Endlich einmal dazugehören

Was der Gebrauchtwarenladen des Weißen Raben den Mitarbeitern bedeutet

„Hierhin, oder?“ Ein wenig unschlüssig hält die schlanke Frau mit den langen dunklen Haaren einen Kronleuchter an die Decke. Sie steht auf einer braunen Leder-Couch und will den Leuchter so platzieren, dass er gut zur Geltung kommt. „Naa, der ist zu groß“, widerspricht ein Mann in Jeans und Sweatshirt. „Weiter nach links!“ Die beiden sind Verkäufer im Gebrauchtwarenladen des Weißen Raben an
der Bavariastraße, einem Caritas-Betrieb. Für derzeit 95 Menschen ist das Gebrauchtwarenhaus mit der angeschlossenen Hausmeisterei eine Chance für den Eintritt in den ersten Arbeitsmarkt. Sie trainieren den Umgang mit Kunden und Kollegen, mit einem strukturierten Arbeitstag, mit Erfolgen oder auch mit kleinen Misserfolgen. Doch zum April muss der Weiße Rabe diese Stellen auf 79 kürzen – der Grund ist die arbeitsmarktpolitische Instrumentenreform. „Das ist für die Betroffenen schlimm“, sagt Johanna Schilling, Geschäftsführerin des Weißen Raben. Als Beispiel nennt sie eine schwerbehinderte junge Frau, die ihre Tochter alleine aufzieht. Drei Jahre lang konnte die Frau durch verschiedene Maßnahmen gefördert werden. Drei Jahre, in denen sie sich nicht mehr nur als Bedürftige erlebte, sondern als tatkräftige Mitarbeiterin in einem netten Team. Über den Verlust ihrer Stelle, über das Wegbrechen des Kollegenkreises ist die Frau sehr unglücklich, wie Johanna Schilling berichtet. Die schwerbehinderte Frau hat schlicht Angst, ohne Förderung auf der Strecke zu bleiben. „Denn die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes geht an ‚schwächeren‘ Menschen vorbei“, weiß Johanna Schilling.
Zurück im Laden hat der Kronleuchter seinen Platz mittlerweile gefunden. Die Frau mit den dunklen Haaren räumt den Kassentisch auf, ihr Kollege zeigt einem jungen Mann den Weg zum Büro des Sozialpädagogen. Jeder hat seine Aufgaben, jeder packt an. Johanna Schilling sagt: „Wir geben den Leuten das Gefühl, Teil eines Ganzen zu sein.“ (Christiane Pütter, Kommpakt-LH 02/12)


Am Arbeitsleben teilhaben – ein Grundrecht für alle

Beispiel: Die neue Rahmenleistungsvereinbarung des Bezirks Oberbayern für den Zuverdienstbereich sieht vor, dass alle Personen ausgeschlossen sind, die Arbeitslosengeld II beziehen bzw. Leistungen nach dem SGB II fordern können. Für die Betroffenen selbst und auch für einige der Zuverdienstprojekte wirkt sich diese Änderung sehr nachteilig aus. Denn nach der Instrumentenreform zum 01.04.2012 sind die Eingliederungsbudgets der Jobcenter im SGB-II-Bereich bis zu 50% gekürzt worden. Hier ist nun kein Geld mehr vorhanden für Personen, die lang andauernde Hilfe und eine behutsame Wiedereingliederung benötigen. Es gibt darüberhinaus auch kein spezifisches Fallmanagement in den Jobcentern, das sich speziell um den Personenkreis psychisch kranker, suchtkranker oder behinderter Bürger/innen kümmert.


Beispiel: Die Sozialfirma schafft dauerhafte Arbeitsplätze und bietet somit eine Perspektive nach befristeten Heranführungs-, Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen. Sie ist im Gemeinnützigkeitsrecht verankert, zum Wettbewerb zugelassen, produziert Produkte und Dienstleistungen für den Markt und schafft damit reguläre Arbeitsplätze. Sie wird betriebswirtschaftlich geführt unter sozialethischen Gesichtspunkten. Sie arbeitet mit einem Personalentwicklungskonzept, das sicherstellt, dass leistungsschwächere und leistungsstärkere Menschen gemeinsam wirtschaftlich arbeiten können.


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