Coronavirus: Erste Caritas-Pressekonferenz via Skype und Telefon.
München, 2. April 2020.

Caritas-Dienste sind systemrelevant!

Knapp zwei Wochen nach Beginn der Ausgangs-beschränkungen der Bayerischen Staatsregierung zieht der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. (DiCV) eine erste Bilanz. „30.000 Mitarbeitende in unserem Verband und den angeschlossenen Organisationen engagieren sich tagein tagaus in Altenheimen, in der ambulanten Pflege, der Behindertenhilfe und in der Sozialberatung, und halten unsere soziale Infrastruktur am Laufen. Unsere Leistungen sind systemrelevant und müssen ausreichend abgesichert und finanziert werden“, forderte Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum heute auf der ersten Pressekonferenz des DiCV via Skype und Telefon.

Mehr Schutz für Altenheim-Bewohner und Pflegepersonal gefordert 
„Wir sind trotz aller Beschränkungen, Betretungsverbote und Schließungen jeden Tag für die Menschen da, die auf unsere Hilfe angewiesen sind.“ An vorderster Front stünden die Beschäftigten, die sich in der stationären und ambulanten Pflege um die Corona-Risikogruppen kümmerten. „Hier brauchen wir dringend mehr Schutzausrüstung, Atemschutzmasken, Brillen, Anzüge und Desinfektionsmittel“, kritsierte Falterbaum das Verteilungssystem. „Offiziell hat die Bayerische Staatsregierung unsere Pflegeeinrichtungen mit den Krankenhäusern gleichgestellt, in der Praxis haben wir dennoch das Nachsehen.“ Umso wichtiger sei die gestrige Zusage von Ministerpräsident Söder, dass die Pflegeheime bei der Versorgung mit Schutzausrüstungen Priorität bekämen. Hoffentlich, so Falterbaum, werde diese Zusage sehr schnell umgesetzt. Des Weiteren verlangte er eine Priorität bei den Corona-Testungen für systemrelevante Mitarbeiter wie Pflegefach- und Hilfskräfte sowie hauswirtschaftliches Personal. Der knappen Personaldecke in den systemrelevanten Berufen könnte jetzt eine pragmatische, unbürokratische gesetzliche Ausnahmemöglichkeit zur Beschäftigung von Mitarbeitenden in Altersteilzeit, Rentnern oder Nicht-EU-Bürgern entgegenwirken.

Finanzierung der sozialen Arbeit muss gesichert sein 
Finanzvorstand Thomas Schwarz ergänzte: „In der Pflege kann es keine soziale Distanz geben.“ Was könne jetzt systemrelevanter sein, als das Caritas-Leitmotiv „Nah am Nächsten“? „Wir brauchen finanzielle Mittel, um unsere Mitarbeitenden in ihrem täglichen Kampf zu unterstützen. Grundsätzlich fordern wir eine einheitliche, verlässliche, möglichst vollständige Refinanzierung der Dienste und Einrichtungen sowie der durch die Corona-Krise verursachten Mehrkosten!“ Schwarz bedankte sich beim Bezirk Oberbayern, der „unbürokratische und schnelle Lösungen in der Eingliederungshilfe“ ermöglicht habe.

Lob und Kritik
Vom Freistaat Bayern forderte er, die Investitionskosten zu übernehmen, die über das Krankenhaus-Entlastungsgesetz nicht mehr gewährleistet seien. „Bei einer Vollauslastung unserer Häuser wäre das kein Problem. Aber im Falle von Aufnahmestopps - wie aktuell verfügt - könne zum Beispiel in den Altenheimen die Finanzlage schnell kippen.“ In der Kinder- und Jugendhilfe sowie in der Behindertenhilfe brauche man Zusagen, die über den 19. April hinausreichten. Und auch die Jugendwohnheime für Berufsschüler hätten kaum Planungssicherheit. Die Schulen blieben geschlossen, Personal- und Sachkosten in den Heimen liefen weiter. „Für unseren Fachverband IN VIA liegt der Einnahmeausfall bereits bei 150.000 Euro in drei Wochen“, mahnte Schwarz.

Enttäuschung und Sorge beim, Pflegepersonal
Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier, unter anderem zuständig für 26 Caritas-Altenheime, berichtete von der extrem belastenden Situation in den Pflegeeinrichtungen. „Nachdem keine Angehörigen und Ehrenamtlichen mehr kommen können, lastet alles auf den Mitarbeitenden. Alle sind enttäuscht und besorgt über den Mangel an Schutzausrüstung.“ Das Verteilungssystem sei vollkommen überlastet, ständig hieße es, man stehe auf der Warteliste, empörte sich Stark-Angermeier.
 
Ambulante Pflege bildet das Schlusslicht
„Wir brauchen die Schutzkleidung sofort und auch permanenten Nachschub. Die Verteilungsstruktur ist viel zu langsam und unorganisiert. Hier muss dringend eine klare Systematik erkennbar werden.“ Es sei untragbar, dass die ambulante Pflege das komplette Schlusslicht in der Versorgung mit Schutzmasken und Schutzkleidung bilde. „Wir zahlen inzwischen Wucherpreise für einfache Schutzmasken. Das ist ein Skandal, dass sich hier manche Menschen an der Not bereichern.“ Stark-Angermeier unterstrich auch noch einmal die Forderung nach mehr Testungen für Mitarbeitende und Altenheimbewohner. Das funktioniere in der Stadt München immerhin etwas besser als in den Landkreisen. (mmr)
 
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Foto: Caritas München.