Interview mit Birgit Weiß, Kreisgeschäftsführerin

„Besonders jetzt ist es wichtig nicht zu verzweifeln, sondern sich an uns zu wenden“

Die Gemeindecaritas im Gespräch mit Kreisgeschäftsführerin Birgit Weiß über die Arbeit des Caritas-Zentrums während der Krise und wie es Menschen in der jetzigen Situation unterstützen kann.
(Das Gespräch führte Ursula Diewald)


KGF CZ Fürstenfeldbruck

Zunächst: Wie geht es Ihnen und Ihren Mitarbeiter-/innen am CZ?
Insgesamt kann ich sagen, dass es uns allen soweit gut geht. Sowohl gesundheitlich wie auch die Arbeit betreffend. Derzeit leiden wir alle ein wenig unter den strengen Hygienevorgaben, die uns die Arbeit nicht leicht machen, aber natürlich sehr sinnvoll sind.

Wie wirkt sich die Corona-Zeit auf die Caritas bzw. den Caritasverband aus?
 Wir haben sehr anstrengende Wochen hinter uns und die Auswirkungen der derzeitigen Krise sind durchaus vielschichtig. Die meisten unserer Angebote konnten wir auf andere Art und Weise aufrechterhalten. Nachdem direkter, persönlicher Kontakt zu unseren Klienten sehr schwierig, bis gar nicht mehr möglich war, haben wir sofort auf telefonische und online- Beratung umgestellt. Somit konnten wir zu mindestens den Kontakt zu unseren Klient/-innen aufrechterhalten und beraterisch-unterstützend tätig sein. Damit waren alle unsere Mitarbeiter/-innen in den letzten Wochen auch gut ausgelastet. Unsere Mitarbeiter/-innen der Pflege, waren allesamt nach wie vor unterwegs zu den Patienten. Die meisten unsere Kunden wollten auch weiter betreut werden, so dass wir nur vereinzelte Absagen erhalten haben.
Auch in der stationären Jugendhilfe und in den Kindertagesstätten wurde natürlich weiterhin vor Ort gearbeitet.
Vor zwei Wochen haben wir nun auch wieder mit persönlichen Beratungsgesprächen bei uns im Zentrum begonnen. Natürlich unter Voraussetzungen, die nach wie vor weit entfernt sind vom normalen Beratungsalltag und strengen hygienischen Auflagen unterliegen. Ab dieser Woche werden wir auch wieder mit unseren Gruppenangeboten starten. Für den Bereich, in dem Ehrenamtliche tätig sind, warten wir noch auf die Erlaubnis wieder vor Ort gehen zu dürfen. wann dies soweit ist, ist aber leider noch nicht ganz klar.
 Obwohl uns die meisten unserer Zuschussgeber schon sehr entgegen kommen, ist in einigen Bereichen nach wie vor nicht klar, wie wir unseren Einnahmenausfall der letzten Wochen gut kompensieren können, weil wir unter keinen der angebotenen Rettungsschirme fallen. Zudem werden wir auch noch die nächste Zeit das ein oder andere Angebot nur teilweise umsetzen können. Das kann zur Folge haben, dass wir auch über Angebotsschließungen nachdenken müssen. Derzeit sind wir aber noch in der Prüfung von Optionen und hoffen auch, über Anträge bei Stiftungen eine finanzielle Hilfe zu bekommen.
 
Von der Corona-Krise ist wirklich jede/ jeder betroffen, wenn auch in verschiedener Weise. In den Zeitungen steht manchmal, dass die Krise die Ärmsten besonders hart trifft. Stimmt das? Und können Sie uns das ein wenig erläutern?
Ja, definitiv sind wir von der Corona Krise alle betroffen. Besonders hart trifft es aber sicherlich die Personengruppe, die sowieso schon im einkommensschwachen Bereich tätig ist und aufgrund von Stundenkürzungen oder Kurzarbeit damit in echte Nöte kommt, da in der Regel die Fixkosten, wie z.B. Miete und Lebensunterhalt so viel Geld „auffressen“, dass für alles andere nichts mehr übrig bleibt oder sogar Schulden gemacht werden müssen. Schwierig ist die derzeitige Situation auch für obdachlose Menschen, da die Notunterkünfte zum Teil geschlossen sind und auch die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer stark eingeschränkt ist. Wen es sicherlich auch stark getroffen hat, wenn dies auch nicht immer „die Ärmsten“ sein müssen, sind die Menschen, die ganz allein Leben und zur Risikogruppe gehören. Aufgrund des Kontaktverbots, bzw. -beschränkungen war hier sehr deutlich spürbar, dass eine Vereinsamung nicht zu vermeiden war. Das ist ja Gott sei Dank nun wieder anders.


