Schuldnerberatungen starten wieder mit persönlichen Gesprächen.
München, 19. Mai 2020

Corona-Krise: Caritas stärkt Familien

„Chancenlose Kinder? Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“ heißt der Titel der 21. bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung von Montag, 25. bis Freitag, 29. Mai 2020. „Überschuldung trifft nicht nur den Schuldner selbst, sondern gerade auch die Kinder spüren, wenn ihre Eltern finanzielle Schwierigkeiten haben. Häufig ist die Atmosphäre in den Familien deutlich belastet“, berichtet Sabine Schuster, Fachreferentin für Soziale Arbeit im Diözesan-Caritasverband. Dies gelte natürlich erst recht in der durch die Corona-Krise eh schon angespannten Zeit.
 
Caritas-Schuldnerberatung berät telefonisch und persönlich
„Auch in den vergangenen Wochen waren unsere Caritas-Schuldnerberatungen in München und Oberbayern gefragt, vor allem beim Thema Pfändungsschutz, denn nur wenige Gläubiger haben zuletzt auf Zwangsmaßnahmen verzichtet. Auch gab es wegen der psychischen Belastungen durch die Ausgangssperren und die wachsenden Zukunftssorgen einen hohen Gesprächsbedarf. Jetzt bereiten wir uns sogar auf einen Zuwachs an Anfragen vor, weil durch Kurzarbeitergeld oder Arbeitsplatzverlust besonders Familien in eine finanzielle Schieflage geraten sind“, erklärt Schuster, In der ersten Zeit der Corona-Pandemie hätten die Schuldnerberater/-innen vor allem telefonisch und online beraten. Seitdem die Beschränkungen gelockert wurden, starte man vereinzelt bereits wieder mit persönlichen Gesprächen.
 
Regelungen müssen transparent sein!                   
„21 Prozent aller Kinder in Deutschland (12,5 Prozent in Bayern) leben dauerhaft oder wiederkehrend in Armutslagen. Besonders betroffen sind dabei Kinder von alleinerziehenden Eltern sowie Kinder mit mehreren Geschwistern und Kinder erwerbsloser Eltern. Familienarmut ist damit oft auch Kinderarmut“, betont Schuster. Die Caritas fordere daher eine grundlegende Absicherung von Kindern. „Die Vielfalt an monetären Leistungen für Kinder und ihre Familien gleicht einem Dschungel, den selbst Experten/-innen nur schwer durchschauen. Viele Leistungen kommen nicht in ausreichendem Maß bei den Familien an, die diese besonders benötigen.“ Finanzielle Hilfen und Regelungen müssten transparent, nachvollziehbar und öffentlich bekannt sein. Es sei gerade in der aktuellen Situation mit den vielfältigen Einschränkungen wichtig, die Lebensumstände von Kindern und den verschuldeten Familien in den Blick zu nehmen. Kinder aus armutsbelasteten Familien dürften nicht chancenlos bleiben.

Finanzielle Bildung in Kitas und Schulen gefordert
Die Caritas-Fachreferentin verweist zudem auf die Wichtigkeit von präventiven Maßnahmen, wenn die Schulen wieder für alle offen sind. „In einer auf Konsum ausgerichteten Welt muss der Umgang mit Geld, Handy und Internet unbedingt erlernt werden. Finanzielle Allgemeinbildung muss bereits im Kindergarten beginnen und sich in Schule, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Jugendberufsagenturen und Familienbildung fortsetzen“, fordert Schuster von der Politik. Der Diözesan-Caritasverband bietet Schuldnerberatung an 26 Standorten in München und Oberbayern an. 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten im Jahr rund 6000 Klienten/-innen, davon etwa zehn Prozent Alleinerziehende und 22 Prozent Familien mit Kindern. (mmr)

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