Das BRK bereitet das Impfen in den Caritas Altenheimen in Oberbayern vor.
Das BRK bereitet das Impfen in den Caritas Altenheimen in Oberbayern vor.
München, 4. Februar 2021.

Hohe Impfquote: Stufenplan und Perspektiven gefordert

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising fordert von der Bayerischen Staatsregierung eine langfristige Impfstrategie mit einem nachvollziehbaren Stufenplan für Altenheim-Bewohner/-innen nach den ersten Impfdurchgängen. „Für Altenheime, die eine hohe Impfquote haben, muss es dringend Erleichterungen bei der Umsetzung der laufenden Corona-Konzepte geben“, verlangt Gabriele Stark-Angermeier, Vorstandsmitglied und zuständig für Altenhilfe, Personal und Soziale Dienste. Dazu gehörten vor allem Lockerungen bei den Besuchsregeln für geimpfte Bewohner, erläutert Stark-Angermeier. „Die Menschen in den Altenheimen leben seit einem Jahr im Krisenmodus. Sie sind erschöpft und manches Mal auch verzweifelt und einsam. Deshalb brauchen sie dringend Hoffnung und eine Perspektive, die einen halbwegs normalen Alltag in Aussicht stellt, und zwar jetzt!“, unterstreicht die Caritas-Vorständin. Sie begrüßt in diesem Zusammenhang die heutigen Äußerungen des deutschen Ethikrats, der diese Linie ebenfalls befürworte.

Corona-Test verringern und Impf-Lösung für Genesene 
Eine Überprüfung aller Hygienevorgaben sei notwendig im Abgleich mit der Zunahme von geimpften Bewohnerinnen und Bewohnern, ergänzt Doris Schneider, Geschäftsleiterin der 27 Caritas-Altenheime in München und Oberbayern. Dazu gehöre auch eine Reduzierung der wöchentlich drei Corona-Tests bei den Mitarbeitenden auf ein passendes Maß. Die Testungen seien neben dem hohen Arbeitsaufwand für das Personal eine starke Belastung. „Natürlich muss dabei das Risiko der Mutationen und das Risiko von möglichen Übertragungen des Virus durch geimpfte Personen berücksichtigt werden“, so Schneider, die auf weitere Defizite in der Impfstrategie hinweist: „Bewohner und Mitarbeitende, die nachweislich mit Corona infiziert waren, werden bisher nicht geimpft“, stellt Schneider fest. Das stelle ein hohes Risiko dar, insbesondere angesichts der Gefahr von Mutationen. Darüber hinaus gebe es noch keinen Plan, wie neu einziehende Bewohnerinnen und Bewohner in den Impfschutz einbezogen werden. „Wenn hierfür nicht schnell eine Lösung entwickelt wird, sinkt die Quote der geimpften Bewohner/-innen kontinuierlich wieder ab“, warnt Doris Schneider.

Strukturänderung gefordert und Dank an die Caritas-Teams
Nicht hoch genug kann das Engagement und der Einsatz der Mitarbeitenden in allen Bereichen der Altenheime bei der Bewältigung der Pandemie und in der Sorge und Begleitung der Bewohner/-innen gelobt werden, betont Stark-Angermeier. Die Caritas-Vorständin sorgt sich um den personellen Nachwuchs in der Altenhilfe. „Die Corona-Pandemie hat die strukturellen Schwächen in der stationären Altenhilfe deutlich gemacht und gezeigt, dass es die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden müssen.“ Das gelte auch für die „leider viel zu oft vergessenen“ Arbeitsbereiche wie Hauswirtschaft, Soziale Begleitung, Haustechnik und Verwaltung. Auch hier seien die Anforderungen in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, ohne das es bessere Stellenschlüssel nach sich gezogen hätte, moniert Stark-Angermeier. „Wenn es nicht jetzt ein deutliches Signal für die Attraktivität in der Zukunft für die Arbeit in den Altenheimen gibt, wird es nicht gelingen, weiterhin Menschen für diese Arbeit zu gewinnen“, mahnt die Caritas-Vorständin. (beb)