Forderungen für Menschen mit pychischen Behinderungen

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Am Arbeitsleben teilhaben – ein Grundrecht für alle
Am Arbeitsleben teilzuhaben ist ein grundsätzliches Recht für jeden von uns. Dieses Recht muss auch für Menschen mit psychischen Problemlagen durchgesetzt werden. Dieser Personenkreis wird zunehmend ausgegrenzt. Die Kooperation zwischen Arbeitsagenturen und Maßnahmeträgern sowie den Kostenträgern im Sozial- und Gesundheitswesen muss wesentlich enger, verlässlicher und nachhaltiger gestaltet werden. Eine gemeinsame Sicht auf die Menschen mit Unterstützungsbedarf kann helfen, Hemmnisse und Widersprüche zwischen den unterschiedlichen Fördersystemen abzubauen.

Sowohl für arbeitsmarktnahe Zielgruppen mit besonderem Unterstützungsbedarf wie auch für arbeitsmarktferne Zielgruppen ist ein sozialer Arbeitsmarkt mit der Perspektive der Teilhabe weiterzuentwickeln. Hierzu zählt die Bereitschaft der Träger der Grundsicherung, die gesetzlich verankerten Instrumente bestmöglich auszustatten und zu nutzen. So sollten unbefristete Fördermöglichkeiten nach dem § 16e SGB II für die Zielgruppe der Menschen mit psychischen Problemen wieder eingeführt und die Fördermöglichkeiten im SGB II stärker personzentriert genutzt werden.

Von einem Teil der Menschen mit psychischen Problemlagen wird die Tätigkeit in Werkstätten für behinderte Menschen abgelehnt, da sie im Hinblick auf Arbeitsanforderungen, Arbeitssetting und Entwicklungsmöglichkeiten nicht den jeweiligen Wünschen bzw. Zielen entsprechen. Die Beschäftigung in einer Werkstatt wird trotzdem als Arbeitsmöglichkeit gewählt, wenn adäquate Alternativen fehlen. Deshalb müssen mehr Beschäftigungsalternativen zur Werkstatt für behinderte Menschen geschaffen werden. Hierzu ist der geeignete gesetzliche Rahmen für „Sozialfirmen“ zu schaffen. Beispiele


Selbstbestimmtes Leben und Einbeziehung in die Gemeinschaft
Förderung und Erhalt der seelischen Gesundheit muss künftig eine verbindliche Aufgabe sowohl der Anbieter psychiatrischer Hilfen als auch der Leistungsträger und Kommunen werden. Unter anderem als Folge der jahrzehntelangen institutionellen Förderpraktiken haben sich Strukturen entwickelt, die den Betroffenen statt Wiedereingliederung (nur) geschützte Räume und damit Sonderwelten anbieten. Hier muss ein deutliches Umdenken stattfinden mit der Grundausrichtung: Sozialraum vor Sonderwelt. Anti-Stigma-Arbeit muss dabei ein fester Bestandteil der regionalen Angebote zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit psychischen Problemlagen sein.

Hierzu werden umfangreiche Maßnahmen notwendig und sind entsprechend bereitzustellen wie etwa:

(1) Die Verbesserung der sozialräumlichen Infrastruktur sowie die Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements durch:
• personelle und finanzielle Ressourcen für fallunspezifische Aufgaben im Sozialraum,
• Schulungen und Qualifizierung von Mitarbeitenden in Diensten und Einrichtungen ,
• Schulungen für Multiplikatoren/innen sowie für Maßnahmen des Empowerments bei den Betroffenen selbst (siehe Beispiel).

(2) Eine auskömmliche und verlässliche Finanzierung der Selbsthilfeverbände und -organisationen. Beispiele


An allen gesellschaftlichen Gütern teilhaben
Die Lebenslagen „Armut“ und „Hartz IV“ begrenzen Teilhabe. Denn Teilhabe hängt, wenn auch nicht allein, vom Einkommen und dem Zugang zu materiellen Gütern ab. Die materielle Basis der Existenz von Menschen mit psychischen Problemlagen ist sicherzustellen, damit Teilhabe überhaupt möglich wird.

Zudem muss es genügend bezahlbaren Wohnraum geben und der Zugang zu Wohnraum für Menschen mit psychischen Problemlagen muss verbessert werden, denn die Wohnsituation ist mitentscheidend für die Verbesserung der Lebenssituation. Erforderlich sind daher:

(1) eine strukturelle Förderung von ausreichendem sozialen Wohnungsbau,
(2) die quotierte Berücksichtigung von Menschen mit Behinderungen bei der Vergabe von Wohnungen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden,
(3) Entstigmatisierungskampagnen für die Wohnungswirtschaft und spezifische Hilfen der Kostenträger für Menschen, die aufgrund ihrer psychischen
Problemlagen an der Anmietung von Wohnungen gehindert sind (u.a. flexible Kostenübernahmen von Mieten in den Rechtskreisen SGB II und SGB XII,
Ausfallsbürgschaften, Kautionen). Beispiele

So wohnen und leben können, dass man teilhaben kann
Heime werden vom psychiatrischen Versorgungssystem insgesamt immer noch als einfache Lösung für komplexe Problemlagen gesehen. Menschen mit psychischen Problemen leben in Heimen, oft weil andere Hilfen nicht ausreichend vorhanden sind. Doch dem Mangel an flexiblen, ambulanten Hilfen, umfassender Unterstützung und angemessenem Wohnraum wird nicht konsequent abgeholfen. Das „All-inclusive-Paket“ des Heims soll zur Not auch in Form von geschlossenen Wohnheimen vorgehalten werden, aber Alternativen für die am schwierigsten zu unterstützenden Menschen fehlen und müssen entwickelt werden.
Was weiter fehlt ist die Vernetzung der unterschiedlichen Kostenträger und eine umfassende regionale medizinische Begleitung nach dem Sozialgesetzbuch V (Ambulante psychiatrische Pflege, Soziotherapie, Integrierte Versorgung etc.), um Menschen in Krisensituationen ambulant zu versorgen und lange und teure stationäre Aufenthalte zu vermeiden. Es ist erforderlich, diesen Bereich auszubauen und darüber hinaus regionale Netzwerke, zum Beispiel mit der Jugend- und Eingliederungshilfe, zu schaffen.

Die kommunale Verpflichtung zur Daseinsvorsorge muss für alle Bürgerinnen und Bürger gelten und möglich sein. Weitere Forderungen sind:

• Regionale ambulante Versorgung und Unterstützung muss besonders in ländlichen Regionen ausgebaut und entwickelt werden. Erfahrungen aus den Städten müssen entsprechend ausgewertet und übertragen werden.
• Hilfeberechtigte müssen Mieter ihres Wohnraums sein.
• Ambulante Unterstützung muss bedarfsdeckend finanziert werden.
• Bestehende Heime müssen sich zur örtlichen Stadtteilkultur (Quartier) öffnen. Der

Weg vom Heim hin zum eigenen Wohnraum muss dort beginnen. Wohnheime müssen durchlässig und Teil des sozialpsychiatrischen Netzwerkes sein. Konkrete Schritte hin zu einer Integration dieser Hilfen in die Gemeinwesen sind überfällig.
Beispiele