Gabriele Stark-Angermeier und Doris Schneider.
Gabriele Stark-Angermeier und Doris Schneider.
München, 22. Oktober 2020.

Caritas gegen erneute Abriegelung der Altenheime

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. lehnt einen zweiten kompletten Lockdown wie im Frühjahr dieses Jahres für seine 27 Altenheime ab. Vorstandsmitglied Gabriele Stark-Angermeier: „Wir wollen auf keinen Fall, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner wieder wochenlang gar keinen Besuch mehr empfangen können.“ Stark-Angermeier, im Caritasverband zuständig für Altenhilfe, Soziale Dienste und Personal, kritisierte deshalb das rigorose Besuchsverbot des Landkreises für Altenheime im Berchtesgadener Land, das auch das Caritas-Haus St. Felicitas in Bischofswiesen trifft. „Wir haben seit März jede Menge Erfahrungen im Umgang mit dem Covid-19-Virus gesammelt und dazugelernt“, betont die Vorständin und verweist auf noch bessere Hygiene- und Schutzkonzepte sowie ausreichend qualitativ hochwertige Schutzausrüstung. Die Caritas-Spitzenfrau appelliert an die politisch Verantwortlichen, trotz zunehmender Corona-Zahlen bei den Beschränkungen sensibel abzuwägen zwischen dem Gesundheitsschutz für die vulnerablen Risikogruppen und deren Menschenwürde.

„Licht im Corona-Tunnel“
Auch die Geschäftsführerin Altenheime im Diözesan-Caritasverband Doris Schneider unterstreicht, wie wichtig es sei, auf die Lebensqualität für die Seniorinnen und Senioren zu achten. „Das hat hohe Priorität bei den Menschen mit Pflegebedarf. Die Altenheime sind ihr Zuhause. Sie sollten deshalb nicht wieder komplett abgeriegelt werden“, fordert Schneider. Es gehe darum, individuelle Angebote und Kontaktmöglichkeiten für die Bewohner zu gestalten, ohne den Schutz vor der Pandemie zu vernachlässigen. „Die Situation von heute ist keineswegs mit der im Frühjahr zu vergleichen“, erklärt Doris Schneider, „denn wir können mit unseren Erfahrungen nun viel besser mit der Pandemie umgehen.“ Eine Erfahrung sei, dass ein Ausbruch nicht „um jeden Preis“ vermieden werden kann. In dem Fall sei nichts wichtiger als besonders schnell zu reagieren und Wohnbereiche für eine befristete Zeit in Quarantäne zu nehmen. Ängste dürften aber nicht dazu führen, dass „wir vorsorglich alle älteren Menschen wegsperren und sie sozial isolieren“, formuliert die Caritas-Geschäftsführerin ihre Befürchtung. Vielmehr brauche es eine Perspektive, quasi ein „Licht im Corona-Tunnel“. Die Caritas-Altenheime halten deshalb an der bewährten „Konsequenten Bewohnerorientierung“ in der Pflege und Begleitung der Bewohner/-innen fest. Körperliches und psychisches Wohlbefinden, Zugehörigkeit und Anerkennung, persönlich wertvolle Aktivitäten sowie spirituelle Nähe und Verbundenheit trügen zum Gefühl eines sinnerfüllten und bedeutsamen Lebens bei, erläutert Doris Schneider die zentralen Aussagen des Konzepts.
 
Caritas scheut Konfrontation mit den Behörden nicht
Bei allen fachlichen Herausforderungen im Umgang mit Covid-19 „setzen wir uns immer auch mit den ethischen Fragestellungen auseinander“, bekräftigt Vorständin Gabriele Stark-Angermeier. „Wir prüfen und hinterfragen die Auswirkungen gesetzlicher Vorgaben auf die uns anvertrauten Menschen.“ Notfalls gehe die Caritas in die Konfrontation mit den Behörden, „vor allem, wenn wir Gefahr laufen, dass die Menschenwürde verletzt wird“, so Stark-Angermeier abschließend. (beb)
 
Ansprechpartnerin: Doris Schneider, Caritas-Geschäftsführerin Altenheime unter E-Mail:
gfaltenheime@caritasmuenchen.de