Förderpreis für das Caritas NURmobil
München, 12. April 2019.

Förderpreis für Caritas-NURmobil

Die Projekte „Khetni – Sinti und Roma Mediation an Münchner Schulen“ und das „Junge Bündnis für Geflüchtete und Refugees@SUB“ sind Träger des Förderpreises Münchner Lichtblicke. Jetzt hat sich auch das NURmobil, ein Caritas-Angebot des psychologischen Dienstes im Erzbistum München und Freising, in die Liste der Ausgezeichneten eingereiht.

Preis ist mit 2500 Euro dotiert
Der Preis in der Kategorie „Projekte“, dotiert mit 2500 Euro, ist im Saal des Alten Rathauses überreicht worden. In der Begründung der Jury heißt es: „Das Mobil fährt zu Orten in der Erzdiözese München und Freising, auch im ländlichen Raum, wo es kaum andere fachkundige Unterstützung gibt. Ein dringend nötiges Angebot für traumatisierte geflüchtete Menschen, die sonst keine Möglichkeit haben, eine der vielen Zuwendungen zu erhalten. Besonders positiv fällt auf, dass mit dem Projekt das ehrenamtliche Engagement gefördert wird.“ Über die Auszeichnung freut sich nicht nur Projektleiterin Iulia Ilca, sondern auch Caritasvorständin Gabriele Stark-Angermeier: „Der Preis ist für uns als konfessioneller Träger eine hohe Auszeichnung und eine große Ehre. Durch den Preis wird die erfolgreiche Arbeit des NURmobils wahrgenommen, ausgezeichnet und die Arbeit für Migranten in den Fokus gerückt.“

Hilfe direkt vor Ort
Seit 2017 steuert das NURmobil Gemeinschaftsunterkünfte in ganz Bayern an, führt Workshops mit geflüchteten Menschen zu den Themen psychische Gesundheit und psychische Belastungen durch und bietet Unterstützungsmöglichkeiten. Die Arbeit der fünf hauptamtlichen Psycholog(inn)en, drei Honorarkräften, drei ehrenamtlichen Psycholog(inn)en und 15 ebenfalls ehrenamtlichen Psychotherapeut(inn)en ist einzigartig und wurde konzipiert, weil die Schutzsuchenden eher selten aus Eigeninitiative heraus Hilfe suchen, sondern von ihren Betreuern angemeldet werden. „Wir haben gemerkt, dass ein Teil der Geflüchteten nicht kommt, wenn wir auf sie im Büro warten“, berichtet Ilca, die seit 2015 im NURteam ist. „So kamen wir auf die Idee selbst direkt in die Unterkünfte zu fahren, um die Eigeninitiative vor Ort zu fördern und Gesprächsangebote in einem angenehmen Rahmen anzubieten. Je schneller wir Menschen erreichen können und ihnen helfen können ihr psychisches Leid zu bearbeiten, desto schneller können die Menschen ihre eigenen Stärken und Ressourcen reaktivieren. Damit wird der Weg in Richtung Integration und hoffentlich Inklusion geschmeidiger und wir gewinnen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die mit uns gemeinsam das gesellschaftliche Leben und die Zukunft gestalten können.“

Beratung und Begleitung
In den Gemeinschaftsunterkünften zeige das Team auf, wie sich Traumatisierte selbst helfen können und welche weiteren Angebote es zusätzlich zum NURmobil noch gibt. So entstehe ein positives Bild von Hilfesuche, obwohl es für viele ungewohnt sei, sich mit Problemen an Fremde zu wenden. Vielen sei auch gar nicht klar, dass sie an einer posttraumatischen Belastungsstörung litten. „Viele klagen über Schlaflosigkeit, Albträume, Kopfschmerzen, Ängste“, sagt Ilca. „Wir erklären in einfacher Sprache, was ein Psychologe macht, was ein Psychiater und warum Psychopharmaka helfen können. Auf diesem Weg erreichen wir jährlich rund 200 Menschen.“

Finanzierung für 2020 ungeklärt
Finanziert wird das Projekt bislang aus Mitteln des Erzbischöflichen Ordinariats und durch Fördermittel der Stadt. Wiltrud Wystrychowski, Leiterin des Psychologischen Dienstes für Ausländer, fürchtet aktuell um diese Förderung. „Für 2020 haben wir uns wieder um Förderungen beworben. Wir erhalten aber leider Signale, dass dieser Antrag nicht berücksichtigt werden wird.“

Preis für ein friedliches Miteinander
Seit dem Jahr 2000 vergeben die Landeshauptstadt München, die Lichterkette e.V. und der Migrationsbeirat München jährlich den Förderpreis „Münchner Lichtblicke“. Mit dem Preis werden Initiativen, Projekte und Einzelpersonen geehrt, die sich Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entgegenstellen und sich vorbildlich für ein friedliches Miteinander, Toleranz und kulturelle Vielfalt einsetzen. Der Fokus liegt dabei auf wenig bekannten Projekten, die kreative Lösungsansätze zeigen und die Partizipation von Migranten verwirklichen. (var)
 
Bildunterschrift: Freuen sich über die hohe Auszeichnung (v.l.n.r.): Harald Peter Bachmeier, Geschäftsführer der Caritas München, Caritasvorständin Gabriele Stark-Angermeier, Fachdienstleiterin für psychische Gesundheit Wiltrud Wystrychowski, NURmobil-Projektleiterin Iulia Ilca, Psychologe Nikolas Büechl und Gebietsleiter Willibald Strobel-Wintergerst.
 
Foto: Caritas München