Das digitale Pflegekonsil unterstützt im Altenheim St. Antonius den Kontakt zwischen Hausärzten, Patienten und Pflegenden.
München, 10. Mai 2021.

Caritas fordert umfassende Pflegereform

Zum Tag der Pflege am 12. Mai 2021 fordert der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising eine zügige und umfassende Reform der Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen, möglichst noch vor der Bundestagswahl. „Es ist gut und dringend geboten, dass die Bundesregierung noch in dieser Legislaturperiode die lange versprochene Pflegereform angeht. Diese wurde viel zu lange auf die lange Bank geschoben. Nur durch tariflich gebundene, angemessene Gehälter und bessere Rahmenbedingungen steigern wir die Attraktivität aller Berufe, die an der Versorgung und Begleitung pflegebedürftiger Menschen beteiligt sind“, betont Gabriele Stark-Angermeier, Vorstandsmitglied des Caritasverbands und zuständig für Altenhilfe, Soziale Dienste und Personal. Dazu gehörten neben den Pflege- und Pflegehilfskräften auch hauswirtschaftliche oder technische Mitarbeitende sowie Alltagsbegleiter/-innen.

Applaus alleine reicht nicht
Corona habe die Bedeutung der Pflegerinnen und Pfleger für die ganze Gesellschaft in den Fokus gerückt, denn sie garantierten heute und in Zukunft eine menschenwürdige und professionelle Care-Arbeit. Nun gelte es, den Applaus und die Sonderprämien in deutlich sichtbare und dauerhafte strukturelle Verbesserungen zu überführen – für Pflegekräfte, aber auch für die Arbeitnehmer/-innen in der Alltagsbegleitung, der Hauswirtschaft, der Sozialen Begleitung oder der Verwaltung. Ein besserer Stellenschlüssel in diesen Bereichen beispielsweise würde Pflegekräfte spürbar entlasten. „Den Worten müssen endlich Taten folgen“, verlangt Stark-Angermeier. „Dass eine Tarifbindung aller Arbeitgeber im Pflegebereich nun gesetzlich verankert werden soll, ist ein entscheidender Schritt. Hierbei ist aber wesentlich, dass nicht nur die Entlohnungsbestandteile nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz berücksichtigt werden, sondern die Entgelte umfassend in den Blick genommen werden.“ Darüber hinaus müsse die Pflegeversicherung und damit die Finanzierung der Pflege dringend weiterentwickelt und auf eine stabile Grundlage gestellt werden. Höhere Gehälter für Pflegekräfte dürften nicht über höhere Eigenanteile der pflegebedürftigen Menschen finanziert werden.

Innovative Wege in der Pflege
Neben dem Einsatz für strukturelle Verbesserungen in der Pflege geht der Caritasverband innovative Wege, um den Alltag der Pflegekräfte schon jetzt zu erleichtern. Um die psychologische Widerstandskraft der Pflegenden zu stärken, entwickelte der Geschäftsbereich Caritas-Zentren Oberbayern im Rahmen des bundesweiten Hackatons #wirvsvirus mit Ehrenamtlichen die Resilienz-App SingletonCare für die Mitarbeitenden in der ambulanten Pflege. Ausgehend von modernen Ansätzen der gamifizierten Lernbegleitung und Vermittlung integrieren die Nutzer/-innen spielerisch und praktisch ohne Extra-Aufwand kleine Aufgaben wie etwa Achtsamkeitsübungen in ihren Arbeitsalltag. Diese bleiben nachhaltig in Erinnerung, werden langfristig beibehalten und führen mit leichter Hand und Schritt für Schritt zum Aufbau von Resilienz.

Digitales Pilotprojekt in Caritas-Altenheim
Im Bereich der Altenheime sammelt der Caritasverband erste Erfahrungen mit dem digitalen Pflegekonsil in einem vom Landescaritasverband Bayern initiierten Pilotprojekt im Altenheim St. Antonius in München-Forstenried (www.pflegekonsil.de). Gemeinsam mit der Firma Monks, der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und dem Bayerischen Hausärzteverband wurde eine App entwickelt, über die Pflegekräfte unkompliziert in Kontakt zum/zur betreuenden Hausarzt/Hausärztin treten können. Je nach Bedarf kann so beispielsweise eine Videosprechstunde anberaumt oder eine Wunde begutachtet werden. „Natürlich ersetzt das digitale Pflegekonsil nicht den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt“, erklärt Doris Schneider, Geschäftsleiterin der 27 Altenheime des Caritasverbands. „Aber mit Blick etwa auf den Fach- und Hausärztemangel im ländlichen Bereich glauben wir, dass es eine sinnvolle Unterstützung in der Betreuung unserer Bewohner/-innen ist.“

Aktionen zum Tag der Pflege
Welche spannenden Entwicklungen es auch im Bereich der Pflegeausbildung gibt, stellt die Caritas München Interessierten am 12. Mai 2021 von 16.30 bis 18.00 Uhr vor. „Wir möchten jungen Menschen zeigen, wie zukunftsträchtig und vielfältig der Pflegeberuf ist“, erklärt Marianne Böhme, Fachbereichsleiterin der ambulanten Pflege der Caritas München. „Und gerade bei der Caritas als großem sozialen Arbeitgeber gibt es tolle berufliche Möglichkeiten. Auch darüber werden wir informieren.“ Der Link zur digitalen Veranstaltung wird am 12. Mai über die Facebookseite des Caritasverbands (https://www.facebook.com/caritasmuc) veröffentlicht. Der Deutsche Caritasverband stellt Interviews und weiterführende Informationen bereit unter www.caritas.de/bessere-pflege .(beb/mw)