Fakten zum Thema Wohnungsnot in München und Oberbayern

Webbanner Jeder Mensch braucht ein Zuhause
Motiv: Caritas Deutschland
In Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen heißt es: „Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztlicher Betreuung … “

In Artikel 106 (1) der Bayerischen Verfassung heißt es: „Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung.“ Bezahlbares Wohnen ist also einMenschenrecht und verfassungsrechtlich geschützt.

Dennoch ist Wohnungsnot zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die  gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial birgt. „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ – das fordert der Deutsche Caritasverband plakativ und dem schließen wir uns uneingeschränkt an. 

Wo, wenn nicht in der Stadt mit den teuersten Wohnungspreisen und den höchsten Mieten wäre es passender, auf die Wohnungsnot und den eklatanten Mangel an bezahlbarem Wohnraum hinzuweisen. Wir als Caritasverband für München und Oberbayern wollen im Vorfeld der Landtagswahl Verbündete gewinnen, Ursachen benennen, Lösungsvorschläge unterbreiten und auch Forderungen an die Politik stellen.
Die Probleme

Die Mieten legen in München und Umgebung einen Preisgalopp hin, der es in sich hat. Mit 17,57 Euro pro Quadratmeterist die Landeshauptstadt einsamer Spitzenreiter bei den Mietpreisen für Neubauwohnungen in Deutschland. Kostete eine 30-Quadratmeter-Wohnung 2011 in München noch rund 460 Euro, sind es heute schon 730 Euro. Die Mieten entkoppeln sich zunehmend von der Einkommensentwicklung. Ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.

Damit wird Wohnen für eine immer größere Gruppe von Menschen unerschwinglich und zum Armutsrisiko. Die Wohnungsnot in München und Oberbayern trifft nicht mehr nur sozial Schwache und ihre Familien, Rentnerinnen und Rentner, Geringverdiener oder Alleinerziehende, auch wenn sie in besonderer Weise davon betroffen sind. Nein, die Wohnungsnot ist leider in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Familien, Fachkräfte, Studierende und Berufseinsteiger können sich das Leben in der Isarmetropole nicht mehr leisten. Ohne sie aber wird es nicht nur trostloser werden in dieser schönen Stadt. Wenn zunehmend die Größe des Geldbeutels bestimmt, wie sich Stadtteile zusammensetzen, führt dies zu einem Auseinanderdriften von Milieus und schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wenn immer mehr Menschen immer weniger bezahlbaren Wohnraum finden, trifft uns das auch als Arbeitgeber. Für den Diözesan-Caritasverband wird es zunehmend schwieriger, im Ballungsraum München Personal zu finden, das in der Nähe seines Arbeitsplatzes leben kann. Mit dem – wohl gemerkt tariflichen! – Gehalt einer Erzieherin oder einer Pflegefachkraft können diese sich eine Wohnung in München nicht mehr leisten. Schon gar nicht, wenn sie mit der Familie ein Dach über dem Kopf suchen.
Knapper Wohnraum und steigende Mieten greifen tief in das Leben der Menschen ein. Oft übersteigen die Kosten für eine angemessene Bleibe die 50- oder gar 60-Prozent-Marke des Haushaltseinkommens. Die Miete frisst den Lohn auf. Als erträgliche Grenze für die Mietbelastung gelten gerade mal 30 Prozent des Einkommens.

Ein paar plakative Zahlen aus München verdeutlichen das Problem:
Die Zahl der Obdachlosen hat sich in den letzten 10 Jahre verdreifacht. Knapp 9000 Menschen müssen in dieser reichen Stadt auf der Straße leben, darunter fast 2000 Kinder. Das sind alarmierende Zahlen.
Täglich kommen 1500 Menschen ins Wohnungsamt auf der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe. Aber jährlich können dort gerade mal 3000 Wohnungen vermittelt werden.

Eine Studie (Menschenrecht auf Wohnen, Institut Ipsos) im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes hat ergeben:
  
► In Deutschland fehlen 1 Million Wohnungen. Tendenz: stark steigend. 
► Bezahlbares Wohnen gehört neben Pflege, Kinderarmut und Alterssicherung zu den drängendsten politischen Themen.
► Vier von fünf Deutschen sehen in den hohen Wohnungskosten ein erhebliches Armutsrisiko (79 Prozent) 
► 77 Prozent der Befragten sehen demzufolge die Entwicklung von Kindern beeinträchtigt. Hohe Wohnkosten führen für drei Viertel der Befragten zu einer räumlichen Trennung von armen und reichen Menschen und begründen die Gefahr von Obdachlosigkeit.
► Damit ist bezahlbares Wohnen eines der großen sozial- und verteilungspolitischen Themen. Wohnen ist die soziale Frage in Deutschland und vor allem in unserem Wirkungskreis München und Oberbayern.
  
Die Ursachen

Die explodierenden Mieten ...

...        haben mit dem massiven Zuzug in die Ballungszentren zu tun.
...        haben mit dem zögerlichen Bau von staatlich mitfinanziertem bezahlbaren Wohnraum zu tun und dem gleichzeitigen Abbau von Sozialwohnungen. Denn es fallen erheblich mehr Sozialwohnungen aus der Sozialbindung als neu gebaut werden.
...       hängen auch mit der Begrenztheit des Bodens zusammen.