Kommunalwahl 2020:Die Caritas lädt die Landtagskandidaten für Mühldorf zu einer Podiumsdiskussion ein.
München, 30. Januar 2020.

Der Soziale Landkreis Mühldorf

Die ARGE freie Wohlfahrt mit ihren Mitgliedern AWO, BRK, Caritas und Diakonie hatte sechs Landratskandidaten/-innen in den Haberkasten Mühldorf eingeladen, um sich bei einer Podiumsdiskussion über den „Sozialen Landkreis Mühldorf“ auszutauschen. Wie sehr dieses Thema die Leute bewegt, zeigte ein voll besetzter Haberkasten. Der Moderatorin des Abends, Bettina Bäumlisberger, Pressesprecherin des Caritas-Verbands München-Freising e.V., gelang es charmant und kurzweilig durch die Podiumsdiskussion mit den Themen bezahlbarer Wohnraum, Ehrenamt und Leben im Alter zu führen. Bei der ersten Frage von Caritas-Kreisgeschäftsführer Richard Stefke, „Wie verhelfen Sie einer alleinerziehenden Mutter zu bezahlbarem Wohnraum?“, waren sich die Kandidaten einig, dass der Handlungsspielraum eines Landrats sehr begrenzt sei und hier an größeren Stellschrauben gedreht werden müsse.
 
Viele Vorschläge für neuen Wohnraum
Ulli Maier von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) verwies auf die Gemeinden und Städte, die für diese Aufgaben zuständig sind. Die Kandidatin der Grünen, Cathrin Henke, erzählte, dass Sie diese Situation selbst schon erlebt habe und hier nur ihre eigenen Beziehungen spielen lassen könne. Dies sei allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein, das Thema gehöre künftig groß angegangen. Man müsse künftig bei den Wohnungs-baugenossenschaften ansetzen, hier herrsche dringend Nachholbedarf. Martin Wieser von der AfD schlug vor, sich nach mehr Fördermitteln von der Bayerischen Regierung umzuhören. Für Maximilian Heimerl von der CSU sei dies eins der dringlichsten Themen der Kommunalpolitik. Hier herrsche großer sozialer Sprengstoff, wenn sich ein junger Mensch oder ein Facharbeiter keine Wohnung mehr leisten könne.  Sein Drei-Punkte-Plan sehe vor, durch Nachverdichtung, private Anreize und den kommunalen Wohnungsbau neue Anreize für bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die SPD-Kandidatin Angelika Kölbl brachte als Idee Werkswohnungen ein, bei Gesprächen mit der Wirtschaft gelte es hier Potenzial abzufragen. Den Abschluss der ersten Fragerunde machte der FDP-Kandidat Peter Corticelli, der feststellen musste, dass auch er der jungen Mutter nicht zum restlosen Glück verhelfen könne, es vielmehr Aufgabe des künftigen Landrats sei, die strukturellen Probleme im Landkreis zu lösen. Über mehr Anreize für den privaten Wohnungsbau und die Wohnungsbaugenossenschaften gäbe es hier Möglichkeiten und Ansätze.
 
