Thomas Schwarz, Georg Falterbaum und Gabriele Stark-Angermeier
Thomas Schwarz, Georg Falterbaum und Gabriele Stark-Angermeier
München, 24. Juli 2020.

Beherzt, schnell und flexibel für Menschen in Not agiert

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. – mit 350 Einrichtungen, über 9.500 Mitarbeitenden und knapp 70.000 Klienten im Jahr der größter Sozialverband in Oberbayern – hat in der Pandemie beherzt, flexibel, schnell und mutig für Menschen in Not gehandelt. Trotz Social Distancing, das ja das komplette Gegenteil des Caritas-Leitmotivs „Nah. Am Nächsten“ sei, „waren wir für die Menschen da“, betonte Diözesan-Caritasdirektor Georg Falterbaum heute auf der Jahrespressekonferenz 2020 in  München. „Die Caritas war und ist ein verlässlicher Partner für bedürftige, arme, kranke, einsame, alte oder geflüchtete Menschen“, so der Vorstandsvorsitzende des Verbands. „Auf neue Nöte haben wir beherzt, flexibel, schnell und mutig reagiert.“ Allerdings habe die Corona-Pandemie aufgrund zusätzlicher Ausgaben für Schutzausrüstung und Personal sowie Einnahmeausfälle durch Aufnahmestopps und Schließungen ein Loch in die Kasse gerissen. Die Kostenträger forderte er auf, Defizite auszugleichen: „Es kann ja nicht sein, dass wir das System aufrechterhalten und dann auf den daraus entstehenden Kosten sitzenbleiben.“ 

Caritas-Arbeit ist systemrelevant und Hausaufgaben für Politik
Wie durch ein Brennglas habe die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig und unersetzlich die Caritas-Arbeit für die Gesellschaft sei. „Berufe, die pflegen, erziehen, beraten oder pädagogisch arbeiten, haben einen Großteil der solidarischen Arbeit geleistet“, unterstrich Falterbaum. Sie alle seien „Arbeitnehmer mit Systemrelevanz“, so Falterbaum, der die Politik zu nachhaltigen Verbesserungen für die pflegenden und anderen sozialen Berufe aufforderte. Der Caritasdirektor vergab weitere Hausaufgaben für die Politik: „Die Ungleichheit in der Gesellschaft wurde durch die Krise vergrößert. Dies alles führt zu einer steigenden Nachfrage der Allgemeinen Sozialen Beratung (ASB). Wir fordern daher die Finanzierung der ASB durch die Kommunen – und langfristig, dass die Allgemeinen Sozialen Beratung im Sozialgesetzbuch verankert wird als Leistung, die finanziert werden muss.“ Auch die Bildungsungerechtigkeit müsse abgebaut werden, um den Digital-Gap zu schließen: „Familien, die Sozialhilfe beziehen, haben nicht die Mittel, um eine für Homeschooling adäquate Computerausstattung anzuschaffen. Der vom Bund geplante einmalige Zuschuss in Höhe von 150 Euro ist viel zu niedrig.“ 

Motivation aller Haupt- und Ehrenamtlichen ist hoch
Gabriele Stark-Angermeier, Vorstandsmitglied und verantwortlich für Altenhilfe, Soziale Dienste und Personal, hob die Wandlungsfähigkeit des Caritasverbands hervor. „Wir haben gezeigt, dass wir schnell und passgenau reagieren können.“ Zentral seien die Mitarbeitenden. „Sie sind hoch motiviert: von der Pflegefachhelferin über Sozialarbeiter und der Alltagsbegleiterin bis hin zur Erzieherin, Hausmeister und Köchin. Auch die vielen Ehrenamtlichen dürfen nicht vergessen werden. Alle haben dazu beigetragen, das System am Laufen zu halten. Und das gilt nicht nur in Corona-Zeiten!“

Rückblick und Ausblick auf Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien
Im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie Kinderbetreuung äußerte sie aufgrund sinkender Ankunftszahlen minderjähriger Geflüchteter: „Die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe wurden nicht mehr gebraucht und Unterkünfte zurückgegeben.“ Dafür sei der Caritasverband den neuen Bedarfen für Familien in der Landeshauptstadt nachgekommen: „Im Münchner Süden eröffnen wir ein Familienzentrum, für alle, die im Sozialraum mit Kindern leben. Hier findet Austausch, Beratung, Spiel, Gestaltung, Ausflüge statt.“ Außerdem habe die Caritas im Schuljahr 2019/2020 an der Ruth-Drexel-Schule mit dem Kooperativen Ganztag begonnen. Die Betreuung der Grundschülerinnen und -schüler ist ein Zukunftsmodell“, so Stark-Angermeier und forderte die Staatsregierung auf, „hier mehr Geld in die Hand zu nehmen“.

