Fahrscheine für Schülerinnen und Schüler sollten kostenlos sein.
Fahrscheine für Schülerinnen und Schüler sollten kostenlos sein.
München, 9. September 2019.

Caritas fordert kostenlose Fahrkarten

Nach den großen Sommerferien beginnt morgen in Bayern wieder die Schule. Caritas-Schulsozialarbeiter Wolfgang Goß berät und begleitet gemeinsam mit einer Kollegin rund 350 Schülerinnen und Schüler in der Mittelschule an der Implerstraße in München-Untersendling „92 Prozent unserer Kinder haben einen Migrationshintergrund, 22 Prozent davon sind oder waren Flüchtlinge", berichtet Goß. Die meisten Familien seien von Armut betroffen, bezögen Sozialleistungen oder arbeiteten in prekären Arbeitsverhältnissen. 

Benachteiligung der Mittelschüler und hoher bürokratischer Aufwand
„Daher beschäftigt es uns besonders, dass viele Schülerinnen und Schüler ihre Fahrkarten selbst bezahlen müssen. Vor allem diejenigen, die in einen anderen Sprengel umziehen und trotzdem auf unserer Schule bleiben möchten oder diejenigen, die weniger als drei Kilometer von der Schule entfernt wohnen“, erklärt Goß und fordert deshalb kostenlose Fahrkarten im Stadtgebiet für alle Schülerinnen und Schüler bis zum 18. oder zumindest bis zum 16. Lebensjahr. „Das ist ein Dauerthema an allen Mittelschulen, weil dort Sprengelpflicht herrscht, während die Gymnasiasten freie Schulwahl haben. Zum Teil haben wir schon Fahrkarten aus Spendentöpfen bezahlt, weil gerade Flüchtlingskinder, aber auch Neumigranten mehrfach innerhalb der Stadt umziehen müssen. Wer nach dem Umzug eine Schulfahrkarte bekommt, muss darauf bis zu drei Monate warten. Das kann doch keine Dauerlösung sein, dass man innerhalb der City so restriktiv mit der Fahrkarte zur Schule umgeht“, bemängelt der Sozialarbeiter und verweist auch auf den hohen bürokratischen Aufwand.

Präventive Unterstützung benachteiligter Kinder
Am Dienstag startet die Schule mit drei Schulklassen für Neumigranten, also Kinder, die kein Wort Deutsch sprechen. Sie lernen schnell. „Bis Weihnachten können wir uns in Deutsch unterhalten“, freut sich Goß über die Fortschritte der Mädchen und Buben aus beinahe allen Nationen und Ethnien. Am ersten Schultag bekommt jedes Kind ein Wörterbuch in seiner Muttersprache geschenkt. „Das ist nur dank großzügiger Spenden aus dem Caritas Kinder- und Jugendhilfefonds möglich, denn ein Wörterbuch eritreisch-deutsch kostet 130 Euro, eines in kroatisch-deutsch zum Beispiel nur zwölf Euro.“ Die Caritas-Schulsozialarbeit soll präventiv arbeiten und benachteiligte Kinder unterstützen. Die Türen stehen offen für Schüler, Lehrer und Eltern. Die Pädagogen hören zu, schlichten Streit, sprechen in den Pausen mit ihren Schützlingen, vermitteln psychologische Hilfen für traumatisierte Kinder oder machen Besuche in der Asylunterkunft oder zuhause, wenn es dort Probleme gibt.

Hilfe ohne Bewertung oder Beurteilung
„Wenn man weiß, wo und wie die Kinder leben, versteht man sie besser. Wer keinen Tisch hat und auch keinen Platz für einen Tisch, da müssen wir die Hausaufgabenfrage anders lösen. Die Schulsozialarbeit ist in einer anderen Rolle als die Lehrkräfte es sind. Wir müssen nicht bewerten und beurteilen. Das erleichtert unsere Arbeit.“ Finanziert wird die Schulsozialarbeit von der Stadt München, das Projekt „Jugendsozialarbeit an Schulen“ von der Regierung von Oberbayern und der Stadt und das Projekt Übergang Ganztagsklassen durch die EU. (mmr)