Um-Fair-Teilung


Hände mit Geld

Wann wird Ungleichheit ungerecht?
Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter
Die Ungleichverteilung von Einkommen, Vermögen und Gütern in Deutschland nimmt weiter zu: 1998 verfügten die reichsten zehn Prozent in Deutschland über 45 Prozent des Nettovermögens, 2008 bereits über 53 Prozent – und die Schere öffnet sich weiter. Ist aber die wachsende Ungleichheit als ungerecht zu bewerten? Drei Argumente sprechen dafür:

• Die Verteilung über Erwerbs- und Transferein-kommen, die nachträgliche Verteilung über die Besteuerung und die Bereitstellung sozialer und kultureller Infrastruktur durch die öffentliche Hand müssen sich an der Bedarfsgerechtigkeit orientieren. Bereits Papst Johannes XIII hat in „Mater et magistra“ eine Verteilung gefordert, welche allen Menschen „die Entfaltung und Vervollkommnung ihrer Persönlichkeit“ ermög-licht. Dieser Forderung wird das reiche Deutsch-land mit seinen Armuts- und Ausgrenzungsprob-lemen nicht gerecht! Armut ist selten nur, aber immer auch eine Frage des Geldes und seiner Verteilung.

• Die Leistungsgerechtigkeit wird gerne gegen „Um-Fair-Teilung“ ins Feld geführt: Wer mehr habe, leiste eben auch mehr! Tatsächlich jedoch stehen große Vermögen und ihre Zuwächse in keinem erkennbaren Verhältnis zu einer ent-sprechenden Leistung, während die Lohnent-wicklung gerade im Niedriglohnbereich den Leistungen der Mitarbeitenden längst nicht mehr gerecht wird. Auch die Leistungen der Fa-milien werden systematisch unterbewertet.

• Der große Gerechtigkeitstheoretiker John Rawls hält die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen nur dann für legitim, wenn sie in der Folge die Situation der am meisten Benachtei-ligten verbessere. Krasse Unterschiede, die nur den Begünstigten zu Gute kommen und das Los der schlechter gestellten Gruppen nicht verbes-sern, sind ungerecht und verletzen das Gefühl staatsbürgerlicher Gleichheit, die bei allen indi-viduellen Unterschieden garantiert sein muss.
Fazit: Die Ungleichverteilung in Deutschland ist un-gerecht und muss reduziert werden durch faire Er-werbseinkommen, bedarfsgerechte Transferein-kommen, ein ausreichend finanziertes Sozial- und Bildungssystem und durch ein „um-fair-teilendes“ Steuersystem mit einem starken Progressionsprinzip und einer endlich angemessenen Besteuerung von Kapital und Vermögen. (Thomas Steinforth, Kommpakt-LH 04/12; Bild: fotolia.de, © Nolte Lourens)


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