Doris Schneider, Caritas-Geschäftsleiterin für 27 Altenheime in München und Oberbayern.
München, 11. Januar 2021.

Caritas-Geschäftsleiterin Altenheime fordert Perspektiven nach Impfungen

„Wir brauchen Akzeptanz und Perspektiven für unsere Arbeit in den Alten- und Pflegeheimen“, appelliert Doris Schneider, Caritas-Geschäftsleiterin für 27 Altenheime in München und Oberbayern. Die öffentliche Diskussion um die fehlende Impfbereitschaft der Pflegekräfte sei zum jetzigen Zeitpunkt fehl am Platz. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten seit zehn Monaten schier Unmögliches, um den Bewohnerinnen und Bewohnern in unseren Einrichtungen trotz Corona ein würdevolles Leben zu ermöglichen“, lobt die Caritas-Chefin. Und auch jetzt leisten sie wieder viele zusätzliche Arbeitsstunden, um die Impfungen in den Heimen zu organisieren. Selbst wenn es gut funktioniere, müssten in einem Caritas-Haus etwa 90 bis 100 Bestätigungen von den Angehörigen eingeholt werden, damit die Bewohner/-innen geimpft werden dürfen. Zudem müssten die Impfteams begleitet und jeder Geimpfte wegen möglicher Nebenwirkungen eine halbe Stunde überwacht werden. „Das stemmen die Mitarbeitenden wieder zusätzlich zu ihrer normalen Arbeit", betont Schneider. „Aber das Maß ist voll!“

Steigende Belastung nicht vertretbar 
Die jüngste Forderung der Patientenschützer, die Belegschaft täglich zu testen, weist Schneider entschieden zurück. Der zusätzliche Aufwand und auch die zusätzliche Belastung für die Mitarbeitenden durch die ständigen Abstriche seien nicht akzeptabel. Dafür zusätzlich in Aussicht gestelltes Personal sei in den Caritas-Einrichtungen noch nicht angekommen. Den Schwerpunkt auf die Impfung zu legen sei völlig richtig. Jedoch: „Das Gesundheitsministerium muss jetzt dringend eine Perspektive für diejenigen Einrichtungen schaffen, in denen bereits geimpft wurde“, fordert Schneider. Denn wenn sich die Vorgaben nicht änderten, müssten beispielsweise bereits geimpfte Bewohner/-innen mit einem Schnupfen weiterhin in Quarantäne. Auch die Einschränkungen bei den Kontakten und dem Besuchsrecht gelten weiter. „Die neuen Regelungen müssen spätestens in zwei Wochen vorliegen, wenn mit der zweiten Impfung eine Immunisierung vorliegt“, moniert Schneider. Die mögliche Übertragung von Infektionen durch geimpfte Personen müsste dabei bewertet werden.

Lockerungen für Geimpfte möglich? 
Diese müssten auch Erleichterungen für geimpftes Personal beinhalten. Dieses könnte etwa zum Impfen motiviert werden, wenn es keine FFP2-Masken mehr tragen und sich nicht mehr oder nicht mehr so häufig testen lassen müsste. „Auch Altenheim-Mitarbeitende sind Menschen und haben Bedürfnisse zum Beispiel nach Information und auch Ängste hinsichtlich des neuen Impfstoffs“, konstatiert Schneider. „Sie müssen immer nur funktionieren, respektieren wir es doch, wenn der eine oder die andere etwas Zeit für eine gute Entscheidung braucht“, appelliert die Caritas-Chefin. In Sachen Aufklärung herrsche Nachholbedarf. „Wir begrüßen dazu die Initiative des Bundesamts für Integration, auf ihrer Homepage Informationen zum Impfen in verschiedenen Sprachen bereitzustellen“, betont Doris Schneider. Das erleichtere denjenigen Beschäftigten, die noch unentschlossen seien, sich zu informieren. (md)