Doris Schneider, Geschäftsführerin der 27 Caritas-Altenheime
Doris Schneider, Geschäftsführerin der 27 Caritas-Altenheime
München, 3. Dezember 2020

Caritas fordert Einsatz von MDK-Kräften in Altenheimen

Caritas fordert Einsatz von MDK-Kräften in Altenheimen
Doris Schneider: „Pflegepersonal wird in der Pflege gebraucht“

„Wir setzen in unseren Altenheimen gezielt Schnelltests ein, um ein Ansteckungsrisiko zu entdecken“, erklärt Caritas-Geschäftsführerin Doris Schneider. Es sei bisher eine ausreichende Anzahl der Antigen-Schnelltests vorhanden. Die Tests müssten von geschulten Pflegefachkräften durchgeführt werden. Fällt ein Test positiv aus, muss das Ergebnis mit einem PCR-Test bestätigt werden. Die Schulung der Fachkräfte übernehmen Ärzte.
 
Hohe Zusatzbelastung für Pflegekräfte
Die Tests seien grundsätzlich eine gute Hilfestellung, um Infektionsgeschehen zu erkennen, die Durchführung jedoch extrem arbeitsaufwändig. „Die Zusatzbelastung der Mitarbeitenden durch die Corona-Pandemie ist jetzt schon riesig“, betont Schneider. „Die Arbeitsbedingungen werden weiter erschwert, indem die Testungen auf die Einrichtungen abgewälzt werden“, beklagt die Chefin der 27 Caritas-Altenheime. Bei Corona-Ausbrüchen in Altenheimen verlangten Gesundheitsämter in Einzelfällen vor jedem Schichtbeginn Schnelltests von allen Mitarbeitenden. In einer Einrichtung mit 100 Bewohnern seien am Tag circa 60 Mitarbeitende im Einsatz. „Für jeden getesteten Mitarbeiter müssen wir eine Wartezeit von etwa 20 Minuten einplanen, bevor er seine Arbeit beginnen kann. Dazu kommen bei guter Organisation 10 Minuten pro Test für den, der den Test durchführt. Das heißt, es werden 30 Stunden Arbeitszeit für die Testungen verbraucht, die in der direkten Pflege und Versorgung der Bewohner abgehen“, rechnet Doris Schneider vor.

Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner steht an erster Stelle
In normalen Zeiten reiche die personelle Ausstattung in den Altenheimen kaum aus. „In Zeiten wie diesen sind wir an der absoluten Kapazitätsgrenze. Seit März wird den Einrichtungen ein enormer Zusatzaufwand aufgebürdet, der mit den Schnelltests nochmal verschärft wird“, moniert Schneider. Zwar gebe es für jeden durchgeführten Test eine Finanzierung auch für den Personalanteil, aber es fehlten zusätzliche Fachkräfte. „Damit wird die Verantwortung auf die Einrichtungsträger und Führungskräfte abgewälzt, die dieses unlösbare Thema bewältigen müssen“, resümiert die Altenheim-Geschäftsführerin. Neben der Eindämmung des Infektionsgeschehens müssten dringend die anspruchsvollen Qualitätsthemen in der stationären Altenpflege umgesetzt werden, sonst drohe an anderer Stelle Gefahr für die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner. Um Angehörige, die Bewohnerinnen und Bewohner besuchen wollen, zu testen, sei derzeit keine Personalkapazität vorhanden.
 
Caritas wünscht sich Unterstützung von Fachkräften des MDK
„Wir bräuchten in den Einrichtungen dringend personelle Unterstützung zum Beispiel von den ausgebildeten Pflegefachkräften der MDK“, fordert Schneider. Im Frühjahr seien Mitarbeiter/-innen des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) zum Testen in den Häusern gewesen. „Diese Unterstützung wünschen wir uns für diesen Corona-Winter auch!“