Schuldnerberater helfen den Überblick über die Finanzen zu gewinnen.
München, 29. Mai 2019

Albtraum Miete und Chance für Neustart

Aktionswoche Schuldnerberatung zum Grundrecht auf Wohnen
Der „Albtraum Miete“ steht im Zentrum der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung vom 3. bis 7. Juni 2019 der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (www.aktionswoche-schuldnerberatung.de). „Mehr als ein Viertel der Ratsuchenden gibt mindestens 50 Prozent des Einkommens für Wohnkosten aus“, zitiert Sabine Schuster, Fachreferentin für Soziale Arbeit beim Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. den Überschuldungsreport 2019 des Instituts für Finanzdienstleistungen. „Für viele Verschuldete sind die hohen Mieten ein Albtraum“, sagt Schuster, die die 57 Schuldnerberater/innen der Caritas in Oberbayern fachlich berät.

Caritasdirektor: Sozialen Wohnungsbau stärken
Caritasdirektor Georg Falterbaum fordert, dass der soziale Wohnungsbau erheblich gestärkt werden muss, damit mehr bezahlbare Mietwohnungen geschaffen werden. „Die Wohnungsnot ist längst mitten in der Gesellschaft angekommen. Die verantwortlichen Politiker müssten dringend aktiv werden und den sozialen Wohnungsbau wieder ankurbeln“, verlangt der Diözesan-Caritasdirektor.

Chance zum Neustart
Schon der Zugang zum Wohnungsmarkt sei für Überschuldete schwierig, beklagt Sozialpädagogin Sabine Schuster. Das habe unter anderem mit der den Vermietern häufig vorzulegenden Schufa-Auskunft zu tun. Die Schufa sollte Überschuldete im Insolvenzverfahren nicht mit einer schlechteren ‚Benotung‘ abstrafen, da dieses Verfahren eine Form der Schuldenregulierung und somit nichts Negatives sei. Negativmerkmale sollten sich auf Miet- und ähnliche Schulden beschränken. Auch die Sozialleistungsträger seien gefordert, die Grenzen für die anerkennungsfähigen Kosten der Unterkunft wie Miet- und Heizkosten realistisch abzubilden und deren Übernahme möglichst unbürokratisch zu organisieren.

Betroffene unter Druck
„Betroffene sind häufig mit ihrer Situation überfordert und setzen falsche Schwerpunkte. Teilweise ist der Druck der Gläubiger so groß, dass Ratenzahlungen geleistet werden und für die Miete kein Geld mehr übrigbleibt“, erläutert Schuster. Geringverdienenden machen die steigenden Mieten zusätzlich zu schaffen, sagt Schuster. Sie müssten einen immer größer werdenden Anteil des Einkommens für die Unterkunft ausgeben. „Gerade für Bezieher von Grundsicherungsleistungen wird es immer schwieriger, weil die Jobcenter diese Kosten nur im Rahmen ihrer Vorgaben anerkennen. Das sind klassische Wege in die Überschuldung.“ Schuster wirbt um Verständnis für die Betroffenen: „Die Menschen, die zu uns in die Schuldner- und Insolvenzberatung kommen, brauchen eine Chance für den Neustart.“
 
Jahreskampagne "Jeder Mensch braucht ein Zuhause"
Das Grundrecht auf bezahlbaren Wohnraum stand schon im vergangenen Jahr bei der deutschlandweiten Caritas-Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ im Mittelpunkt. Informationen unter www.caritas-nah-am-naechsten.de (md).