Das Caritas-Buchcafe Etappe in Freising
München, 6. Dezember 2018.

Neue Perspektiven für Langzeitarbeitslose?

Der Diözesan-Caritasverband hat sich erneut für langzeitarbeitslose und armutsbedrohte oder in Armut lebende Menschen stark gemacht. Bei einer Gesprächsrunde im Beschäftigungsbetrieb „Buchcafe Etappe“ in Freising, Vimystraße 3, zum Thema „Arbeitsperspektiven heute und morgen“ forderten alle Teilnehmer mehr politische und gesellschaftliche Anstrengungen für Menschen, die seit über einem Jahr ohne Arbeit sind.




Ein Netzwerk für Teilhabe
„Bis zu 200.000 langzeitarbeitslose Menschen in Deutschland haben ohne Unterstützung keine Chance auf Aufnahme einer Beschäftigung. Deshalb sind wir gespannt, wie ein neues Förderinstrument des Bundes, das ab dem 1. Januar 2019 eine intensivere Betreuung, individuelles Coaching und mehr Lohnkostenzuschüsse vorsieht, in der Praxis greift“, erklärte  Spela Humljan Urh, Referentin für Arbeit in der Abteilung Spitzenverband und Fachqualität im Diözesan-Caritasverband. „Lange Zeit hat man sich im Jobcenter nur Gedanken gemacht, wie man die Kunden präsentieren kann, um sie wieder in Arbeit zu bringen. Jetzt nehmen wir die Arbeitgeber stärker in den Fokus, um die Übergänge von einem Beschäftigungsbetrieb auf den ersten Arbeitsmarkt gemeinsam besser zu gestalten“, berichtete Raphael Steinberger vom Jobcenter Freising. Arbeitgeber erhielten künftig Unterstützung bei der Betreuung der langzeitarbeitslosen Frauen und Männer, zum Beispiel in Form eines Coachings durch einen Bildungsträger. „Es geht immer um sinnvolle Einzelentscheidungen. Das Problem ist oftmals nicht diese Menschen in Arbeit zu bringen, sondern sie nachhaltig dort zu begleiten“, so Steinberger.

Erfolgsmodelle motivieren
Andrea Lachner, Caritas-Fachdienstleitung BIQ (Beschäftigung, Integration, Qualifizierung) in Freising, stellte eine Teilnehmerin vor, die es auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft hat. Die junge Frau arbeitet inzwischen als praktische Arbeitsanleiterin im Caritas-Gebrauchtwarenkaufhaus „Rentabel“. Demnächst wird sie dort auch eine Ausbildung zur Verkäuferin machen. „Unsere Beschäftigungsbetriebe – vom Buchcafe über die Kleidersortierung bis hin zur Reinigung der Container- oder Spielplätze –  sind ein Sprungbrett für alle, für Klienten und Mitarbeitende“, betonte Lachner. Martin Schopp, Leiter der Abteilung Diakonische Aufgaben im Erzbischöflichen Ordinariat, stellte den Erzbischöflichen Arbeitslosenhilfsfonds vor, der pro Jahr in rund 140 Einzelpersonen und zehn Projekte investiert. „Zum Beispiel, wenn kein Geld für den Erwerb eines Führerscheins vorhanden ist, dieser aber für eine Ausbildung oder Anstellung erforderlich ist“, erzählte Schopp.

Unterstützung für rund 600 Menschen
Nach Angaben der Agentur für Arbeit lebten im Oktober 2018 in München 17.684 Frauen und Männer, die bereits seit über einem Jahr ohne Arbeit sind. In ganz Bayern sind 50.000 langzeitarbeitslose Menschen gemeldet. Ursachen dafür sind oftmals komplexe Problemlagen wie Krankheit, Trennung, Scheidung oder psychische Erkrankungen. In den Caritas-Betrieben und den angeschlossenen Fachverbänden sind rund 600 Betroffene beschäftigt, die unter individueller Betreuung und Begleitung wieder an die Anforderungen des ersten Arbeitsmarkts herangeführt werden. „Etappe“ in Freising ist ein Buchcafé, in dem es zu einem ausgewogenen Mittagsmenü auch gebrauchte Bücher zu kaufen gibt. Im Gebrauchtwarenkaufhaus „Rentabel“, Kepserstr. 41, Freising-Lerchenfeld, können gut erhaltene Möbel, Elektrogeräte und Kleidung erworben werden. (mmr)
 
BU: Im Caritas-Buchcafe „Etappe“ kann man Bücher kaufen und sich in entspannter Atmosphäre zum Cafe oder günstigen Mittagessen treffen. Foto: Caritas München