Auch für Senioren tut sich viel 
Der Verband selbst entwickele seine Altenhilfeangebote weiter. In Gauting sei im Frühjahr 2019 das Caritas-Altenheim Marienstift eingeweiht worden: „Es ist eine Kombination aus Betreutem Wohnen, solitärer Tagespflege, Kurzzeitpflege und stationärer Pflege. Es liegt mitten im Ort. Seniorinnen und Senioren können besser im Kontakt mit ihrem Umfeld und ihren Familien bleiben.“ Das war in Coronazeit ebenso ein Vorteil. Auch in Germering werde neu gebaut.
 
Zahlen sind wichtig, aber der Dienst am Menschen auch
Thomas Schwarz, Vorstandsmitglied für Wirtschaft, Behindertenhilfe und Bildung berichtet: „Wir haben es im Geschäftsjahr 2019 geschafft, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Der Jahresüberschuss beträgt rund 300.000 Euro, bei einer Bilanzsumme von knapp 438 Millionen Euro.“  Gleichzeitig räumte er ein: „Corona rüttelt auch den Caritasverband mächtig durch. Schon 2019 waren viele unserer Angebote nicht ausreichend oder teils gar nicht refinanziert.“ Der höchste Posten auf der Ausgabenseite seien die Personalaufwendungen: „Das ist auch gut so. Bei aller Digitalisierung dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Caritas-Arbeit Dienst am Menschen und gelebte Kirche ist.“

Unterstützer und Spenden 
Schwarz hebt besonders die Förderung durch die Erzdiözese München und Freising hervor, die die Aufgaben des Verbands mit rund 30 Millionen Euro unterstützt hat: „Für dieses deutschlandweit einmalige Engagement möchte ich mich herzlich bedanken.“ Zusätzlich hätten Spenden, Erbschaften und Sammlungen von rund 15,5 Millionen Euro die Arbeit in Einrichtungen und Diensten gefördert, die keine ausreichende öffentliche Refinanzierung erhielten. Für die Corona-Nothilfe seien bislang über 1,25 Millionen Euro eingegangen. „Wir sind dankbar über jeden einzelnen Euro und die unzähligen Sachspenden wie Tablets, Masken und Desinfektionsmitteln.“ Schwarz verlangte verlässliche Zusagen der Kostenträger und Zuschussgeber: „Wir müssen partnerschaftlich und gemeinsam Lösungen finden, die abnehmenden Ressourcen so zu verteilen, dass wir möglichst vielen Menschen die selbstbestimmte Teilhabe an unserer Gesellschaft ermöglichen.“ 

Forderung: Bessere Bedingungen für Freiwilligendienste 
Mit Blick auf die diesjährige Caritas-Jahreskampagne „Sei gut, Mensch!“, mit der die Caritas zeigen möchte, dass sich ehrenamtliches Engagement lohnt, forderte Falterbaum die Politik dazu auf, bessere Rahmenbedingungen für Ehrenamt und die Menschen, die soziale Verantwortung übernehmen, zu schaffen. „So sollte die Aufwandsentschädigung, die Hartz-IV-Empfänger für eine ehrenamtliche Tätigkeit erhalten, nicht als Erwerbseinnahme angerechnet werden. Bürgerschaftliches Engagement sollte auf die Rente angerechnet werden.“  Statt ständig neue Modelle und Varianten für Freiwilligendienste zu diskutieren, sollte besser der Ausbau und die Stärkung der bestehenden und bewährten Dienste wie das Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Bundesfreiwilligendienst vorangebracht werden: Und die Freiwilligendienste sollten einen Zugangsbonus in allen Studiengängen mit Numerus Clausus bewirken. (var)