Mehr Wertschätzung für Ehrenamtliche
Das Thema Ehrenamt eröffnete Tanja Maier vom BRK mit der Frage: „Soziales Engagement geht nicht ohne Ehrenamt, welche Möglichkeiten sehen Sie, um das Ehrenamt zu stärken und zu begleiten?“. Cathrin Henke fände es wünschenswert, das Ehrenamt durch ein Hauptamt zu begleiten und hier das Subsidiaritätsprinzip anzuwenden. Außerdem müsse man das Ehrenamt in die Schulen bringen, da Kinder durch Vorbilder lernten. Peter Corticelli brachte die Idee eines Runden Tisches für das Ehrenamt ins Spiel, um eine Plattform zu schaffen, auf der ein Austausch untereinander möglich sei. Auch Ulli Maier möchte im Landratsamt eine Stelle ansiedeln, um mehr Hilfestellungen für Ehrenamtliche zu bieten. AfD-Mann Wieser beklagte die vielen Vorschriften und hofft auf eine Vereinfachung.
Sozialdemokratin Kölbl suchte nach Möglichkeiten, die Wertschätzung für das Ehrenamt zu erhöhen. Gleichzeitig wünsche sie sich mehr Anlaufstellen für Ehrenamtliche, um flächendeckend erfahrbar zu machen, welche Angebote es gebe. Zum Schluss verwies Maximilian Heimerl darauf, dass im Landkreis jeder Zweite im Ehrenamt tätig sei. Um die Fülle an Bürokratie einzudämmen, wünsche auch er sich einen Runden Tisch für Vereinsfeste im Landratsamt und vertrat hier das Motto, soviel Kontrolle wie nötig, aber so wenig wie möglich.
 
Ideen für ein gutes Leben im Alter
Die AWO- Kreisvorsitzende Klara Maria Seeberger verwies mit einem Augenzwinkern auf ihr eigenes fortschreitendes Alter und fragte nach Lösungsansätzen, um ein gutes Leben im Alter zu ermöglichen. Angelika Kölbl verwies auf die Dringlichkeit des Themas, da die Hälfte der Einwohner im Landkreis über 50 sei. Ein Öffentliches Personen Nahverkehr Konzept mit Barrierefreiheit halte sie für unumgänglich. Außerdem sei die Einrichtung eines Pflegestützpunktes bei der ARGE voranzutreiben. Auch Heimerl wünschte sich einen Stützpunkt, gleichzeitig sei es wichtig, die Senioren aktiv am Alltagsleben teilhaben zu lassen und die Mobilität aller Menschen aufrecht zu erhalten. Maier setzte hier neben dem ÖPNV auf die Möglichkeit, Mehrgenerationenhäuser zu fördern. Auch Henke setzte auf einen Pflegestützpunkt und das ÖPNV, möchte vor allem den Kontakt zwischen Jung und Alt fördern, um allen Menschen eine Aufgabe zu geben. Wieser kann sich im Bereich Leben im Alter ein mobiles Einsatzteam ähnlich dem Jugendamt gut vorstellen. Abschließend stellte Peter Corticelli fest, dass die Lebensqualität auch im Alter aufrechterhalten werden müsse. Punkte hierfür seien der ÖPNV, die Barrierefreiheit oder niederschwellige Angebote in der Pflege. Er stellte heraus, dass alles, was allen Leuten guttue, auch alten Leuten guttue und möchte hier Ehrenamt und Dorfgemeinschaften fördern, damit Alltagshilfen selbstverständlich würden.
 
Danke an alle, die Verantwortung übernehmen
Zum Schluss bedankte sich Stefan Rössler von der Diakonie bei allen Kandidatinnen und Kandidaten: „Danke, dass Sie sich engagieren und Verantwortung übernehmen.“ Die Zuhörer durften interessante Einblicke in die politischen Meinungen und Ziele der einzelnen Kandidaten erfahren und bei der Abschlussfrage von Moderatorin Bäumlisberger „Was ist für Sie die Freude der Woche?“, angelehnt an den Sonntagsstammtisch im BR, auch private Einblicke mit nach Hause nehmen. Martin Weiser freut sich über die ersten Krabbelversuche seines Enkels und Cathrin Henke über ein Kartenspiel mit den Enkeln. Peter Corticelli über den Abschluss eines 15-jährigens Projekts. Maximilian Heimerl war glücklich, dass er nach einige erfolglosen Versuchen doch noch 20 rote Rosen zum Hochzeitstag gefunden hat und Angelika Kölbl über ein selbst gekochtes Abendessen ihres Mannes. Auch Ulli Maier freute sich am meisten über ein Essen im Kreis seiner Familie.