Jeanne-Marie Sindani signiert ihr Buch "Gestrandet im Paradies"
München, 11. Dezember 2018.

Caritas gratuliert zum Friedensnobelpreis

Der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad haben gestern Abend, am Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, im Rathaus von Oslo den Friedensnobelpreis 2018 verliehen bekommen. „Mit Ihrem Engagement lassen Sie das Leid unendlich vieler Menschen sichtbar werden – Sie zeigen sie uns als Einzelpersonen mit ihrem individuellen Lebensweg, ihren individuellen Wünschen und auch ihrem individuellen Leid. Diese Einzelschicksale werden in unserer Gesellschaft häufig gar nicht gesehen. Die Traumata, die körperlichen und seelischen Verletzungen jedes Einzelnen der Menschen, für die Sie sich einsetzen, dürfen nicht unsichtbar bleiben. Nächstenliebe und Gerechtigkeit – unsere Grundwerte – werden daran erkennbar, wie wir uns für alle Menschen weltweit einsetzen“, erklärt Caritasdirektor Georg Falterbaum und gratuliert den beiden Preisträgern ganz herzlich.


Caritas Sozialberaterin kooperiert mit Mukwege

Auch Caritas-Sozialberaterin Jeanne-Marie Sindani aus dem Caritas-Zentrum Fürstenfeldbruck freut sich über die Entscheidung des Nobelkomitees: „Es gibt uns Hoffnung auf mehr Solidarität in der Weltgemeinschaft, dass eine der wichtigsten internationalen Instanzen das Wirken von Denis Mukwege anerkannt hat und die Tragödie im Kongo dadurch ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückt.“  Die 53-jährige Sozialpädagogin setzt sich als Präsidentin einer Exilorganisation von Kongolesen – teilweise gemeinsam mit Mukwege –  für unterdrückte Volksgruppen im Kongo ein. „Auch, wenn ich schon sehr lange in Deutschland lebe, kann ich die schweren Menschenrechtsverletzungen nicht einfach ignorieren und kämpfe auch weiter für gerechte und demokratische Strukturen in meinem Heimatland“, erklärt die gebürtige Kongolesin.


Buch berichtet über Schicksale von Flüchtlingen

In ihrem Buch „Gestrandet im Paradies“, das im Juli 2018 im Lambertus-Verlag erschienen ist, beschreibt sie Schicksale aus der Asylsozialberatung und analysiert die Ursachen, warum Menschen aus Afrika fliehen. „In diesen Kriegen und Bürgerkriegen werden Millionen von Menschen, vor allem Frauen, brutal vergewaltigt, verletzt oder getötet“, berichtet Sindani, die bis 2016 noch regelmäßig Drohanrufe erhielt, weil sie sich für ihre Heimat stark macht. „Ich lasse mich nicht einschüchtern“, so die couragierte 53-Jährige. Sindani sieht den Nobelpreis aber auch als Botschaft: „Wir müssen unser Konsumverhalten ändern“, sagt sie. Der unstillbare Hunger der Industrienationen nach Rohstoffen schüre den Konflikt im Kongo.


Friedenspreis für Kampf gegen Gewalt

Die beiden Menschenrechtler Mukwege und Murad erhalten die Auszeichnung für ihre Bemühungen, die Anwendung von sexueller Gewalt als Kriegswaffe zu beenden, wie das norwegische Nobelkomitee in Oslo erklärte. Beide hätten herausragend gegen diese Kriegsverbrechen gekämpft. Die jesidische Aktivistin und der kongolesische Gynäkologe werden geehrt „für ihre Anstrengungen, der sexuellen Gewalt als Kriegswaffe ein Ende zu bereiten," hieß es aus dem Nobelkomitee. (mmr)