Ess-/Brechsucht (Bulimia nervosa)

Typische Symptome einer Bulimie sind

  • wiederholte Heißhungeranfälle und Maßnahmen, einer Gewichtszunahme gegenzusteuern  
  • die Angst, dick zu werden 
  • die übertriebene Beschäftigung mit dem Essen und der Kontrolle des Körpers 
Menschen, die an einer Ess-/Brechsucht leiden, empfinden eine unwiderstehliche Gier nach Nahrung. Während des Essens kommt es dann subjektiv oder tatsächlich zum Kontrollverlust: sie können in einem Essanfall nicht aufhören zu essen und nicht kontrollieren, was und wie viel sie essen. Der Wunsch, die hohe Kalorienaufnahme ungeschehen zu machen, führt zu selbst herbeigeführtem Erbrechen, Hungerperioden, exzessivem Sport oder auch Medikamentenmissbrauch (in Form von Abführmitteln, Appetitzüglern oder Entwässerungstabletten). Die Bulimie bietet in ihren Symptomen ein äußerst vielschichtiges Bild. Nicht jeder Betroffene isst bei einem Essanfall mehrere Tausend Kalorien und erbricht sich danach. Insbesondere Bulimiker, die der Magersucht näher stehen, haben nach normalen Mahlzeiten den Drang, die aufgenommenen Kalorien wieder loszuwerden und erbrechen sich dann. Andere Betroffene schildern, dass sie den ganzen Tag vor sich hin essen und sich zwischendrin erbrechen, wenn sie sich zu voll fühlen. 2 bis 5 Prozent der Mädchen und jungen Frauen zwischen 12 und 25 Jahren entwickeln eine Bulimie (internationale Studien).

Von den Betroffenen kann sie oft über Jahre hinweg geheim gehalten werden. Äußerlich ist ihnen nichts anzumerken. Die meisten bulimischen Menschen sind normalgewichtig. Die meisten Menschen mit dieser Störung wissen, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, es gelingt ihnen aber, die Fassade aufrechtzuerhalten. Die Dunkelziffer bei Bulimie ist deshalb hoch. Die Mehrheit der an Bulimie Erkrankten ist weiblichen Geschlechts. Der Beginn der Erkrankung liegt häufig im Alter von 15 bis 17 Jahren, zunehmend erkranken jedoch auch Frauen in höherem Alter an Bulimie. Nicht selten ist der Auslöser einer Bulimie eine Diät oder der Wunsch, abzunehmen.


Menschen, die an einer Bulimie leiden, haben meist ein sehr negatives Selbstkonzept, das geprägt ist durch Gefühle von Wertlosigkeit und innerer Leere. Kompensatorisch dazu entwickeln sie eine angepasste, geschlechtsspezifisch perfekte Fassade, die dazu dient, die hochgesteckten Ansprüche an sich selbst wenigstens teilweise erfüllen zu können.

"Den genauen Zeitpunkt, wann meine Bulimie wirklich angefangen hat, kann ich nicht mehr rekonstruieren. Ich habe schon oft darüber nachgedacht. Ich weiß noch, dass die Bulimie schleichend begann, als ich 19 war. Ich hatte keine Fressattacken, aber nach den Mahlzeiten habe ich gelegentlich erbrochen, wenn es mir zuviel erschien. Irgendwie, irgendwann wurde es dann mehr und mehr. Ich funktionierte perfekt, wie eine Maschine. Die Bulimie war Tabuthema, offiziell gab es sie weder für mich noch für mein Umfeld. Sie lag in einer Grauzone, es hatte sie einfach nicht zu geben. Tief in mir wusste ich wohl die ganzen Jahre über, dass ich eine Essstörung hatte. Als mich meine beste Freundin vor drei Jahren darauf ansprach, war der Bann gebrochen. Die Bulimie wurde so benannt, das war das Wichtigste. Die Adresse der Fachambulanz für Essstörungen habe ich dann einfach im Branchenführer gefunden".

"Ich begann mit Essanfällen und weil ich Angst hatte, zuzunehmen, habe ich danach tagelang kaum was gegessen. Das Hungern ersetzte ich später durch Erbrechen. Schließlich hatte ich täglich fünf Essanfälle und erbrach mich danach, ich hatte einfach keine Kontrolle mehr. Meine Gedanken drehten sich den ganzen Tag nur noch um Fressen, Kotzen, Verheimlichen, Einkaufen. Meine Arbeit machte ich mechanisch nebenher. Dass das eine Essstörung ist, wurde mir klar, als ich es nicht mehr geschafft habe, mit den Essanfällen und dem Erbrechen aufzuhören. Aber erst, als die Probleme über mir zusammen schwappten, entschloss ich mich, Hilfe zu suchen. Ich hatte mittlerweile Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken, meine finanzielle Lage war äußerst angespannt und ich hatte Schwierigkeiten mit der Speiseröhre und mit meinen Zähnen".



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