleinen Taschencomputer, nur mit sehr nahestehenden Menschen kann sie ohne Hilfsmittel kommunizieren.

Einsatz für die Rechte und Wünsche von Behinderten
 
Ihre ganz persönlichen Einschränkungen und Barrieren hielten sie nicht davon ab, seit vielen Jahren für die Rechte der Menschen mit Behinderung einzutreten und sich dafür starkzumachen. Beharrlich brachte sie in der Bewohnervertretung und im Heimbeirat des Franziskuswerkes die Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Menschen mit schweren Behinderungen ins Wort. So ist zum Beispiel oft vom Kostenträger nicht vorgesehen, dass ein Mensch mit Behinderung ein Einzelzimmer bewohnt. Dass auch er seine Privatsphäre möchte und braucht, dafür kämpft Theresia Strobl. Da setzt sie sich auch schon mal auf ein Podium, auch wenn sie eigentlich schüchtern und zurückhaltend ist. 

Fachfrau für Zukunftsplanung und deren Umsetzung
 
Im Franziskuswerk Schönbrunn hat sie erst kürzlich eine Ausbildung zur Moderatorin für Persönliche Zukunftsplanung abgeschlossen. Diese Persönliche Zukunftsplanung wurde dort entwickelt. Es sieht das Individuum und seine persönlichen Vorstellungen als Ausgangsbasis allen Handelns und bezieht den Klienten von Anfang an in die Zukunftsplanung und deren Umsetzung ein. Um die nötigen Veränderungen bei den Mitarbeitenden zu ermöglichen, brauchen die Bewohner authentische Fürsprecher und Vermittler. Diese Aufgabe übernimmt Theresia Strobl als Moderatorin. „Ich möchte vor allem schwächeren und älteren Menschen helfen, die Angst vor den notwendigen Veränderungen haben“, äußert sie.

Strobls weiteres Engagement 

Als Mitglied im Pfarrgemeinderat übernimmt Theresia Strobl die Aufgabe, für jede Sitzung einen geistlichen Impuls vorzubereiten. „Ich suche aus einem religiösen Buch einen Text aus, der zum Kirchenjahr passt. Den gebe ich in den Talker ein und trage ihn zu Beginn der Sitzung vor.“ Mit Hilfe ihrer Assistenzperson ist es ihr möglich, als Schriftführerin tätig zu sein. Sie schreibt auch für das „Werkstattblattl“ der Schönbrunner Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder die „Augenblicke“, die Zeitschrift des Franziskuswerks. Ihre Mitbewohner und die Mitarbeiter in Schönbrunn sind stolz, dass „eine von uns“ mit der Verfassungsmedaille ausgezeichnet wurde. „Das ist ein kraftvolles Zeichen, dass Menschen mit Behinderung einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten und ihre Rechte respektiert werden“, freute sich Geschäftsführer Markus Tolksdorf.

Adelheid Utters-Adam