Doris Schneider trägt das Corona-Gedenkbuch zum Altar.
München, 16.4.2021

„Kein Mensch soll vergessen sein“

Caritas behält auch in der Pandemie die Menschen im Blick
Gottesdienst in St. Michael im Gedenken an Corona-Tote in Altenheimen
 
München, 16. April 2021.  Der gestrige Gottesdienst „Kein Mensch soll vergessen sein“ in der Jesuitenkirche St. Michael in der Münchner Innenstadt stand im Zeichen des Gedenkens an die etwa 200 mit oder an Corona Verstorbenen in den 27 Caritas-Altenheimen in der Erzdiözese München und Freising. „Auch in der Pandemie versuchen wir in unseren Altenheimen immer die Menschen als Menschen im Blick zu behalten, damit nicht nur das Infektionsgeschehen im Mittelpunkt steht und wir vor lauter Angst das Leben abwürgen“, betont Doris Schneider, die Geschäftsleiterin der Caritas-Altenheime. Doris Schneider trug in dieser Freitagsmesse statt der Fürbitten das Gedenkbuch mit den Namen der Corona-Toten durch den Mittelgang zum Altar, begleitet von dem bekannten Trauer- und Trostlied „Zum Paradies mögen Engel dich geleiten“. Seit Ende Januar vollzieht jeden Freitag ein anderer dieses Ritual wie zum Beispiel Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Müllmänner aus dem Klinikum Großhadern oder die Katholikenratsvorsitzende und Mitinitiatorin Hiltrud Schönheit.
 
Auch in der Pandemie gibt es Zeichen der Hoffnung
Der Zelebrant Karl Kern gedachte auch der 304 Jugendlichen, die vor sieben Jahren bei einem Fährunglück in Südkorea ums Leben gekommen sind, und deren Eltern. „Ich wünsche uns allen, dass wir gerade da, wo uns die Trauer niederdrückt, an das Wunder der Verwandlung glauben.“ Die Dimension des Glaubens sei es, nicht an der Oberfläche hängen zu bleiben, sondern in die Tiefe zu gehen und dahinter zu blicken. „Auch in der Corona-Pandemie gibt es Zeichen der Hoffnung.“ So hätten die Caritas-Mitarbeitenden den Spagat gewagt sowohl die Anforderungen aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens als auch die Bedürfnisse der Bewohner und ihrer Angehörigen zu erfüllen. Pater Kern dankte allen Berufsgruppen dafür.
 
Kein Name darf verloren gehen
 „Wir hören in den Nachrichten von 300 Corona-Toten pro Tag, doch hinter jeder Zahl steckt ein Name, eine Geschichte und 10, 20 oder 50 Menschen, die um ihn trauern“, unterstreicht Jesuitenpater Andreas Batlogg.  Es helfe dem Trauernden, den Namen des Verstorbenen in das Corona-Gedenkbuch einzutragen und dadurch aus der Anonymität heraus zu holen. „Kein Name darf verloren gehen.“ Durch die gemeinsame Initiative der Jesuiten von St. Michael, der Glaubensorientierung der Erzdiözese München und Freising und des Katholikenrates der Region München ist die Innenstadtkirche St. Michael ein Ort des Gedenkens und der Trauer für Angehörige von Menschen, die Opfer der Corona-Pandemie geworden sind. Jeden Freitagabend um 18 Uhr wird im Gottesdienst dieser Toten gedacht. Die oft ohne Begleitung Verstorbenen sollen so ein sichtbares Gedächtnis in der Mitte der Kirche erhalten. Alle Menschen sind unabhängig von ihrer Religion oder Konfession zum Gedenken eingeladen.
 
In 27 Caritas-Altenheimen werden 3.000 Senioren/-innen betreut
Etwa 3.000 Seniorinnen und Senioren wohnen in den 27 Altenheimen des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising.  Jährlich sterben etwa ein Drittel der Bewohner/-innen. Im Jahr 2020 waren das 1.086 Bewohner/-innen, ein Jahr zuvor 1.038. In den 27 Caritas-Altenheimen sind etwa 2.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig.