Caritas sieht steigenden Beratungsbedarf bei Schuldnern.
München, 31. Mai 2021.

Aktionswoche Schuldnerberatung 2021

„Der Mensch hinter den Schulden“ ist das Thema der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung von Montag, 7. bis Freitag, 11. Juni 2021, die von Aktionen und politischen Forderungen der Akteure begleitet wird. „Überschuldung ist immer auch eine menschliche Katastrophe – sie kann bei den Betroffenen zu einer Destabilisierung der familiären, psychischen und sozialen Situation führen“, berichtet Sabine Schuster, Fachreferentin für Soziale Arbeit im Diözesan-Caritasverband. In allen sozialen Schichten nehme die Verschuldung bis hin zu einer Überschuldung zu. „Verschuldung bedeutet lediglich, dass jemand Schulden hat und in der Lage ist, diese wieder auszugleichen. Problematisch ist die Überschuldung, bei der es ein Mensch nicht mehr schafft, aus seinem laufenden Einkommen alle bestehenden Verbindlichkeiten zu erfüllen“, erklärt Schuster. Soziale Schuldnerberatung, die die Caritas-Beratungsstellen anbieten, nehme den Menschen in seinem gesamten sozialen Umfeld in den Blick. Das mache den Erfolg dieses Ansatzes aus, den zahlreiche Studien belegten.
 
Caritas-Schuldnerberatungen sehen mehr Beratungsbedarf
„In Folge der Corona-Pandemie sind neben Solo-Selbstständigen und Freiberuflern viele Existenzen finanziell prekär aufgestellt. Wir sprechen nicht mehr nur über Empfänger von Grundsicherung und im Niedriglohnsektor Beschäftigte. Jetzt drohen auch Menschen in Überschuldung zu geraten, die es vorher niemals für möglich gehalten hätten“, stellt Schuster fest. Und die Auswirkungen spüren nicht nur die Schuldner, sondern auch ihre Familienangehörigen: „Der materielle Mangel kann zu gesundheitlichen Problemen und vermehrten Auseinandersetzungen führen. Die Sorge um die Zukunft belastet vielfach auch die Kinder.“ Für die nahe Zukunft sei nicht mit einer nachhaltigen Entspannung der privaten Überschuldungslage in Deutschland zu rechnen. „Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Überschuldungszahlen weiter ansteigen werden. Unsere Beratungsstellen waren in der Krise immer erreichbar – telefonisch, online oder persönlich. Wir bereiten uns sogar auf einen Zuwachs an Anfragen vor, weil durch Kurzarbeitergeld oder Arbeitsplatzverlust besonders Familien in eine finanzielle Schieflage geraten sind“, erläutert Schuster. „Jeder Überschuldete, dem nicht gut geholfen wird, droht zu einer Belastung für die Kommunen bei der Sozialhilfe zu werden.“
 
Weitere Reformen sind notwendig!                     
Die Expertin in Schuldnerfragen begrüßt ausdrücklich die jüngste Reform des Insolvenzrechts, nach der es möglich sei, nach drei Jahren eine Schuldenbefreiung zu erhalten. Doch nun seien weitere Reformen notwendig: „Die Speicherfristen von Schuldendaten müssen deutlich kürzer werden. Dass bei der Schufa Schuldendaten weitere drei Jahre nach Ende des dreijährigen Insolvenzverfahrens gespeichert bleiben, erschwert ehemals Verschuldeten den Neustart. Für sie ist es zum Beispiel unmöglich, unter diesen Bedingungen eine neue Wohnung zu finden. Wohnen ist ein Menschenrecht, das Überschuldeten oder von Armut Bedrohten nicht vorenthalten werden darf. Daher fordert die Caritas eine Speicherfrist bei der Schufa von einem halben, allerhöchstens einem Jahr“, sagt Schuster.

Netz an Hilfsangeboten in München und Oberbayern
Die Aktionswoche Schuldnerberatung wird veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV). In ihr haben sich Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege auf Bundesebene, der Verbraucherzentrale Bundesverband und die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung zusammengeschlossen. Der Diözesan-Caritasverband bietet Schuldnerberatung an 24 Standorten in München und Oberbayern an. 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten im Jahr rund 6000 Klienten/-innen, davon etwa 14 Prozent Alleinerziehende und 20 Prozent Familien mit Kindern. (mmr)
 
http://www.aktionswoche-schuldnerberatung.de/
 
 Ansprechpartnerin: Sabine Schuster, Referentin für Soziale Arbeit, Tel. 089 55 169 434.