Gerechte Löhne

Prekäre Arbeitsverhältnisse verhindern

Unter „prekären Arbeitsverhältnissen“ versteht man im Allgemeinen Beschäftigungen ohne existenzsicherndes Einkommen ohne soziale Absicherung und ohne Arbeitsplatzsicherheit. Laut DGB sind in Bayern aktuell 30 Prozent aller Beschäftigten in „prekären“ Verhältnissen, bei unter 25-Jährigen finden sich darunter besonders viele Frauen. Dazu kommen Langzeitarbeitslose, die 35 Prozent aller Erwerbslosen ausmachen. Sie konnten nicht vom wirtschaftlichen Aufschwung der letzten beiden Jahre profitieren. Neben dem Risiko der Altersarmut haben sie aufgrund der instabilen Lebenssituation auch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Als Caritas gilt unsere besondere Sorge den Menschen, die durch gesundheitliche Beeinträchtigungen, Brüche in der Biografie oder aufgrund ihres Alters schwer vermittelbar sind. Um diese Risiken aufzufangen, müssen die politisch Verantwortlichen in der Stadt und in den Job-Centern mit den Wohlfahrtsverbänden in einen Dialog treten, um langfristige Lösungen für diese Menschen und ihre Familien zu finden. Wir brauchen in der Stadt München ein eigenständiges Förderprogramm für Langzeitarbeitslose, das diesen Menschen den Weg zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung eröffnet. (Norbert J. Huber, Geschäftsführer Caritas-Zentren München Stadt/Land, Kommpakt-LH 02/12)


Immense Belastungen im Alltag - Wenn man vom Verdienst nicht leben kann

Trotz einer geregelten Arbeit kommen Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen oft nicht ohne zusätzliche Sozialleistungen aus.

Elena G. ist eine alleinerziehende Mutter mit vier kleinen Kindern. Seit der Vater ihrer Kinder sie verlassen hat, geht es ihr zwar psychisch besser, aber die Belastungen es Alltags sind immens. Die 32-Jährige tammt aus Griechenland, hat keinen Bufsabschluss, weil sie immer für ihre üngeren Geschwister sorgen musste, und rbeitet halbtags in einem Supermarkt. Ihre jüngste Tochter ist zwei Jahre alt und wird in ihrer Abwesenheit von der Oma btreut, einen Krippenplatz könnte sie sich gar nicht leisten. In ihrem Job verdient Elena etwa 600 Euro netto. Mit den ergänzenden Sozialleistungen kommt sie so gerade um die Runden. Ihr Arbeitgeber hat viel Verständnis für ihre Situation und kommt ihr bei Abend- und Wochenendschichten entgegen. Aber immer geht das auch nicht. Elena ist fest entschlossen, ihren Familienalltag zu meistern. Er funktioniert allerdings nur, „wenn alle Rädchen ineinander greifen“, wie sie sagt. Wird zum Beispiel die Oma krank, bricht das Chaos aus. Im Caritas-Zentrum in Taufkirchen erfährt sie immer wieder Hilfe. Ihre Beraterin Birgit Oppermann-Schramm hat manchmal Bedenken, dass die junge Frau zu viel von sich selbst verlangt. Eine Berufsausbildung, die ihr ein vom Amt unabhängiges Leben ermöglichen würde, bleibt wahrscheinlich noch lange Elenas Traum.

Der Familienvater Simon P. hat neben seinem Vollzeitjob als Altenpflegehelfer noch
einen Nebenjob. Seine Frau versorgt die beiden Kinder im Alter von fünf Monaten
und drei Jahren. Mit seinem Nettoverdienst von 1.300 Euro, dem Nebenjob, Kinder- und Elterngeld und einem Mietzuschuss kommt die Familie auf das Niveau von Arbeitslosengeld II. Der anstrengende Dienst im Altenheim, der Schichtdienst und der gelegentliche Nebenjob lassen dem 31-Jährigen wenig Zeit für seine Familie. Auch wenn er manchmal am Rande seiner Kräfte ist, will er allen gerecht werden. Besonders belastend sind für die Familie die hohen Mietkosten von über 800 Euro und Schulden aus früheren Jahren. „Es waren keine unnötigen Konsumausgaben“, erklärt die Schuldnerberaterin der Caritas. Die Familie habe lediglich eine Grundausstattung für die Kinder und den Haushalt angeschafft, „aber bei so kleinen Einkommen ist selbst das nicht drin.“ Was Simon wirklich helfen würde, wäre die Weiterbildung zur Altenpflegefachkraft. „Da sind wir dran“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin, „aber im Moment braucht die Familie eine Phase der Stabilisierung, bevor sie die nächsten Schritte ins Auge fasst.“ (Adelheid Utters-Adam, Kommpakt-LK 02/13)


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