Qualitative Altenpflege braucht Zeit.
München, 8. Dezember 2020.

Altenheime brauchen dringend Unterstützung!

„Wenn die neu angekündigten Regelungen von Ministerpräsident Markus Söder wirklich eintreten, dann brauchen wir schnell professionelle Unterstützung in unseren Altenheimen“, fordert Caritas-Geschäftsführerin Doris Schneider, zuständig für 27 Altenheime in München und Oberbayern. Die Tests seien grundsätzlich eine gute Hilfestellung, um Infektionsgeschehen zu erkennen, die Durchführung sei jedoch äußerst arbeitsaufwändig. „Die zeitliche Zusatzbelastung der Mitarbeitenden durch die Corona-Pandemie ist jetzt schon riesig. Wie sollen unsere Mitarbeitenden gleichzeitig pflegen und Corona-Tests durchführen?“, gibt Schneider zu bedenken und betont, dass viele Pflegekräfte auch ohne Corona bereits am Limit arbeiten würden. „Bei allem Verständnis für die besondere Lage und die Sorge angesichts der steigenden Zahlen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Politik unsere Empfehlungen und unsere Hilfeschreie einfach nicht hören möchte“, so Schneider.

Keine Besuche bis mindestens Samstag
Leider seien die neuen Ankündigungen so kurzfristig erfolgt, dass die Caritas-Altenheime den Kraftakt bis morgen nicht organisieren könnten. „Von daher müssen wir – entgegen unserer Überzeugung – mindestens bis einschließlich Samstag die Besuchsmöglichkeiten komplett aussetzen“, bedauert Schneider.
 
Die Tests sind personell nicht machbar!
Die Bayerische Staatsregierung hatte angekündigt: Wer künftig jemanden in einem Altenheim besuchen möchte, muss eine FFP2-Maske tragen und einen negativen Coronatest vorweisen können. „Wir befürworten natürlich alle Maßnahmen, die zur Sicherheit unserer Bewohnerinnen und Bewohner beitragen. Aber wir können nicht alle Vorgaben, wie Testungen aller Besucherinnen und Besucher, allein mit unserem Personal umsetzen“, befürchtet Schneider. „Wie wir alle wissen, ist die Personaldecke in Altenheimen eh schon sehr dünn.“ Die normale Sicherstellung der Qualität der Pflege, Versorgung und Begleitung der dem Träger anvertrauten Bewohnerinnen und Bewohner verlange schon unter normalen Bedingungen die volle Aufmerksamkeit. Schneider warnt: „Wir brauchen unsere volle Konzentration, um die Pflegequalität zu sichern und weiterzuentwickeln.“
 
Wo bleibt die Pflegequalität?
„Die Aspekte der Qualitätssicht werden derzeit völlig ausgeblendet – es geht nur noch um die Eindämmung des Infektionsgeschehens. Wer ist denn eigentlich Anwalt für die Qualitätsansprüche der Bewohner/-innen und deren Angehörigen?“, empört sich die Caritas-Geschäftsführerin. Bei allem Verständnis für Test-Strategien, Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen müssen wir auch das seelische Wohlergehen der uns anvertrauen Menschen im Blick behalten.“ Die meisten der betagten Frauen und Männer in den Heimen seien sehr fatalistisch eingestellt im Sinne von „an irgendetwas stirbt man immer“. Alle betonten einhellig, wie wichtig für sie Besuche seien. Schwierig gestalte sich die Situation für den hohen Anteil an Menschen mit demenzieller Erkrankung, die das Gesamtgeschehen nicht einsortieren und damit auch alle Maßnahmen wie Abstand, Masken, Einschränkung der Veranstaltungen und Besuche nicht nachvollziehen könnten. Die Angehörigen wiederum äußerten vielfach die Sorge, dass das Virus über ihre Besuche in die Heime getragen werden könnte. „Es ist schwer für alle Beteiligten. Wir müssen zusehen, dass wir höchstmögliche Sicherheit bei gleichbleibender Pflegequalität anbieten können und dazu brauchen wir unbedingt Unterstützung!“, appelliert Schneider an die Politik. (mmr)