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Kinder mit Bilderbuch

Kinderkrankheiten und Bürokratisierung der Münchner Förderformel

Nach dem Willen der Stadträte soll die Münchner Förderformel eine zusätzliche Förderung für bildungsbenachteiligte Kinder in den Kindertagesstätten gewährleisten. Nun warnt der Geschäftsführer der Caritas-Zentren München, Norbert J. Huber, vor einem Scheitern.
„Wir brauchen bei der Bewilligung der Zuschüsse eine Orientierung an Zielvorgaben, die inhaltlich kontrolliert werden sollten. Wenn die Stadtverwaltung nicht schnell ein einfaches, unbürokratisches Abrechnungssystem schafft, wird die Förderformel in den Mühlen der Verwaltung zermahlen“, befürchtet Huber. Derzeit sei – trotz der Beratung durch die Firma KPMG – die Befürchtung groß, dass die sehr kleinteiligen Abrechnungsvorschriften die Umsetzung der Förderformel unmöglich machen. Die drei Ziele der Münchner Förderformel sind mehr Bildungsgerechtigkeit, mehr Familienunterstützung und mehr Trägergerechtigkeit. „Derzeit werden wir als freie Träger an der Umsetzung gehindert, weil zum Beispiel keine Finanzierung erfolgt für Frischküche, Gemeinkosten und einen 0,5 höheren Fachkraftschlüssel als Fördervoraussetzung“, sagt der Caritas-Geschäftsführer. In der Folge müssten freie Träger die Elternbeiträge deutlich erhöhen, welche teilweise über die wirtschaftliche Jugendhilfe des Sozialreferates per Einzelantrag wieder ausgeglichen werden sollen. Der Caritasverband und Vertreter der katholischen Kindertagesstätten stünden hinter den Zielen der Münchner Förderformel. „Jetzt muss auch der Stadtrat dafür sorgen, dass die 50 Millionen Euro wirkungsvoll bei denen ankommen, für die sie gedacht sind.“ (Adelheid Utters-Adam, Kommpakt-LH 03/12; Bild: DiCV Muc, Hilmar Joenke)


Mehr Fördern statt zu viel Fordern

Fördern und fordern ist ein bewährtes Prinzip. Das hat sich wohl auch die Stadt München bei ihrer neuen Förder-Formel für die Kindertagesstätten gedacht. Deren Ziele sind gut: Chancengleichheit für alle Kinder, mehr Unterstützung für Familien, eine gerechtere Förderung der freien Träger. Unterfüttert mit 25 Millionen Euro. Doch die neue Zauberformel wirkt nicht: Die Forderungen für die Förderung sind zu hoch, die Zuschussrichtlinien für die freien Träger kaum zu erfüllen. Groß ist die Sorge der Stadt, das Geld könnte in falsche Kanäle fließen. Wenig überraschend daher: Nur zwei von 1150 Trägern sind bisher in die neue Förderung eingestiegen. Das gab der Stadt zu denken. Sie holte sich Expertenrat von außen. Der fiel eindeutig aus: Die Latte muss niedriger gehängt, die Vorgaben entschlackt werden. Die Entscheidung liegt jetzt beim Stadtrat. Bleibt zu hoffen, dass er mit einem Schuss Vertrauen der neuen Formel zur Entfaltung ihres Zaubers verhilft. Sonst bleibt am Ende nur das Fordern übrig. (Kommpakt-LH 03/11)


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