Glauben Sie, dass sich die Arbeitsschwerpunkte der Caritas durch die Krise in irgendeiner Weise drastisch ändern werden?
Es könnte sein, dass sich mehr Menschen an die Schuldnerberatung wenden müssen und auch unsere Beratung im Sozialpsychiatrischem Fachdienst und der Fachambulanz für Suchterkrankungen vermehrt in Anspruch genommen werden. Ebenso ist auch noch nicht genau absehbar, was sich aufgrund des engen Beisammenseins in den Familienstrukturen verändert hat, so dass auch ein Ansteigen der Beratungen in der Beratungsstelle für Kinder, Jugend und Familie zu erwarten ist. Ein weiterer Schwerpunkt wird sicherlich auch die Bearbeitung der Themen unserer Asylsuchenden im Landkreis sein, da aufgrund des Betretungsverbots der Regierungseinrichtungen einige Themen nicht optimal weiterbearbeitet werden konnten. Telefonische Beratung hat an dieser Stelle seine natürlichen Grenzen.
 
Können aus Ihrer Sicht Wohlfahrtsverbände wie die Caritas über die Linderung von akuter Not hinaus in dieser Krise einen speziellen Beitrag leisten?
 Diese Frage kann ich mit einem ganz klaren „ja“ beantworten. Die Beratungs- und Unterstützungsdienste sind während der gesamten Zeit weitergelaufen, wenn auch in veränderter Form. Wir waren ansprechbar, erreichbar und nah. Haben unseren gesellschaftlichen Auftrag sehr ernst genommen und uns sehr bemüht allen Themen und den Menschen gerecht zu werden. Damit unterstützen wir nun gerade die Menschen, die in dieser Krise Probleme bekommen. Jetzt liegt es mitunter auch an unseren Zuschussgebern, ob wir die Nachwirkungen in vollem Umfang und zeitnah auffangen können.
Spitzenpolitisch gesehen müssen wir als Wohlfahrtsverband auch weiterhin nachhaltig an den relevanten Themen bleiben. Dazu gehört mit Sicherheit die Vergütung der pflegerisch tätigen Mitarbeiter/-innen und die ganzheitliche Aufwertung sozialer Berufe und Angebote. Ein weiterer Punkt wäre aus meiner Sicht, dass wir anhaltend als Fürsprecher für die Menschen auftreten, die in unserer Gesellschaft keine Lobby haben und dann in solchen Krisen, wie derzeit, noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden.


Was würden Sie jemandem raten, der ein Problem hat, aber gleichzeitig große Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus?
 Am besten ist es, sich bei uns im Zentrum telefonisch zu melden, da das Zentrum bisher auch nur zugänglich ist, wenn ein Termin vereinbart wurde. So kann in einer telefonischen Beratung vielleicht schon das ein oder andere miteinander besprochen werden. Ob sich daraus auch ein persönliches Treffen entwickelt, kann dann miteinander abgewogen werden.
 
Gibt es irgendeinen Gedanken, den Sie Menschen, die unter der Krise leiden, mit auf dem Weg geben wollen?
Besonders jetzt ist es wichtig, nicht zu verzweifeln, sondern sich an uns zu wenden. Alle unsere Berater/-innen sind im Einsatz und wir versuchen möglich zu machen, was in unserer Macht steht, um unsere Patienten, Klienten und Kunden zu unterstützen.
Egal, ob jemand an Einsamkeit leidet, Unterstützung im Alltag benötigt, existenzielle Ängste hat, auch nur mit jemanden in den Austausch gehen möchte oder Beratung zur konkreten Lebenssituation braucht.
 
Viele der Maßnahmen sind in der Zwischenzeit gelockert worden. Was bedeutet das für Sie und Ihre Mitarbeiter/-innen?
Derzeit sind wir noch mit einer vorsichtigen Öffnung des Zentrums beschäftigt und hoffen, dass wir nach und nach wieder in einen normaleren Beratungsalltag zurückkehren können. Damit stehen wir auch sicherlich nicht allein da. Wir alle freuen uns darauf, wenn wir uns untereinander wieder mehr begegnen können, direkter Austausch möglich ist und unsere Klienten wieder persönlich empfangen können.



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