Was ist eigentlich Glücksspielsucht?

Wenn aus Spiel Ernst wird

Glücksspielsucht ist mehr als gelegentliches Spielen an Automaten oder in Casinos. Als eine anerkannte eigenständige Krankheit zählt die Glücksspielsucht zu den „Verhaltenssüchten“. Sie ist nicht gebunden an bestimmte Stoffe wie Alkohol, kontrolliert aber das Verhalten des Betroffenen. Die Sucht nimmt, wie bei anderen Süchten auch, einen bestimmenden Platz im Leben eines Betroffenen und vor allen auch in dessen sozialen Umfeld ein. Nicht selten zerstört das süchtige Verhalten Beziehungen, sei es auf privater oder aber auch beruflicher Ebene.

Bin ich glücksspielsüchtig? Teste dich selbst:

Stellen Sie sich die Frage, ob Sie oder ein Ihnen nahestehender Mensch glücksspielsüchtig ist? Oder haben Sie den Verdacht, dass Sie selbst keine Kontrolle mehr über Ihr Glücksspielverhalten haben? Online-Tests ersetzen keine Beratung. Es gibt jedoch Kriterien, die nach dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-IV) auf die Diagnose Pathologische, also krankhafte, Spielsucht hinweisen. Wenn Sie fünf oder mehr der folgenden Fragen mit ja beantworten, sollten Sie sich unbedingt Hilfe und Beratung holen:
  • Ich beschäftige mich gedanklich ständig mit dem Glücksspiel.
  • Ich steigere meine Einsätze, um die gewünschte Erregung zu spüren.
  • Ich versuche immer wieder erfolglos, das Spiel zu kontrollieren oder aufzuhören.
  • Der Versuch, aus dem Glücksspiel auszusteigen, macht mich unruhig und gereizt.
  • Ich spiele, um mich von meinen Problemen und meiner negativen Stimmung abzulenken.
  • Ich spiele auch nach Geldverlusten weiter.
  • Ich belüge andere Menschen, um meine Spielproblematik zu verheimlichen.
  • Ich handle illegal, um mein Spielen weiterhin finanzieren zu können.
  • Ich gefährde oder verliere aufgrund des Spielens wichtige Beziehungen, den Arbeitsplatz oder verbaue mir meine Zukunftschancen.
  • Ich hoffe, dass andere Personen mir Geld zur Verfügung stellen.

Was tun gegen Glücksspielsucht?

Egal, ob Sie selbst betroffen sind oder ob Sie Angehöriger oder Freund eines Glücksspielsüchtigen sind: Ohne professionelle Hilfe wird es schwer, aus der Sucht herauszufinden. Voraussetzung zur Behandlung ist die Einsicht des Betroffenen, unter einer Sucht zu leiden. Eine Therapie, sei sie stationär oder ambulant, ist ein langer Prozess, auf den die Beteiligten sich einlassen müssen, wenn er erfolgsversprechend sein soll.
Tipps, zum Umgang mit akutem und hohem Suchtdruck finden Sie in einer Broschüre der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen:

Tipps für Angehörige Glücksspielsüchtiger:

Als Angehöriger oder Partner von Glücksspielsüchtigen ist Ihr Leidensdruck oft ähnlich hoch, wie der des Betroffenen. Bei aller Solidarität Ihrem Partner oder Familienmitglied gegenüber sollten Sie Ihre eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. Mit finanzieller Unterstützung des Betroffenen verlängern Sie die Suchtproblematik, statt ihm aus der Notlage zu helfen. Benennen Sie das Problem möglichst frühzeitig und ziehen Sie für sich Konsequenzen, bevor die Sucht des Partners auch Ihr Leben beeinträchtigt. Lassen Sie sich helfen: Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Selbsthilfegruppen und (Schuldner)-Beratungsstellen, stehen Ihnen zur Seite und lassen Sie nicht alleine. Auf unseren Seiten finden Sie Beratungsstellen zur Suchtproblematik in Ihrer Nähe.

Was passiert in einer Beratung zur Glücksspielsucht?

