Preisträgerinnen: N. Kupfer, A. Tillack, G. Niewel, J. Ott (1.R.v.l.), dahinter Vorstand, Laudatoren
Preisträgerinnen: N. Kupfer, A. Tillack, G. Niewel, J. Ott (1.R.v.l.), dahinter Vorstand, Laudatoren
München, 10.09.2020

Caritas Medienpreis für Journalisten mit „Sozialcourage“

Preise an BR, SZ, Radio Gong und mk online
57 Bewerbungen aus Print, Fernsehen, Radio und Online
 
München, 10. September 2020. Der Diözesan-Caritasverband hat 2020 zum sechsten Mal den „Münchner Sozialcourage Medienpreis“ verliehen, Corona-bedingt im kleinen Rahmen. Bei der Preisverleihung am 10. September würdigten Caritasdirektor Georg Falterbaum, Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier, Caritas-Vorstands-mitglied Thomas Schwarz und Caritaspräses Augustinus Bauer die Preisträger/-innen und überreichten die mit jeweils 1.000 Euro dotierten Auszeichnungen. Bettina Bäumlisberger, Pressesprecherin des Verbands, ermutigte in ihrem Impuls zu emphatischem Journalismus. In der von der Corona-Pandemie geprägten Zeit seien verlässliche Informationen gepaart mit Einfühlsamkeit und respektvoller Kritik gegenüber politischen Akteuren/-innen wesentlich.   
 
Kategorie Fernsehen an Anna Tillack, BR/arte für „Die Bettler aus der Walachei – Bedürftige oder organisierte Bande?“
Die Auszeichnung in der Kategorie Fernsehen ging an Anna Tillack für ihre Reportage „Die Bettler aus der Walachei – Bedürftige oder organisierte Bande?“ ausgestrahlt im Bayerischen Fernsehen vom 27. November 2019 und auf arte. „Anna Tillack macht etwas ganz wichtiges, was gute Journalistinnen und Journalisten auszeichnet. Sie schaut und fragt nach, wer sind die Bettlerinnen auf unseren Straßen? Woher kommen sie, was bringt sie in diese von uns als unwürdig empfundene Situation?“, erklärte Laudator Bernhard Remmers, journalistischer Direktor der katholischen Journalistenschule ifp. „Der spannende Film nimmt uns mit auf eine Reise nach Rumänien. Und wir als Zuschauer lernen die bettelnden Menschen und ihre Geschichten dort kennen. Ein ganz wichtiger Beitrag über die Lebensrealitäten in Europa, voller Traurigkeit und dennoch nicht ohne Hoffnung.“
 
Kategorie Print an Gianna Niewel, SZ, "Die Härte"
In der Kategorie Print wurde Gianna Niewel für ihre Reportage „Die Härte“ auf Seite Drei der Süddeutschen Zeitung vom 20./21 Juli 2019 ausgezeichnet. Der 89-jährige Münchner Rudolf Kluge soll nach 44 Jahren seine Wohnung wegen Eigenbedarfs räumen. Er klagt dagegen und gewinnt: Einen Tag vor seinem 90. Geburtstag entscheidet das Amtsgericht, dass er bleiben darf. „Gianna Niewel hat mit ihrem Beitrag „Die Härte“ das Schicksal eines Menschen beschrieben, das in diesem so schönen München längst auch eine Wirklichkeit ist. Sie verzichtet auf sozialpolitische Forderungen, auf Kritik an städtebaulichen Veränderungsprozessen; aber zwischen den Zeilen und in jeder Aussage des Protagonisten zeigt sich umso mehr, woran diese Stadt leidet. Es ist eine Seite 3, die informiert und betroffen macht, die ein Schicksal beschreibt und gleichsam für so viele betroffene Menschen steht“, kommentierte Laudator Pater Alfons Friedrich, Leiter der Don Bosco Medien GmbH, die Entscheidung.

Kategorie Online an Nina Kupfer, mk online, für "NUR-Mobil"
Mit einem Videogruß laudatierte Gertrud Rogg, Chefredakteurin der Sozialcourage, aus Freiburg den Online-Beitrag von Nina Kupfer „NUR-Mobil: Caritas hilft traumatisierten Flüchtlingen“ vom 19. November 2019. „Nina Kupfer gelingt es, an der Seite der Psychologin das Vertrauen der Flüchtlinge zu gewinnen und lässt sie selbst zu Wort kommen,“ begründete Rogg die Auszeichnung. Die Online-Reportage zeigt, welchen Schwierigkeiten geflüchtete Menschen beim Ankommen in Deutschland begegnen und wie ihnen mit flexiblen Hilfsmöglichkeiten wie dem NUR-Mobil der Caritas geholfen werden kann. „Die Kamera begleitet die Geflüchteten im Alltag und zeigt uns mit einfühlsamen Portraitaufnahmen, dass wir es hier mit sensiblen Individuen, ja, ganz einfach Menschen wie Du und ich zu tun haben, die gesehen werden möchten.“
 
Kategorie Hörfunk für Johannes Ott, Radio Gong 96.3, "Jobchance"
Über die Auszeichnung in der Kategorie Hörfunk freute sich Johannes Ott von Radio Gong 96.3. Er wurde für „Die Gong 96.3 Jobchance. Weil Handicap kein Handicap sein darf“ ausgezeichnet, der die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt unter die Lupe nimmt, einem Thema, das oft untergeht. Menschen mit Behinderung schildern eindrucksvoll ihre zahlreichen Versuche eine Stelle zu finden und erzählen von ihren Misserfolgen trotz guter Qualifizierung. „Die Aktion hat es geschafft, Arbeitgeber zu finden, die Menschen mit Handicaps beschäftigen“, würdigte Laudatorin Bettina Bäumlisberger die 96.3-Jobinitiative. „Kritische Berichterstattung gepaart mit sozialem Engagement ist anwaltschaftlicher Journalismus at its best“, lobte die Pressesprecherin des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising.
 
Motivation zu werteorientiertem Journalismus
„Mit unserem Medienpreis wollen wir zu einem qualitäts- und wertorientierten Journalismus über soziale Themen motivieren“, unterstreicht Caritasdirektor Georg Falterbaum. Der Begriff „Sozialcourage“ bezeichne in der Caritas das entschiedene Eintreten und oft auch mutige Engagement für Menschen am Rande der Gesellschaft. Er sei auch der Titel des bundesweiten Caritas-Magazins, in dem Berichte, Interviews und Reportagen zu sozialen und sozialpolitischen Themen zu lesen seien. Insgesamt wurden in diesem Jahr 57 Beiträge aus den Bereichen Print, Hörfunk, Fernsehen und Online beim Caritas-Sozialcourage-Medienpreis eingereicht.