Die Bufdis von links: Jana Heim, Josefine Walter (2000ste), Johanna Uhrich
München, 23. Oktober 2020.

2000 engagierte Menschen im BFD

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. präsentierte bei einer digitalen Pressekonferenz am Donnerstag, 22. Oktober, die 2000. Unterstützerin im Bundesfreiwilligendienst (BFD). „BFD und FSJ (Freiwilliges Sozia-les Jahr) bieten jungen Menschen eine wertvolle Zeit der persönlichen und beruflichen Orien-tierung“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Diözesan-Caritasverbands Georg Falterbaum und verwies auf das große Spektrum an Einsatzmöglichkeiten bei der Caritas in München und ganz Oberbayern –  von den Kindertageseinrichtungen über die Arbeit mit alten Menschen oder Menschen mit Behinderung bis hin zu Beratungsleistungen.

Caritasdirektor Falterbaum fordert mehr Unterstützung von der Politik
„Wir bieten viele Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren. Eine davon ist der Bundesfreiwilli-gendienst, der in rund 100 von 350 Diensten und Einrichtungen der Caritas absolviert werden kann“, so Falterbaum. „Die Bufdis und die FSJler bringen viel Tatkraft, Motivation und fri-schen Wind in die Einrichtungen“, freute sich der Caritasdirektor. 2000 BFDler/-innen in zehn Jahren seien eine stattliche Zahl. Daher wünsche er sich von den politischen Vertretern/-innen mehr konkrete Unterstützung für bestehende Freiwilligendienste, wie zum Beispiel die kosten-freie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, eine Anrechnung auf den Numerus Clausus beim Studium oder eine Gleichbehandlung bei der Bezahlung. Wenig hilfreich hingegen seien die immer wieder ins Spiel gebrachten Alternativvorschläge der Politik für neue Freiwilligen- oder  Pflichtdienste.

Stärken und Talente werden intensiv gefördert
Die Dachauer Caritas-Kreisgeschäftsführerin Heidi Schaitl ergänzte: „Beim BFD schenken uns junge Menschen ihre Zeit. Viele Angebote könnten wir in diesem Umfang nicht anbieten, wenn wir diese Unterstützung nicht hätten.“ Der BFD bedeute eine Qualitätssteigerung für viele soziale Dienstleistungen. „Wir freuen uns deshalb, dass auch in diesem Jahr wieder so tolle junge Menschen bei uns ihren BFD begonnen haben und sind stolz darauf, mit Josefine Walter unsere 2000. BFD-Freiwillige im Caritasverband vorstellen zu können.“ Die 18-Jährige aus Dachau hat am 1. Oktober 2020 in der Asyl- und Migrationsberatung angefangen. „Ich wollte mich beruflich und persönlich neu orientieren, Selbstvertrauen gewinnen, Neues erle-ben und gleichzeitig etwas von dem Glück, das ich erfahren durfte, an andere weitergeben“, erzählt Walter, die Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis Dachau be-sucht und bei den Beratungsgesprächen dabei ist. Nachdem sie ein werteorientierter Mensch sei, passe die Caritas gut zu ihr. BFD-Anleiterin und Fachdienstleitung Asyl und Migration in Dachau, Irmgard Wirthmüller, betonte, wie wichtig der Schutz und die Fürsorge für die Frei-willigen seien: „Wir nehmen uns Zeit für das gegenseitige Kennenlernen und eine intensive Begleitung. Dabei entdecken wir individuelle Stärken, Talente, Fähigkeiten und Fertigkeiten und können die Freiwilligen dort einsetzen, wo sie sich wohl fühlen und gut gebraucht wer-den.“

Lebensorientierung und Begegnung mit Menschen
Auch Jana Heim (19) und Johanna Uhrich (18) engagieren sich im BFD bei der Caritas in Dachau: Jana Heim ist beim Treffpunkt 50 Plus eingesetzt und Johanna Uhrich in der sozial-psychiatrischen Tagesstätte ProBe. Uhrich lebt im Landkreis Fürstenfeldbruck und berichtete: „Ich wollte nicht direkt nach der Schule an die Uni, sondern etwas Praktisches machen, um zu sehen, ob ein Studium der Sozialen Arbeit überhaupt etwas für mich ist.“ Obwohl sie auch erst seit Anfang Oktober im Einsatz sei, sehe es so aus, als würde sie im sozialen Bereich bleiben. „Ich bin beim Arbeitstraining Kochen bereits gut involviert und auch bei den Gruppen-angeboten. Wir spielen und basteln mit den Klienten/-innen und gehen miteinander spazieren.“ Besonders schön fände sie es, dass der Hauptfokus nicht bei der Büroarbeit, sondern der Begegnung mit Menschen liege. Jana Heim aus Markt Indersdorf hat sich bewusst für die Arbeit mit älteren Menschen entschieden: „Ich organisiere Veranstaltungen und Kurse wie Pilates, Yoga, Meditation, Englisch oder Französisch. Dabei habe ich schnell gemerkt, was ich besonders gerne mache. Es ist einfach schön Menschen zu helfen.“

Caritas begleitet professionell: Es gibt noch freie Stellen
Daniel Pojda, der sich als Bildungsreferent um die Freiwilligen bei der Caritas kümmert, legt großen Wert auf eine professionelle Begleitung: „Wir besuchen die Frauen und Männer an ihren Einsatzorten und sind Ansprechpartner für alle Beteiligten.“ Die Caritas biete vier Bil-dungsseminare mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. „Es geht zum Beispiel um einen regelmäßigen Austausch, Rechte und Pflichten, Berufsbildung, Partizipation, Teamarbeit, persönliche Entwicklung und vieles mehr.“ Derzeit seien im Verband noch neun Stellen im Bundesfreiwilligendienst unbesetzt. Bewerbungen bitte direkt bei den Einsatzstellen vor Ort: https://job.caritas-nah-am-naechsten.de/bfd-fuer-interessierte.

Jeder Zweite beginnt nach dem BFD eine soziale Ausbildung
Im Diözesan-Caritasverband (67) und seinen angeschlossenen Fachverbänden (71) sind der-zeit insgesamt 138 Menschen unter 27 Jahren im BFD-Dienst. Die Jüngste ist 15, der Älteste 26 Jahre alt. In der Gruppe 27+ arbeiten 25 Frauen und Männer im Bundesfreiwilligendienst. Die Jüngste ist 27, die Älteste 42 Jahre alt. Die Freiwilligen stammen aus 21 verschiedenen Nationen. Fast drei Viertel der Freiwilligen (70%) können sich vorstellen, in der Einrichtung weiter zu arbeiten, in der sie eingesetzt waren. Fast jeder zweite (45%) beginnt nach dem BFD eine Ausbildung im sozialen Bereich – als Heilerziehungspfleger/-in, in der Altenpflege oder einer Kita. Jeder Fünfte (19%) schreibt sich für ein Studium der Sozialen Arbeit ein. „In-sofern ist die Freiwilligenarbeit für uns auch immer eine große Chance für die Vielfältigkeit und die guten Entwicklungsmöglichkeiten in der sozialen Arbeit zu werben, aber natürlich auch für die sozialen Mangelberufe ( Erzieher/-innen, Pfleger/-innen) neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu interessieren und zu gewinnen“, fügte Caritasdirektor Falterbaum hinzu. (mmr)