Adonis-Komplex: Betroffene kümmern sich stark um ihr Körperbild.
Adonis-Komplex: Betroffene kümmern sich stark um ihr Körperbild.
München, 01. November 2018.

Wenn Muskelaufbau und richtige Ernährung zur Qual werden

Männer treiben gerne Sport, reden aber ungern über Gesundheitsfragen. Damit sich das ändert, führten Andrologen der Universität Wien im Jahr 2000 den Weltmännertag ein. Dieser soll gesundheitliche Themen in den Fokus rücken. Beispielsweise das Thema Essstörungen, das bislang vor allem Frauen in den Mittelpunkt von Aufklärung, Psychotherapie und Beratung stellt. Dabei treten Essstörungen und verwandte Störungen wie Sport- und Muskelsucht, also Muskeldysmorphie, häufig auch bei sporttreibenden Jugendlichen und Männern auf, mit steigender Tendenz. „Diese Form ist fast schon eine Art männliches Gegenstück zur Magersucht“, sagt Caritas-Therapeut und Experte Dr. Christian Strobel. „Betroffene kümmern sich sehr stark um ihr Körperbild, geraten in eine Spirale aus Trainingsdruck, Diät sowie Selbstoptimierung und kommen ohne Hilfe oftmals schwer wieder heraus.“ So kann es sein, dass Betroffene trotz erster körperlicher Krankheiten weiter trainieren, was ein ernsthaftes und hohes Risiko für den Körper zur Folge hat. Deshalb hat der Caritas Therapieverbund Sucht durch seine Fachambulanz für Essstörungen eine Spezialberatung für Männer mit diesem Adonis-Komplex ins Leben gerufen, die von der „Aktion Mensch“ mitfinanziert wird.

Fachambulanz ist für Betroffene und Angehörige da
Ziel dieser Spezialberatung ist es, eine feste Anlaufstelle für Betroffene, deren Angehörige und Partner zu etablieren. Zusätzlich soll gezielte Aufklärungsarbeit und die Schulung von Mitarbeitern sowie Beratern gewährleistet werden. Das Thema der Muskeldysmorphie und der damit verbundene Leidensdruck der Betroffenen sind so brisant, weil die Krankheitseinsicht oftmals zu spät oder retrospektiv erfolgt. Die Caritas-Fachambulanz für Essstörungen ist auch dann die kompetente und oberbayernweit einzige Anlaufstelle beim Themenfeld Muskel- und Sportsucht, wenn zunächst nur vermutet wird, dass das Sporttreiben einer Person ungesunde Ausmaße angenommen hat. Erste Suchtindikatoren können beispielsweise sein, dass sich Betroffene sozial zurückziehen, Geburtstage, Familientreffen, Kinobesuche und Einladungen ausfallen lassen, weil sie trainieren wollen. „Die Betroffenen kommen in große Anspannung, wenn das Training ausbleibt“, erklärt Psychologe Strobel. „Auch der Missbrauch von Steroiden kann ein deutliches Anzeichen für Muskelsucht sein.“ Schon in diesen Fällen kann die Einschätzung und Beratung durch die Experten der Caritas-Fachambulanz für Essstörungen elementar sein.
 
Weitere Informationen zur Caritas-Fachambulanz für Essstörungen gibt es online unter www.caritas-essstoerungen-muenchen.de. (kpf/var)