Wir fordern Wohnungen

„Wir fordern bezahlbaren Wohnraum“ lautet die erste Forderung der Caritas zur Wahlkampagne 2013 unter dem Motto „Caritas wählt Klartext“. Sie drückt das drängendste Problem im Bereich Armut aus. Möglicherweise wird sich der Mangel an Wohnraum mit einer anhaltenden Zuwanderung in den Ballungsraum München in Zukunft noch verschärfen. Es gibt viele kleine Lösungsvorschläge, die für sich genommen gar nicht bedeutsam erscheinen, aber viel bewirken könnten. Heftig diskutiert wird die derzeitige Anforderung vieler Auto-Stellplätze bei Neubauten und Verdichtungen. Sie schreckt Investoren ab und verhindert Neu- und Ausbau. Diese Anforderung ist nicht gerechtfertigt, vor allem dann nicht, wenn die Zielgruppen, zum Beispiel der Geringverdiener, gar kein Auto haben. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Verdichtung von Wohnraum an Bedingungen zu knüpfen. Wer im Dach ein Luxusappartement baut, sollte in den unteren Etagen sozialverträgliche Wohnungen zur Verfügung stellen müssen. Auch die Gründung von Genossenschaften muss erleichtert werden. Dies wäre eine gute Voraussetzung dafür, Bürger aktiv an der Lösung des Wohnraumproblems zu beteiligen. (Norbert J. Huber, Geschäftsführer Caritas-Zentren München Stadt/Land, Kommpakt-LH 02/13)


Fallbeispiel

Familie H. hat 3 Kinder im Alter zwischen 9 Monaten und 4 Jahren. Seit der Geburt des zweiten Kindes haben sie einen Sozialwohnungsantrag gestellt, der stets erneuert wurde. Ihre Wohnung hat 2 Zimmer und ist ca. 57 qm groß. Aufgrund des baulichen Zustands ist in der Küche und im Bad Schimmel, der bisher vom (Privat-) Vermieter nur oberflächlich kaschiert wurde. Der Familienvater arbeitet, ist aber nur in der Lage ca. 700,- € für Miete auszugeben. Auf dem freien Wohnungsmarkt hat er keine Chance zu diesem Preis eine 3- oder 4-Zimmerwohnung zu bekommen. Da die Familie Wohnraum besitzt, der nicht gekündigt wurde, bekommt sie bei der Dringlichkeit ihres Sozialwohnungsgesuches nicht die volle Punktezahl, trotz eines ärztlichen Attests, dass die Gesundheitsgefährdung der Kinder bestätigt hat. Somit müssen sie in dieser sehr kleinen und vor allem durch den Schimmel belasteten Wohnung bleiben. Bei den 2 Sozialwohnungen, die ihnen bisher vom Wohnungsamt vorgeschlagen wurden, wurden sie vom Vermieter nicht ausgewählt.
So leben sie seit mehr als 2 Jahren, hoffend und wartend eine finanzierbare, größere und vor allem schimmelfreie Wohnung zu beziehen. (Michael Tauchert, Fachreferent Soziale Arbeit)


Wohnen im Landkreis München

Die Wohnraumsituation im Landkreis München ist angespannt, da einem geringen Angebot eine große Nachfragegruppe gegenübersteht. Besondere Schwierigkeiten können sich für kinderreiche Familien ergeben, die größere Wohnungen benötigen. Die Anzahl der Sozialwohnungen im Landkreis geht zurzeit kontinuierlich zurück, da viele Wohnungen durch Ablauf der Bindungsfrist aus der Sozialbindung herausfallen. Zwar ist die Baugesellschaft München-Land, der neben dem Landkreis 25 der 29 Kommunen des Landkreises angehören, im sozialen Wohnungsbau aktiv, doch kann sie durch ihre Bautätigkeit die Anzahl der erlöschenden Bindungen nicht vollständig ausgleichen. Um untere Einkommensschichten zu unterstützen, plant der Landkreis den Erlass von Richtlinien zur Förderung von baulichen Maßnahmen, die einer Sozialbindung unterstellt werden. Weiterhin unterstützt der Landkreis Bürger, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, durch die Finanzierung der Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe – FOL der Arbeiterwohlfahrt, die ihre Beratungen auch im Landratsamt anbietet. (Landrätin Johanna Rumschöttel, Kommpakt-LK 01/13)


Angespannte Wohnsituation in München

Viele soziale Probleme in München hängen mit der Wohnungssituation zusammen. Man kann sie moderat ausgedrückt als angespannt bezeichnen: Menschen mit mittleren Einkommen – Pflegekräfte in den Altenheimen, Erzieherinnen in unseren Kindertagesstätten, Familien mit zwei oder drei Kindern – können sich wegen der hohen Mieten das Leben in der Stadt München kaum mehr leisten. Insofern schlägt das Problem des Wohnungsmangels auch auf den Fachkräftemangel in der Pflege und im Betreuungsbereich durch. Ganz zu schweigen von Menschen mit geringem Einkommen. Wenn alte Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, Familien, in denen der Lohn unter der ALG-II-Grenze liegt oder Migrantenfamilien mit mehreren Kindern nicht in Sozialwohnungen untergebracht werden können, wird das auch für die öffentliche Hand richtig teuer. Als Caritas sehen wir einen Ausweg aus der Misere in einem Programm des Bundes für den sozialen Wohnungsbau, einer neuen Kooperation mit den Umlandgemeinden und vielen einzelnen konkreten Maßnahmen zur Mietbegrenzung und Erschließung von Bauflächen für die Stadt, wie es das Bündnis München sozial fordert. Wir brauchen auch ein Umdenken bei der öffentlichen Förderung. Für die Partner im Wohnungsbau darf die Zweckbindung nicht schon nach kurzer Zeit wegfallen. Wir brauchen keine Investoren, die absahnen, sondern verlässliche Partner, die am Gemeinwohl interessiert sind. (Norbert J. Huber, Geschäftsführer Caritas-Zentren München Stadt/Land, Kommpakt-LH 01/13)


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