Der Patient steht im Mittelpunkt

Ambulante Pflege steht vor großen Herausforderunge

Die Entgeltsätze der Kranken- und Pflegekassen schnüren die Anbieter von ambulanter Pflege finanziell so ein, dass sie kaum kostendeckend arbeiten können. Schwester Susanne von der Caritas-Sozialstation beginnt jeden Morgen um 6.30 Uhr die Tour zu ihren Patienten. Mit ihrem kleinen weißen Auto mit dem roten Flammenkreuz der Caritas fährt sie von Dorf zu Dorf, hilft Patienten aus dem Bett, kleidet sie für den Tag, bereitet Essen vor und kümmert sich um die medizinisch Versorgung. Oft ist die Schwester der Caritas die einzige Verbindung zum Leben draußen an diesem Tag.

Für alles, was Schwester Susanne an diesem Morgen im Laufe von sechs Stunden geleistet hat, wird die Sozialstation nach den Entgeltsätzen der Pflege- und Krankenkassen bezahlt. Die Zeit, die die Altenpflegerin mit den Patienten spricht, die Angehörigen berät oder länger als die vorgesehenen acht Minuten für einen Verbandswechsel – 20 bis 30 Minuten sind die Regel – braucht, wird nicht bezahlt. Das Grundproblem seiner Sozialstation sei die ungenügende Refinanzierung der Leistungen durch die Kranken- und Pflegekassen, sagt Volker Sterker, Leiter der Caritas-Sozialstation Hachinger Tal und Ottobrunn. Einerseits seien die Anforderungen an die Pflegequalität sehr hoch, was richtig und wichtig sei. Andererseits koste diese Qualität viel Geld. Die Kassen kämen dafür nicht auf. „Trotz Zeit- und Kostendrucks auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen, bleibt ein täglicher Balanceakt, den alle Mitarbeiter mit viel Engagement meistern“, so Sterker. Das Pflegeverständnis in der Caritas stellt den Menschen in den Mittelpunkt. „Das macht uns für Pflegebedürftige und Mitarbeiter attraktiv.“ Auch vom Tariflohn, nach dem alle Caritas-Mitarbeiter bezahlt werden, rücke man keinesfalls ab. Trotzdem ist es sehr schwierig, insbesondere auch im Großraum München, Pflegekräfte zu finden.

Viele Sozialstationen sind aus einem ehrenamtlichen Engagement von Frauen in den Pfarreien heraus entstanden und ein wichtiger Teil des kirchlichen Lebens. Ein Teil der Gelder der zweimal jährlich stattfindenden Caritas-Sammlung steht den Sozialstationen für nicht abrechenbare Leistungen zur Verfügung. „Der Kontakt zuden Pfarreien ist uns sehr wichtig“, sagt Sterker. „Wir sind ein Teil von Kirche.“ Auch wenn eine Caritas-Sozialstation sehr professionell arbeite, bleibe die Nähe zu Menschen doch das Wichtigste. (Adelheid Utters-Adam, Kommpakt-LK 04/12)


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