Liebevolle Pflege im Caritas-Altenheim
München, 12. Mai 2020.

Pflege: Mehr Personal und mehr Geld gefordert

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. freut sich anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden über die breite Zustimmung und Wertschätzung der Pflegeberufe durch Öffentlichkeit und Politik, vor allem seit der Corona-Krise. Gleichzeitig fordert der Vorstandsvorsitzende des Verbands, Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum von der Politik „mehr Taten statt Lippenbekenntnisse“. „Wie wichtig und systemrelevant die pflegenden Berufe für unsere Gesellschaft sind, hat die Corona-Krise mehr als eindrücklich gezeigt“, erklärt Falterbaum mit Blick auf die außergewöhnlichen Einsatzzeiten aller Mitarbeitenden in Alten- und Pflegeheimen. „So wichtig einmalige Leistungen wie Pflege- und Verpflegungsbonus für die Anerkennung der Care-Arbeit in Zeiten der Pandemie ist, langfristig steigern nur bessere Arbeitsbedingungen die Attraktivität der Pflegeberufe“, betont Falterbaum. Dazu zähle mehr Personal in den Alten- und Pflegeheimen, auch in der Hauswirtschaft oder Sozialen Begleitung sowie ein höheres Gehaltsniveau für alle Mitarbeitenden in diesen Bereichen und Tariftreue.

Deutlich mehr Personalbedarf

Falterbaum erinnert daran, dass die Partner der bundesweiten Konzertierten Aktion Pflege beschlossen haben, die bis Ende Juni dieses Jahres abgeschlossene Entwicklung und Erprobung eines neuen Personalbemessungsinstruments umzusetzen. „Dann geht’s hoffentlich zügig an die Einführung einer neuen Berechnung der Personalschlüssel für die Altenheime“, mahnt Falterbaum und verweist auf ein aktuelles Gutachten des Gesundheitsökonomen Professor Heinz Rothgang von der Universität Bremen hin. Darin werde ein deutlich höherer Personalbedarf in Pflegeeinrichtungen gesehen, durchschnittlich ein Plus von 36 Prozent. „Wir als Caritas verweisen seit langem darauf, dass die Personalausstattung in der stationären und ambulanten Pflege zu niedrig und das Arbeitspensum zu verdichtet ist“, unterstreicht der Caritasdirektor. Pflegekräfte litten unter den Folgen der Arbeitsintensivierung. Schlechte Rahmenbedingungen seien nicht nur der Hauptgrund, aus dem Pflegeberuf auszusteigen, sie gefährdeten langfristig auch eine fachgerechte Pflege, so Falterbaum.

Ausbildung muss refinanziert werden
„Wir brauchen jetzt und auch nach der Pandemie qualifizierte Leute in der Pflege, die motiviert sind, die sich wertgeschätzt fühlen, die vernünftige Arbeitsbedingungen vorfinden und ein gutes Tarifgehalt, wie wir es jetzt schon zahlen“, bekräftigt der Vorstandschef des Caritasverbands München-Freising. Auch deshalb fordern wir, dass – analog zu den Kliniken – auch in der ambulanten und stationären Altenhilfe die generalistische Ausbildung voll refinanziert wird. „Es ist überhaupt nicht einzusehen, weshalb der Bund hier bei der Ausbildungsfinanzierung eine Zweiklassen-Gesellschaft eingeführt hat“, kritisiert Falterbaum.

Neuer Ansatz bei der Pflegeversicherung?

Mit Blick auf die ständig steigenden Kosten der Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen spricht sich Falterbaum für eine Pflegeversicherung im Sinne einer Teilkaskoversicherung aus. Gedeckelt werden sollte der Eigenanteil der Bewohner, nicht der Kostenanteil, den die Pflegeversicherung leistet. Nur so seien Altenheime auch künftig für die Menschen bezahlbar. (beb)