Bei einer Beratung klären wir zunächst die persönliche Situation um dann gemeinsam sinnvolle Maßnahmen zu planen. Je nach Suchtgeschichte und den individuellen Umständen greifen verschiedene Maßnahmen ineinander. Die können sowohl therapeutisch sein, als auch in Form einer Rechts- oder Schuldnerberatung.

Ist Glücksspielsucht heilbar?

Diese Frage lässt sich aufgrund fehlender Langzeitstudienergebnisse nicht eindeutig beantworten. Generell muss den Beteiligten aber wie bei jeder Sucht klar sein, dass ein Rückfall immer möglich ist. Deshalb wird in der Behandlung unter anderem Wert darauf gelegt, den Auslöser der Sucht in den Fokus zu nehmen und diesen zu behandeln. Oftmals begleiten weitere Erkrankungen wie Depressionen mit Suizidgedanken, Angststörungen und Alkoholismus die Glücksspielsucht. Die Behandlung der Glücksspielsucht ist also sehr komplex. Sie berührt viele Bereiche des Lebens und des Lebensumfelds.

Wo und wie finde ich Hilfe in Sachen Glücksspielsucht?

Glücksspielsucht ist, wie die Statistik belegt, ein weit verbreitetes Thema. Dementsprechend gibt es eine Reihe an Beratungsstellen unterschiedlicher Träger. Unsere Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Postleitzahlensuche.
Die Beratung ist kostenfrei und auf Wunsch zumindest am Anfang anonym.
 
Muttersprachliche Infos zum Thema Sucht in Französisch, Englisch, Kroatisch, Spanisch, Türkisch Italienisch, Russisch, Polnisch und Arabisch erhalten Sie auf der Seite unseres Dachverbands, des Deutschen Caritasverbands:

Wie verläuft eine Glücksspielsucht?

Die klassische Glücksspielsucht verläuft in der Regel über mehrere Jahre in drei Phasen, in denen sich der Spieler vom Gelegenheitsspieler zum Problemspieler entwickelt und schließlich zum Verzweiflungsspieler wird.
Empfindet der Spieler in der ersten Phase noch enorme Kicks beim Gewinnen des Spiels, braucht er als Problemspieler bereits immer stärkere Anreize zur Befriedigung seines Suchtverhaltens. Er beginnt sich und seinen Selbstwert immer stärker über Gewinn und Verlust des Spiels zu definieren, wobei er glaubt, das Spiel beeinflussen zu können. In der Phase des Verzweiflungsspielers hat der Spieler bereits so viel Geld verspielt, dass er als einzige Lösung seines Problems einen riesigen Gewinn sieht. In der Regel sind soziale Kontakte und Arbeitsverhältnisse zerstört. Der Spieler reagiert mit psychischen und physischen Symptomen und fortgeschrittenem Realitätsverlust.

Wer wird glücksspielsüchtig?

In Deutschland leben geschätzt 180.000 Menschen mit der Diagnose Pathogene Glücksspielsucht. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch um einiges höher. Mit 90% ist der überwiegende Anteil der Betroffenen männlich. Untersuchungen haben ergeben, dass es eine Veranlagung zur Glücksspielsucht gibt. So besteht etwa die erhöhte Wahrscheinlichkeit süchtig zu werden, wenn bereits ein Elternteil betroffen ist. Einen stärkeren Einfluss hat jedoch ein von Kind an schwaches Selbstwert- oder Minderwertigkeitsgefühl. Auf der Suche nach Bestätigung flieht der Betroffene wann immer es ihm möglich ist aus der Realität ins erfolgsversprechende Spiel.
Ein weiterer Faktor der Suchtentwicklung ist die Veränderung des sogenannten mesolimbischen Systems im Gehirn, das für die Ausschüttung von Glückshormonen, wie Dopamin, zuständig ist. Bei dauerhaftem Spielen nimmt die Dopaminausschüttung ab. Es braucht immer stärkere Reize, um ein Glücksgefühl hervorzurufen. Andere dopaminausschüttende Reize, wie zum Beispiel Essen, Lachen oder Sex, sind nicht mehr stark genug. Sie verlieren an Bedeutung und tragen zur sozialen Isolierung bei.

Gibt es weiterführende externe Informationen zum Thema?

Wo finde ich Beratungsstellen zum Thema Glücksspielsucht in meiner Nähe?