Bildungsgerechtigkeit

Überleben in München
Caritas startete das Projekt „Bildung statt Betteln“

Bettelnde alte Frauen in abgerissener Kleidung und Kopftuch rund um den Münchner Hauptbahnhof waren eines der ersten Zeichen für die Zuwanderung von Menschen aus dem Balkan. Als weiteres kam der so genannte „Arbeiterstrich“ in der Goethestraße hinzu. Dort stehen ab fünf Uhr morgens Männer, die sich als
Tagelöhner verdingen.

Das Caritas-Zentrum in der Münchner Innenstadt liegt direkt im Bahnhofsviertel. Die Mitarbeiter nahmen diese Menschen wahr und zunehmend kamen diese Menschen auch zu ihrer Lebensmittelund Kleiderausgabe. Hinter diesen einzelnen bettelnden Frauen stießen die Mitarbeiter auf große Familienclans, die häufig der Volksgruppe der Roma angehören. Meist leben sie auf engstem Raum zusammen, oft zehn Personen in zwei Zimmern, manchmal nur in Pensionszimmern, nicht selten sogar auch auf der Straße. Es sind keine „Bettelbanden“ oder die „Leiharbeiter-Mafia“,es sind Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben, ist die Erkenntnis der Caritas-Mitarbeiter.

Das Leben der Roma in München ist für deutsche Verhältnisse jedoch äußerst prekär. Sie sprechen kein Deutsch, haben in der Regel keine Ausbildung und sie kommen aus einer völlig anderen Kultur. Seit dem Beitritt Bulgariens und Rumäniens in die Europäische Union können sie zwar in Deutschland bleiben, doch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind gering. Sie leben von Gelegenheitsjobs, die älteren Familienmitglieder gehen betteln. Die meisten haben keine Krankenversicherung und hier keinen Zugang zu den Sozialversicherungen. Wenn sie krank werden, wird es für diese Menschen richtig teuer. Das Caritas-Zentrum Innenstadt startete vor vier Jahren das Projekt „Bildung statt Betteln“, seit zwei Jahren wird es vor der Stadt München unterstützt. Der bulgarisch-stämmiger Sozialarbeiter Nedialko Kalinov und eine aus Rumänien stammende Juristin kümmern sich darum, dass die Menschen das Mindeste zum Leben haben, dass sie medizinisch versorgt werden und die Kinder in den Kindergarten und die Schule gehen. Fast 90 Prozent seiner Klienten sind Roma. „Sie werden bleiben, weil ihnen in München immer noch besser geht als in Bulgarien“, sagt Kalinov. „Also müssen wir dafür sorgen, dass wir die Armut durchbrechen und den Kindern durch Schulbildung eine Chance geben.“ Die Integration sei nicht leicht, aber durch seine Unterstützung sei es gelungen, viele Familien zu integrieren. Sie benötigten keine Hilfe mehr und hätten sich auch ins Arbeitsleben
integriert. „Aber der Zuzug hält an“, da ist sich Kalinov sicher. (Adelheid Utters-Adam, Kommpakt-LH 03/2013)


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