Caritas-Sozialarbeiter gehen im Bahnhofsviertel aktiv auf bettelnde Menschen zu.
Caritas-Sozialarbeiter gehen im Bahnhofsviertel aktiv auf bettelnde Menschen zu.
München, 11. September 2019.

Caritas-Streetworker im Bahnhofsviertel unterwegs

„Wir brauchen dringend eine bedarfsgerechte Unterbringung und Wohnräume für unsere Klientel“, erklärt Simone Slezak, Leiterin des Caritas-Fachbereichs Integration/Alveni, der Migranten berät und begleitet. Zwei Caritas-Sozialarbeiter des Angebots „Bildung statt Betteln“ sind zum Beispiel einmal die Woche im Bahnhofsviertel unterwegs und gehen aktiv auf bettelnde Menschen zu. „Dabei führen wir Gespräche mit den Menschen, informieren über bestehende Beratungsangebote und versuchen zu helfen“, sagt Slezak. 

Unterstützung und Beratung für Bettlerinnen und Bettler
67 bettelnde Frauen und Männer hätten die Caritas-Streetworker von Mai bis Juli 2019 kontaktiert, die meisten davon stammten aus Rumänien und gehörten zur Minderheit der Roma. „Viele von ihnen sind miteinander verwandt oder kennen sich aus dem Heimatort.“ Vereinzelt kämen die Menschen aber auch aus Bulgarien, der Slowakei oder Ungarn. 

Viele sind alt, krank, behindert oder ohne Ausbildung
„Unsere Mitarbeitenden erleben fast alle als freundlich und offen. Kaum jemand hat eine schulische Ausbildung, viele sind Analphabeten und haben keinerlei Arbeitserfahrung. Eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt ist hier genauso schwierig wie für behinderte, kranke oder ältere Bettlerinnen und Bettler“, berichtet Slezak. Die bettelnden Frauen pendelten oft zwischen München und der Heimat hin und her, weil sie noch Kinder zu versorgen hätten. Arbeitsfähige Männer fänden wesentlich leichter Zugang zu einer Beschäftigung, allerdings oftmals in prekären, unterbezahlten Arbeitsverhältnissen oder in Form von Schwarzarbeit. 

Für viele ist das Betteln die einzige Überlebenschance
„Wir können aus unserer Erfahrung nichts über sogenannte organisierte Bettlerbanden berichten. Keiner redet darüber.“ Die Frauen und Männer erzählten aber, dass das Betteln für sie die einzige Möglichkeit sei zu überleben und etwas Geld für die Familie in der Heimat zu beschaffen. Daher kämen sie für einige Wochen nach München zum Betteln und würden dann wieder verschwinden. Die meisten Bulgaren verfügten allerdings über eine Wohnadresse in München. „Einige Bettler haben sich bei uns darüber beschwert, dass München als Bettelstandort überfüllt und die Konkurrenz inzwischen zu groß sei“, so Slezak.

Sprechstunden der Caritas-Beratung auf Bulgarisch oder Rumänisch
Das Angebot „Bildung statt Betteln“ hält mehrmals pro Woche Sprechstunden in der Sonnenstraße 12 a und der Goethestraße 53 vor. 

Offene Sprechstunde im Infozentrum in der Sonnenstraße:
Nedialko Kalinov (bulgarisch)       Mo. 09.00 bis 13.00 Uhr
Ramona Sisu (rumänisch)             Di.   09.00 bis 12.00 Uhr


Sprechstunden mit Terminvereinbarung in der Goethestraße:
Nedialko Kalinov (bulgarisch)
Mi. 09.00 bis 17.00 Uhr
Do. 09.00 bis 17.00 Uhr

Ramona Sisu (rumänisch)      
Mo. 09.00 bis 16.30 Uhr 
Fr.   09.00 bis 16.30 Uhr


Dabei geht es meist um Fragen der medizinischen Versorgung, Unterbringung oder Arbeitsbeschaffung. Vielfach werden auch Sprach- und Integrationskurse vermittelt. (mmr)