Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum
Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum
München, 30. Juli 2019

Ein Jahr Ankerzentrum: Gemischte Bilanz


„Einiges ist besser geworden, einiges ist schlecht geblieben, manches ist schlechter geworden“. Eine gemischte Bilanz zieht Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum ein Jahr nach der flächendeckenden Einrichtung der Ankerzentren in Bayern. Der Diözesan-Caritasverband (DiCV) berät und begleitet in der Ankereinrichtung Manching und deren Dependance in Fürstenfeldbruck (FFB) gut 1600 Flüchtlinge. „Wir plädieren für eine Unterbringung in kleineren und dezentralen Einrichtungen. Zudem fordern wir eine deutliche Senkung der tatsächlichen Aufenthaltsdauern in den Ankerzentren, insbesonders für Familien“, sagt Falterbaum.

Kritik bei Aufenthaltsdauer und Arbeitszugang  

Die Aufenthaltsdauer der Zuflucht Suchenden habe sich nicht wirklich verkürzt. Lediglich anerkannte Asylbewerber profitierten von der Bündelung der Behörden. Der überwiegende Teil der Flüchtlinge in Manching und Fürstenfeldbruck lebe dort länger als ein Jahr. „In der ehemaligen Kaserne in Manching harren sogar rund 100 Menschen länger als zwei Jahre aus“, bemängelt Falterbaum.

Handlungsbedarf bei Kinderbetreuung
Auch bei der Beschulung und der Kinderbetreuung in Manching sieht der Caritasdirektor „noch viel Luft nach oben“. Der grundsätzliche Anspruch auf Kinderbetreuungsplätze werde durch die Kommunen nicht umgesetzt. Daher würden in Fürstenfeldbruck die Kinder von der Caritas betreut, jedoch reichten die Kapazitäten nur für 25 von rund 100 Kindern. „Erst seit Juli dieses Jahres finanziert die Regierung von Oberbayern zwei Drittel der hierfür entstehenden Kosten“, konstatiert Falterbaum.

Bonus für Integrationswillen
Dringenden Handlungsbedarf sieht er auch im Bereich der Sanitäreinrichtungen, der Finanzierung der Flüchtlings- und Migrationsberatung sowie beim Zugang zum Arbeitsmarkt. „Wir fordern eine Lockerung der Ausbildungs- und Arbeitsverbote, vor allem für Migranten, die sich kooperativ zeigen und integrationswillig sind.“

Verbesserungen in der gesundheitlichen Versorgung

Verbesserungen seien bei der gesundheitlichen Versorgung, der Einrichtung von Erst-orientierungskursen sowie bei der Umsetzung erster Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit der Bewohner/-innen in Manching zu erkennen. (mmr)
 
Foto: Klinger/Caritas München