Auch 2020 findet der Drogentotengedenktag am 21. Juli statt.
Auch 2020 findet der Drogentotengedenktag am 21. Juli statt.
München, 17. Juli 2020.

Zahl der Drogentoten steigt bundesweit erneut an

Seit dem vergangenen Drogentotengedenktag am 21. Juli 2019 sind 53 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums in der Landeshauptstadt München verstorben. Bundesweit stieg die Zahl der Drogentoten 2019 zum dritten Mal in Folge auf nun 1398. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um knapp zehn Prozent. „Hinter jedem Drogentoten steht ein Mensch mit seiner persönlichen Lebensgeschichte“, sagt Rüdiger Krause, Leiter der Caritas Fachambulanz für substitutionsgestützte Behandlung, anlässlich des diesjährigen Drogentotengedenktags. Es werde zwar coronabedingt keine Bühne oder Stände geben, aber Reden, die unter dem Motto „Gemeinsam – Überleben sichern und der Drogentoten gedenken“ stünden. Zentrales Element werde außerdem eine Skulptur sein. „Die wurde von Klientinnen und Klienten der Caritas Fachambulanz gefertigt. Für jeden verstorbenen Drogenabhängigen wird eine schwarze Schleife angebracht sein“, erklärt Krause und ergänzt: „Für den Therapieverbund Sucht spricht Leiterin Margot Wagenhäuser und Mitarbeitende unserer Fachambulanz werden während der gesamten Veranstaltung beraten und begleiten.“  

Zum 22. Drogentotengedenktag am 21. Juli 2020, von 11.00 bis 13.00 Uhr, auf dem Münchner Marienplatz laden wir Interessierte und Pressevertreter herzlich ein. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dieter Reiter. Zwei Tage später, am 23. Juli 2020, findet um 15.00 Uhr eine Gedenkfeier in St. Matthäus am Sendlinger Tor statt.

Corona verschärft die Situation
„Gerade während der Coronakrise zeigen sich die klassischen Probleme von Drogenkonsumenten verstärkt“, schildert Krause. „Speziell in München spielt die Wohnungsnot eine große Rolle. Für Betroffene ist es nahezu unmöglich, eine Wohnung zu finden. Deshalb sind sie häufig in Pensionen oder Notschlafstellen untergebracht und aufgrund der dort oft vorherrschenden Hygienebedingungen einem deutlich höheren Infektionsrisiko ausgesetzt.“ Durch die Ausgangsbeschränkungen stelle auch Einsamkeit für Klienten eine enorme Belastung dar. Oft sowieso schon stark isoliert, fielen zudem zeitweilig die niederschwelligen Angebote, wie Kontaktläden, weg. „Resultat war in vielen Fällen ein spürbarer Anstieg der psychosozialen Belastung sowie ein deutlich gesteigerter Gesprächs- und Betreuungsbedarf unserer Klientinnen und Klienten“, berichtet Krause. „Das zeigt, wie wichtig eine Aufrechterhaltung von Beratungsangeboten in Krisensituationen ist.“ 

Forderungen an die Landespolitik
„Für Drogenkonsumenten braucht es die Möglichkeit, bezahlbaren Wohnraum zu finden, um menschenwürdig leben zu können“, appelliert Margot Wagenhäuser an die Bayerische Staatsregierung. Auch so sei es möglich, der hohen Zahl Drogentoter entgegenzuwirken. Zusätzlich fordert Wagenhäuser neue fachliche Konzepte sowie den Ausbau und die Toleranz gegenüber dringlich notwendigen niedrigschwelligen, konsumakzeptierenden Angeboten. „Besonders in den ländlichen Regionen braucht es das flächendeckende Angebot der Substitutionsbehandlung. Außerdem könnten Drogenkonsumräume in Bayern Leben retten.“ Durch die direkte medizinische Betreuung und die Beaufsichtigung beim Konsum illegaler harter Drogen würden tödliche Überdosierungen reduziert werden und es könnten auch die Drogenkonsumenten erreicht werden, die bisher schwer in weiterführende Beratungs- oder Therapieangebote gebracht werden konnten. (rkr/var)