Unser Diözesan-Caritasvorstand auf der Jahrespressekonferenz 2019 (v.l.n.r.): Thomas Schwarz, Georg Falterbaum und Gabriele Stark-Angermeier.
München, 17. Juli 2019.

Katholischer Wohlfahrtsverband öffnet sich

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. – mit 350 Einrichtungen, über 9000 Mitarbeitenden und 68.000 Klienten im Jahr der größte Wohlfahrtsverband in Oberbayern – positioniert sich mit innovativen Konzepten zur Digitalisierung, Kindertagesbetreuung und in der Altenpflege. „Sozial braucht digital und umgekehrt“, postulierte Caritasdirektor Georg Falterbaum heute auf der Jahrespressekonferenz 2019 im Alten- und Servicezentrum Isarvorstadt (ASZ)  in München. „Robotische Assistenzsysteme, digitale Pflegedokumentation oder der Hausnotruf sind Beispiele, wie Digitalisierung den Alltag in der sozialen Arbeit verändert und bereichert. Moderne Technologien sollen Pflegebedürftige unterstützen. Sie sollen Fachpersonal entlasten, nicht ersetzen. Und die Technologien müssen ethisch vertretbar sein.“ Bei der Verteilung der Gelder aus dem milliardenschweren Digitalpakt der Bundesregierung mit den Bundesländern werde viel über die allgemeinbildenden Schulen gesprochen. „Ich appelliere an die Politik: Vernachlässigt nicht die Schulen der beruflichen Bildung“, forderte Falterbaum in Bezug auf das digitale Klassenzimmer sowie Fortbildungen und Schulungen des Lehrpersonals an den Caritas-Schulen.

Caritas steht für Vielfalt
Der Sozialverband treibe die Digitalisierung in diversen Bereichen voran, stehe für eine tolerante, bunte, vielfältige Gesellschaft ein und öffne sich weiter für fachlich versierte Mitarbeitende unabhängig von deren Herkunft, Kultur, Religion oder Geschlecht. „Voraussetzung ist, dass sich unsere Mitarbeitenden mit den Zielen der Caritasarbeit identifizieren und dies in ihrem beruflichen Alltag auch leben“, betonte Falterbaum. „Wir leben Vielfalt. Vielfalt ist die DNA der Caritas, ein Schlüsselwort, das sich durch alle Bereiche zieht: Mitarbeiter, Klienten, Angebote, Herkunft, Lebensformen, spirituelle oder sexuelle Orientierung“, so Falterbaum weiter.

Wahlversprechen nicht gehalten
Für das vergangene Jahr zog der Diözesan-Caritasverband eine gemischte sozialpolitische Bilanz. „Wir sind enttäuscht, dass viele Versprechen, die im Vorfeld der bayerischen Landtagswahl gegeben wurden, dann leider nicht umgesetzt und gehalten wurden“, kritisierte der Caritasdirektor. Das Sonderinvestitionsprogramm, mit dem große, komplexe Einrichtungen der Behindertenhilfe in kleine, flexible Wohneinheiten umgewandelt werden sollen, sei erheblich zusammengestrichen worden und auch die Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes hinke in Bayern hinterher. Unverändert hoch seien Armut, Wohnungs- und Personalnot. „Sozialer Wohnungsbau ist für uns als sozialer Dienstleister eine unverzichtbare Forderung – für die Armutsarbeit, für die Wohnungslosen- und Eingliederungshilfe, für die Integrationsarbeit von Menschen mit Behinderungen und Migranten, für die ganze Stadtgesellschaft. Denn die kollabiert, wenn sie ihre wichtigen Funktionsträger wie U-Bahnfahrer und Altenpflegerinnen, Polizisten und Erzieherinnen, Handwerker und Sozialberaterinnen hinauskomplimentiert hat“, gab Falterbaum zu Bedenken.

Armut verfestigt sich
„An 22 Tischen und Tafeln versorgen wir ca. 1000 Anspruchsberechtigte mit Lebensmitteln. Ein Armutsfaktor wird immer mehr das Thema Wohnen. Nicht umsonst stand die bundesweite Aktionswoche zur Schuldnerberatung dieses Jahr unter dem Motto Albtraum Miete“, ergänzte Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier, die für Altenhilfe, Soziale Dienste und Personal zuständig ist.  Mit ca. 6.000 Klientinnen und Klienten pro Jahr bleibe die Zahl der Menschen, die zur Schuldnerberatung kommen, zwar gleichbleibend hoch. „Doch uns treibt die Sorge um, was passiert, wenn sich die Konjunktur weiter abkühlt und die Wohnproblematik zunimmt“, warnte Stark-Angermeier, die auch für die neue Ausrichtung in den 26 Altenheimen Verantwortung trägt. „Nicht nur in unseren Neubauten bieten wir zeitgemäße Formen der Altenhilfe an – von Betreutem Wohnen über Tages- und Kurzzeitpflege bis zur stationären Pflege. Leitfaden für unsere Angebote ist dabei immer die konsequente Bewohnerorientierung. Die individuellen Bedürfnisse unserer Bewohnerinnen und Bewohner stehen im Mittelpunkt.“

Ausgeglichenes Jahresergebnis
„Wir haben es auch im Geschäftsjahr 2018 geschafft mit einem Jahresüberschuss von rund 417.000 Euro bei einer Bilanzsumme von 438 Millionen Euro ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Da viele unserer Angebote nicht ausreichend oder teils gar nicht refinanziert sind, ist dies sehr beachtlich“, erklärte Thomas Schwarz, Vorstandsmitglied für Wirtschaft, Behindertenhilfe und Bildung. „Der höchste Posten in unserer Gewinn- und Verlustrechnung sind die Aufwendungen für Personal. Im Vergleich zu 2017 sind sie um 4,2 Prozent angestiegen, insbesondere durch die Personalzunahme um 149 Vollzeitstellen und die Tariflohnerhöhung um durchschnittlich rund 3 Prozent zum 1. Juni 2018.“ Die Caritas biete ihren Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen und eine tarifgerechte Bezahlung. Diese würden jedoch von den Kostenträgern nicht immer refinanziert. „Wir fordern eine angemessene Refinanzierung unserer Arbeit, denn die Kosten für die personelle Ausstattung von karitativen Einrichtungen und Dienste dürfen nicht zu Lasten ihrer Zielgruppen gehen“, moniert Schwarz und bedankt sich bei der Erzdiözese München und Freising für die Unterstützung in Höhe von rund 32 Millionen Euro im Jahr 2018. Zudem hätten Spenden, Erbschaften und Caritassammlungen von rund 13,3 Millionen Euro die Arbeit in Einrichtungen und Diensten unterstützt, die keine ausreichende öffentliche Förderung erhielten.

Generalistik: Verhandlungen gescheitert
Ausreichendes und qualifiziertes Personal sei der wichtigste Qualitätsfaktor für die Caritas-Angebote. Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, unterstütze die Caritas das Modell Optiprax, das eine Erzieherausbildung in verkürzter Zeit ermöglicht und auch die neue generalistische Pflegeausbildung. „Leider sind die Verhandlungen zur Ausgestaltung der Generalistik auf Landesebene zwischen Pflegekassen und Leistungserbringern gescheitert, sowohl für die Schulfinanzierung als auch für die Praxisausbildung“, bedauert Schwarz. „Die Schiedsverfahren laufen. Wir hoffen nun auf eine rasche Entscheidung.“ (mmr)